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Social-Media-Marketing in zehn Minuten pro Tag Claus Böbel bloggt um die Wurst und frei von der Leber weg

"Jeder reißt sich tagtäglich den Arsch für seine Kunden auf, kommuniziert es aber nicht." Metzgermeister Claus Böbel bloggt "umdiewurst" und ohne Scheu vor Fettnäpfchen. So manches macht er anders als die Anderen. Das kommt gut an bei den Kunden. Genauso Angebote wie sein Wurst-Taxi oder sein Engagement bei speziellen Kundenwünschen.

Lange Zeit wollte Metzgermeister Claus Böbel von Social-Media nichts wissen. Doch dann hat ihn die Neugier doch gepackt. Der Geschäftsführer einer kleinen Metzgerei im fränkischen Rittersbach fasste einen Entschluss. Unter dem Motto "Ich probier´s einfach" startete er 2010 damit, seinen Arbeitsalltag auf Facebook sowie auf Twitter zu teilen. "Jeder war nicht begeistert", gibt Böbel offen zu. Manche Mitarbeiter sprachen von Zeitverschwendung, andere wiederum fanden es "extrem cool", wie er sagt.

Böbel zog sein Ding durch. Zwei Jahre lang berichtete er auf beiden Kanälen über Erfahrungen, die er mit Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern machte. So viel Zeit wollte sich der Metzgermeister geben, um herauszufinden, welcher Kanal ihm mehr zusagt. "Ich wollte von Anfang an nur eine Sache machen, die aber richtig", erklärt Böbel. Nach der Testphase beendete er seine Twitter-Aktivitäten und konzentrierte sich voll auf Facebook. Die Entscheidung fiel ihm nicht schwer. Nicht nur, dass er über Facebook deutlich mehr Menschen erreichte. Nein, manches passe einfach auch nicht in 140 Zeichen.

Und zu erzählen hat Böbel genug. "Jeder reißt sich tagtäglich den Arsch für seine Kunden auf, kommuniziert es aber nicht." Nicht so Claus Böbel. Er erzählt von dem, was er tut. Nur so könne der Kunde schätzen, was geleistet wird. "Die Leute sehen immer nur das Ergebnis, nicht aber den Weg dorthin", erzählt der Metzgermeister. Der offene Umgang mit seinem Alltag schaffe nicht nur Respekt für seine Arbeit, sondern mache auch Kunden auf Produkte und Service-Angebote aufmerksam, die sie von ihrem Metzger noch gar nicht kannten.

Kuriose Kundenwünsche und Storys aus dem Alltag

Böbels "Wurst-Taxi" bedarf kaum einer Mitteilung. Dass die Metzgerei Böbel bestellte Wurstwaren auch nach Hause liefert, hat sich rund um die 350-Seelen-Gemeinde Rittersbach längst herumgesprochen. Genauso, dass Böbel interessierten Wurstliebhabern auch Wurstkurse anbietet. Beim Umfang eines solchen Kurses ist der Metzger übrigens flexibel. Zwischen drei Stunden und drei Monaten kann so ein Einblick in den Produktionsalltag eines Metzgers dauern.

Deutlich weniger Leute dürften jedoch mitbekommen, dass Böbel auch besondere Kundenanfragen bearbeitet. So lieferte Böbel beispielsweise ein vollständiges Kniegelenk an eine Privatakademie, die dieses für einen Anatomie-Kurs benötigte. Nicht weniger spektakulär war ein Kundenwunsch aus Finnland. Eine Dame orderte Hirn in Dosen, Böbel lieferte. Der Metzger ist aber auch zur Stelle, wenn Veranstaltern um die Ecke sonntags die Bratwürste ausgehen. Auf die Frage, ob er noch welche vorrätig habe, antwortete er spontan mit "Nein, aber ich mache euch sofort welche".

