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Erschöpfung im Job: Wenn nichts mehr geht Burnout künftig als Krankheit anerkannt

Man fühlt sich ausgebrannt, erschöpft und nicht mehr leistungsfähig. Für viele Menschen gehört das zum Berufsalltag. Diagnose Burnout. Was bisher nur als Zusammenfassung mehrerer Symptome galt, erkennt die Weltgesundheitsorganisation künftig offiziell als Krankheit an.

Wer nicht genau auf seinen Körper hört und ihm nicht genügend Ruhe und Ausgleich bietet, läuft Gefahr, einen Burnout zu bekommen. Dabei können verschiedene Anzeichen des Körpers Anlass zur Sorge geben. Bislang handelt es sich bei Burnout weder um eine Krankheit noch um eine genau definierte Diagnose. Der Begriff selbst steht für alle möglichen Arten von Depressionen und hat meistens einen hohen Bezug zur Arbeitswelt. Allgemein gültig ist dabei die Behauptung, dass es sich beim Burnout-Syndrom um einen Erschöpfungszustand handelt, der im Berufsalltag entstanden ist.

Diese ungenaue Definition und der Umgang damit sollen sich künftig allerdings ändern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nun auf ihrer Jahrestagung bekannt gegeben, dass Burnout in die Liste offiziell anerkannten Krankheiten aufgenommen werden soll. Diese Liste ist eigentlich ein internationales Klassifikationssystem, ein Verzeichnis von derzeit circa 55.000 Krankheiten, Symptome und Verletzungsursachen mit spezifischen Codes. Die aktuell gültige Version des Katalogs gilt einen Bericht von Spiegel Online zufolge seit Anfang der Neunzigerjahre. Ab Januar 2022 soll das neue Verzeichnis dann inklusive der Krankheit Burnout gelten. Wann die neue Liste in Deutschland Gültigkeit erlangt, steht allerdings noch nicht fest.  Durch die Anerkennung als Krankheit sollen Ärzte weltweit Diagnosen registrieren und besser statistisch erfassen können. Voraussetzung ist eine einheitliche Definition von Burnout.

Doch das Burnout-Syndrom ist ein schleichender Prozess, der sich über Jahre hinziehen kann. Statt sich ausreichend Ruhe und Auszeit zu gönnen, legen viele Berufstätige noch eins drauf und erhöhen den Output. Die ersten Anzeichen für einen Burnout werden dabei falsch verstanden oder meist völlig ignoriert. Die folgende Checkliste soll helfen zu erkennen, bei welchen Symptomen der eigene Berufsalltag reflektiert werden sollte:

Checkliste: Erste Anzeichen für das Burnout-Syndrom

Chronische Müdigkeit und Schlaflosigkeit

Überarbeitete Menschen neigen dazu, ständig müde zu sein. Kurzfristig ist wenig Schlaf und ungenügend viel Erholung für Körper und Geist nicht problematisch. Auf lange Sicht hin jedoch wird der Körper nicht Schritt halten können und protestiert. Konzentrationsmängel, regelmäßige Kopfschmerzen, wechselnder Appetit, schwere Augen und auch Schlaflosigkeit könnten erste Hinweise auf Überforderung sein.

An dieser Stelle kann man noch die Reißleine ziehen und dem Körper die nötige Ruhe gönnen. Mit der chronischen Müdigkeit kann auch Schlaflosigkeit einhergehen. Sie kann entstehen, weil gedanklich nicht mehr abgeschaltet werden kann. Aus diesem Grund sollte nach der Arbeit regelmäßig das Abschalten trainiert und versucht werden, geschäftliche Unternehmungen und Überlegungen in der Freizeit zu meiden.

Wut, Ärger und Selbstkritik

Ein Übermaß an Ungeduld, Wut und wachsendem Ärger über meist Kleinigkeiten können auf einen Burnout hinweisen. Je überforderter man ist, desto weniger machen wird nach der eigenen Ansicht richtig. Selbstkritik ist ebenfalls ein wichtiger Indikator für das Burnout-Syndrom.

Depression und Hilflosigkeit

Hier muss man zunächst unterscheiden: Gemeint ist nicht die klinisch diagnostizierte Depression, sondern das unregelmäßig auftauchende Gefühl von Antriebslosigkeit, negativen Gedanken und Traurigkeit. Ein Gefühl der Hilflosigkeit tritt häufig Hand in Hand mit depressiven Gefühlen auf. Zu spüren ist dies im Alltag vor allem daran, dass man glaubt allein dazustehen und Angst vor den nächsten Schritten haben.

Negativität

Nach negativen Aspekten und Gründen, sich schlecht zu fühlen wird förmlich gesucht. Eine allumfassende Negativität greift in Ihrem Leben um sich und alles wird in Frage gestellt, auch die immer positiven Aspekte des Lebens.

Gewichtsveränderung

Sobald etwas körperlich oder geistig nicht mehr im Gleichgewicht ist, schlägt sich das auf Verhalten und Appetit nieder. Dabei ist das Essverhalten bei jedem, je nach Stresslevel, unterschiedlich. Während die einen unentwegt essen und vor allem auf kalorienhaltige Nahrung zurückgreifen, haben andere gar keinen Hunger mehr. Wer in kurzer Zeit sehr viel zu- oder abnimmt, sollte unbedingt sein persönliches Stresslevel hinterfragen.

WHO: "Burnout" nur im Beruf und nicht in anderen Lebensbereichen

Die WHO legt Burnout in ihrem aktuellen Beschluss anhand von drei Dimensionen fest: ein Gefühl der Erschöpfung,  eine zunehmende geistige Distanz oder negative Haltung zum eigenen Job und ein verringertes berufliches Leistungsvermögen. Laut Spiegel Online beschreibt sie es als Syndrom aufgrund von "chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet wird." Zudem legt sie für die Anerkennung als Krankheit fest, dass der Begriff Burnout dann ausschließlich im beruflichen Zusammenhang und nicht "für Erfahrungen in anderen Lebensbereichen" verwendet werden sollte. dhz

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