Der CDU-Vorstoß zur Abschaffung der Hauptschule spaltet die Lehrerschaft in Deutschland. Der Verband Bildung und Erziehung begrüßte am Donnerstag die CDU-Pläne für ein zweigliedriges Schulsystem. Der Deutsche Philologenverband kritisierte das Vorhaben. Die CDU-Führung will das Zwei-Wege-Modell mit Gymnasium und Oberschule in allen Ländern vom Parteitag im November in Leipzig beschließen lassen.
CDU-Schulideen entzweien Lehrerschaft
Berlin (dapd). Der CDU-Vorstoß zur Abschaffung der Hauptschule spaltet die Lehrerschaft in Deutschland. Der Verband Bildung und Erziehung begrüßte am Donnerstag die CDU-Pläne für ein zweigliedriges Schulsystem. Der Deutsche Philologenverband kritisierte das Vorhaben. Die CDU-Führung will das Zwei-Wege-Modell mit Gymnasium und Oberschule in allen Ländern vom Parteitag im November in Leipzig beschließen lassen. Am Montag befindet der Parteivorstand darüber.
Der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann sieht die CDU "auf dem richtigen Weg". "Es ist allemal besser, sich der Wirklichkeit zu stellen statt sich in ideologischen Gräben zu verbarrikadieren", sagte Beckmann. Er verwies darauf, dass das Zwei-Säulen-Modell seit zwei Jahrzehnten in Ostdeutschland seinen Praxistest bestehe. Und im Westen sei "die Abstimmung mit den Füßen gegen die Hauptschule nicht zu stoppen". Der Rückgang der Schülerzahlen verschärfe obendrein das Problem der Kommunen, wohnortnah getrennte Bildungsangebote vorzuhalten. "Wenn jedoch eine Schule neben dem Gymnasium eine dauerhafte Akzeptanz bei den Eltern haben soll, muss in dieser die Option Abitur sichergestellt werden", betonte Beckmann, dessen Verband nach eigenen Angaben rund 140.000 Mitglieder hat.
Philologenverband warnt vor Zerschlagung von Hauptschulen
Der Deutsche Philologenverband hält die CDU-Pläne hingegen für unausgereift. Der Verbandsvorsitzende Heinz-Peter Meidinger warnte die Union davor, ihre bildungspolitischen Grundsätze über Bord zu werfen. Die begabungsgerechte und abschlussbezogene differenzierte Förderung von Schülern in passgenauen unterschiedlichen Schularten habe immer zu den Grundüberzeugungen der Bildungspolitik der Union gezählt.
Es sei zwar unstrittig, dass in einer Reihe von Bundesländern die Hauptschule nicht mehr bestandsfähig beziehungsweise schon abgeschafft oder mit Realschulen zusammengelegt worden sei. Es gebe aber zugleich weit mehr als 1.000 gut funktionierender eigenständiger Haupt- und Realschulen, die sehr gute Ergebnisse in den PISA-Studien aufwiesen. Diese jetzt aufzugeben, sei unsinnig, sagte der Vorsitzende des Verbandes mit rund 90.000 Mitgliedern.
Das 30-seitige Papier der CDU war am Mittwoch bekannt geworden. Die Schwesterpartei CSU machte umgehend klar, dass die Hauptschule für sie Bestand hat. Die Vielfalt der Schularten sei entscheidend für die individuelle Förderung, erklärte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU).
dapd