Geschichten wie diese kommen gut an. Doch natürlich erreichen ihn nicht täglich solche Aufträge. Das lässt den Blogger aber nicht verstummen. Schließlich passiere auch sonst noch einiges in seinem Alltag. Ob Böbel nun seine Gedanken zu einem aktuellen Dorfthema äußert, von einem nicht abgeholten Geschenkkorb berichtet oder erklärt, warum er für seinen Online-Shop einen neuen Versanddienstleister gewählt hat – er schreibe einfach darüber, was ihm in seinem Unternehmerleben begegne. "Es gibt so viele kleine Storys im Alltag", weiß Böbel.

Privates Profil statt firmeneigene Facebook-Seite

Eines ist ihm dabei besonders wichtig: Authentizität. Böbel schreibt auf seinem Blog so, wie er es auch im Gespräch mit Lieferanten oder mit Kunden an der Ladentheke tun würde. "Ich überlege nicht, ich schreibe einfach aus dem Bauch heraus", verrät der Metzgermeister. Das habe allein schon zeitliche Vorteile. "Für einen Beitrag brauche ich maximal zehn Minuten", sagt Böbel. Natürlich bedeutet ein authentischer Auftritt aber auch, dass man hin und wieder in ein Fettnäpfchen tritt. Doch damit müsse man leben.

Für seinen Facebook-Blog hat der Metzger übrigens einen Weg gewählt, der nicht ganz üblich ist. Er postet seine Erfahrungen nicht auf einer firmeneigenen Facebook-Seite, sondern in seinem privaten Profil. Eine bewusste Entscheidung: "Es ist psychologisch etwas ganz anderes, ob mit mir ein Unternehmen oder ein Unternehmer spricht", erklärt er. In seiner Freundesliste zählt Böbel aktuell knapp 1.800 Freunde.

Natürlich könne er mit einer Seite mehr "Follower" generieren, darauf kommt es ihm aber nicht an. "Die Qualität der Kontakte zählt, nicht die Masse", meint der Metzgermeister und ist überzeugt, dass seine Facebook-Freunde den Unterschied spüren. Als Freund möchte Böbel auch keine Werbung verbreiten. "Bei mir findet man keine Angebote oder Aktionen, ich schreibe nur über Dinge, die mich bewegen", verspricht der Metzger.

Handwerksbetriebe sollten das Thema Social Media nicht verschlafen

Den Weg über das private Profil ist laut Böbel auch für andere Betriebsinhaber machbar, die mit einem Facebook-Auftritt liebäugeln. Besonders bei kleinen Unternehmen könne das Sinn machen. Schlussendlich müsse die Strategie aber zum jeweiligen Betrieb und Menschen passen. Generell rät Böbel anderen Handwerksbetrieben dazu, die Themen Blog und Social Media nicht zu vernachlässigen. "Das wird auch für Branchen und Betriebe relevant werden, die aktuell noch überhaupt nicht damit rechnen", schätzt er und empfiehlt ihnen sich besser zeitnah darum zu kümmern.

Inhalte sollten seiner Meinung nach nicht nur auf der Facebook-Seite geteilt werden, sondern auch auf der eigenen Website. "Wer weiß, ob Facebook in ein paar Jahren noch existiert, ob es noch kostenlos ist oder was mit meinen Beiträgen passiert", fragt er sich. Seine Beiträge veröffentlicht er deshalb immer auch in etwas abgewandelter Form auf seiner Homepage umdiewurst.de . Ausgewählte Beiträge teilt er zudem auch auf Google+. Das habe aber rein SEO-technische Gründe. Andere Inhalte packt er wiederum in einen Newsletter, den er zwei bis dreimal im Monat an seine Abonnenten verschickt.

Das Bloggen ist für Böbel die "einfachste Form des Marketings". Das bestätigt ihm auch seine Frau. Sie frage sich, wie lange sie wohl im Laden reden müsse, um so viele Leute zu erreichen wie er.

Drei Tipps vom Profi

Wie gelingt der eigene Handwerker-Blog?

  1. Langer Atem: Weder mit Qualität noch mit Quantität nachgeben
  2. Authentisch bleiben: Nicht glatt gebügelt präsentieren, gerne auch mal provozieren
  3. Nicht steif Produkte vermarkten, sondern darüber sprechen, was einen bewegt
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