Eine gute Ausbilderin oder Ausbilder zu sein, entscheidet sich darin, ob der Schützling während seiner Lehrzeit ganzheitlich ausgebildet wird. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt, warum ein Betrieb neben den Lehrinhalten des Ausbildungsvertrags genau so viel Wert auf Charakterbildung legen sollte.

Der Schwerpunkt einer dualen Berufsausbildung im Lernort Betrieb, ist die Vermittlung von Kenntnissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten sowie der Erwerb von erforderlicher Berufserfahrung. Weiterhin gehört zu den Pflichten der Meisterin oder des Meisters, dass die Lehrlinge charakterlich gefördert sowie sittlich und körperlich nicht gefährdet werden. Der Charakter spiegelt sich wider in persönlichen Eigenarten eines Lehrlings. Die können geerbt und erworben werden. Sie sind in der Lehrzeit an seinem Wollen und Handeln erkennbar.
Wie Charakterbildung aussieht
Nehmen wir zum Beispiel die Maler- und Lackierer-Ausbildung. Einige Punkte, in denen ein Malermeister ausbilden und die er bei seinem Lehrling fördern sollte, sind
- Planen, Vorbereiten und Organisieren. Hier muss der Lehrling sehr zuverlässig sein.
- Beim Entwerfen von Konzepten für die Raumgestaltung sollte er kreativ sein.
- Das Verlegen von Bodenbelägen sollte er gewissenhaft ausführen.
- Beim Durchführen von Maßnahmen zum Brandschutz sollte er hilfsbereit sein.
- Fleißig sollte er Beschriftungen herstellen.
- Bei Übergabe der Leistungen an Kunden sollte er ehrlich sein.
Zur Entwicklung von Charaktereigenschaften oder der Persönlichkeit gehört maßvoll erzieherisch zu wirken, ohne jedoch das Elternhaus zu ersetzen. Für eine erfolgreiche Lehre ist auf jeden Fall sehr hilfreich, wenn betriebliche Bemühungen auch von außerhalb, also durch die dazu berechtigten Personen, die Eltern oder den Vormund, begleitet und unterstützt werden.
Beziehung zu sich selbst und dem Meister
Bevor Lehrlinge ihre Persönlichkeit entwickeln können, ist es wichtig, dass sie sich selbst verstehen. Sie sollten daher dazu angeregt werden, ihre Stärken und Schwächen zu erkennen. Sie sollten sich fragen, wie sie in ihrem beruflichen Umfeld wirken. Alle, die sich im Betrieb um die Lehrlinge kümmern, haben in diesem Zusammenhang eine große Verantwortung. Denn die Beeinflussung während der Ausbildungszeit kann positiv oder negativ ausfallen.
Wichtig für den Meister ist, Erlebnisse aus der persönlichen Lehrzeit nicht ohne weiteres auf die Lehrlinge im Betrieb anzuwenden. Wenn die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Ausbildungspersonal und Lehrlingen passen, übernehmen diese die vorgelebten Wertvorstellungen. Die Qualität der Beziehung kann gestärkt oder geschwächt werden.
Es lohnt sich
Manche Meisterinnen und Meister sind der Meinung, dass die Ausbildung ihrer Lehrlinge ganz zufriedenstellend verläuft, wenn sie nur ausreichend mit dem beschäftigt werden, was dem betrieblichen Ausbildungsplan zugeordnet werden kann. Damit wäre dann schon die wesentliche Pflicht aus dem Lehrvertrag erfüllt. Da kann von außen niemand kommen und meckern. Den Charakter allerdings halten sie für etwas, das von Natur aus gegeben ist und lediglich erhalten werden muss.
Es gehört aber auch zu den Aufgaben der Ausbilderinnen und Ausbilder, aus den Lehrlingen lebensfähige Menschen zu machen. Aus ihnen sollen starke Persönlichkeiten werden, die fähig sind, schlechten Einflüssen standzuhalten. Ziel ist, dass sie Erfolg haben und zu reifen Menschen heranwachsen, die für sich sorgen können. Die charakterliche Entwicklung der Lehrlinge ist eine Aufgabe, die sich über den gesamten Verlauf der Lehrzeit hinzieht.
Noch ein kleiner Tipp zum Schluss. Werden Nachwuchskräfte gut gefördert, verbessert das die Zufriedenheit der jungen Leute. Die Konsequenz: Der Lehrbetrieb wird weiterempfohlen.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.