Pendlerpauschale CDU bremst Hubers Vorschlag aus

CSU-Chef Erwin Huber will die Pendlerpauschale wieder einführen. Begründung: Die Bürger sollen aufgrund der steigenden Benzinpreise nicht noch zusätzlich belastet werden. Nicht nur in der Schwesterpartei CDU stößt Huber auf Kritik.

CDU bremst Hubers Vorschlag aus

Der CSU-Chef verteidigte seinen Vorstoß. Dies sei "ein Gebot der sozialen Gerechtigkeit", betonte er. Er wolle nicht auf die noch ausstehende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts warten. "Ich bin dafür, dass wir das jetzt beraten. Wer es gut meint mit Gerechtigkeit, der kann doch nicht sagen, ich warte ab." Huber argumentierte, vor allem die steigenden Benzinpreise belasteten die Bürger enorm. Es sei an der Zeit, dass die Menschen mehr "netto vom brutto" im Geldbeutel hätten.

Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts abwarten

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger warnte vor vorschnellen Gesetzesänderungen. Er erinnerte daran, dass die Kürzung der Pendlerpauschale von der CSU mitgetragen worden sei: "Das war eine bewusste Entscheidung der gesamten Großen Koalition." "Wir müssen abwarten, bis das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vorliegt."

Der CDU-Wirtschaftsexperte Michael Fuchs will ebenfalls den Richterspruch abwarten. Gleichzeitig nannte er aber Hubers Plan sinnvoll, Arbeitnehmer zu entlasten. Es stelle sich jedoch die grundsätzliche Frage nach der Ausgestaltung des Steuersystems: "Mir wäre es am liebsten, wenn alle Steuerausnahmen, also auch die Pendlerpauschale, abgeschafft und dafür die Steuersätze kräftig gesenkt würden."

Die Bundesregierung sieht nach Worten von Vize-Regierungssprecher Thomas Steg derzeit keinen Handlungsbedarf. Zunächst müsse die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes abgewartet werden. Die Koalition habe die Pauschale neu gestaltet, um 2,5 Milliarden Euro einzusparen, sagte Steg. Dieses Ziel dürfe nicht aufgegeben werden.

Ein Sprecher von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) verwies ebenfalls auf die Beschlusslage der Bundesregierung, sagte jedoch, der Minister habe sich mehrmals dafür ausgesprochen, die Kaufkraft von Beziehern mittlerer und unterer Einkommen zu stärken. Darüber müsse nun diskutiert werden.

SPD und Grüne bezeichnen Hubers Vorschlag als Wahltaktik

SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber kritisierte den CSU-Vorstoß heftig: "Bei der CSU muss es das große Muffensausen geben, wenn sie nach dem Rauchverbot auch das Thema Pendlerpauschale zurückdrehen will." Grünen-Fraktionschefin Renate Künast nannte die Forderung ein wahltaktisches Ablenkungsmanöver.

Links-Parteichef Oskar Lafontaine unterstützte Huber dagegen. Eine Rückkehr zur alten Regelung sei "aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit" dringend geboten. Huber ging seinerseits auf Distanz zur Linken: "Man kann sich ja nicht gegen Beifall von der falschen Seite wehren", sagte er.

Der Bundesfinanzhof hatte Ende Januar die Kürzung der Pendlerpauschale als unvereinbar mit dem Grundgesetz bezeichnet. Darüber entscheidet nun das Verfassungsgericht. Seit 1. Januar 2007 können Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit nur noch dann von der Steuer abgesetzt werden, wenn die Fahrtstrecke länger als 20 Kilometer ist.

Mey Dudin/ddp