Mehr als hundertausend Menschen haben am Wochenende in ganz Deutschland gegen die Atomkraft demonstriert. Die Veranstalter sprachen von 160.000 Demonstranten. Umweltverbände, Anti-Atomkraft- und Friedensorganisationen hatten am Samstag in 21 Städten zu Protesten aufgerufen.
Bundesweite Proteste gegen Atomkraft
Berlin (dapd). Mehr als hundertausend Menschen haben am Wochenende in ganz Deutschland gegen die Atomkraft demonstriert. Die Veranstalter sprachen von 160.000 Demonstranten. Umweltverbände, Anti-Atomkraft- und Friedensorganisationen hatten am Samstag in 21 Städten zu Protesten aufgerufen. Unter dem Motto "Atomkraft: Schluss!" fanden unter anderem in Berlin, Hamburg, München, Dresden, Göttingen und Mannheim Demonstrationen statt.
In Berlin kletterten zudem am Sonntag Greenpeace-Aktivisten auf das Brandenburger Tor und entrollten ein Banner mit der Aufschrift "Jeder Tag Atomkraft ist einer zu viel". Es beteiligten sich rund 50 Greenpeace-Aktivisten an dem Protest.
Die Kernkraftgegner wollten damit auch den Druck auf die Politik vor einem Treffen der schwarz-gelben Koalition erhöhen. Am Sonntagabend wollten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Spitzen von CDU, CSU und FDP im Koalitionsausschuss über die Energiewende beraten. Am Montag legt die Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung unter dem Vorsitz von Ex-Umweltminister Klaus Töpfer (CDU) ihre abschließenden Empfehlungen vor. Nach dapd-Informationen hält die Ethikkommission einen Ausstieg innerhalb eines Jahrzehnts für möglich.
Atomgegner fordern sofortige Stilllegung aller Reaktoren
Der Sprecher der Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt", Jochen Stay, forderte am Sonntag, angesichts der Gefahren müssten alle Atomkraftwerke sofort stillgelegt werden. "Auch in den sogenannten neusten AKW - die auch schon weit über 20 Jahre alt sind - kann es jeden Tag zur Kernschmelze kommen. Das hat der Bericht der Reaktorsicherheitskommission belegt", sagte Stay. Sollte die Regierung übereinkommen, Kraftwerke zehn weitere Jahre am Netz zu belassen, dann dürfe es weder eine Revisionsklausel, noch die Übertragung von Strommengen, noch eine AKW-Kaltreserve geben. Diese würde nach Ansicht von Stay "Tür und Tor für Tricksereien der Stromkonzerne öffnen, um Alt-Reaktoren wieder ans Netz zu bekommen, sobald die Bilder aus Fukushima in den Hintergrund gerückt sind". Vielmehr müsse es einen "ambitionierten Stufenplan mit konkreten Stilllegungsterminen" für jeden Reaktor geben.
Proteste im gesamten Bundesgebiet
Rund 25.000 Demonstranten waren nach Veranstalterangaben in Berlin am Samstagmorgen am Roten Rathaus zu einem Protestmarsch aufgebrochen. Sie zogen über die Straße Unter den Linden und vorbei am Bundestag bis zur Parteizentrale der CDU. Dort fand eine Abschlusskundgebung mit Vertretern von Naturschutzverbänden statt. Die Demonstranten forderten die Bundeskanzlerin auf, ohne jede Verzögerung das Ende der Atomenergienutzung in Deutschland durchzusetzen.
Mehrere Tausend Atomkraftgegner demonstrierten auch in Nordrhein-Westfalen, insbesondere in Münster, Essen und Bonn.
In mehreren norddeutschen Städten forderten Tausende Umweltschützer bei Demonstrationen die Stilllegung aller Atomkraftwerke. Rund 12.000 Menschen beteiligten sich nach Angaben der Bürgerinitiative Umweltschutz Hannover an einer Kundgebung in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Die Polizei sprach allerdings nur von etwa 2.000 Teilnehmern. Mehrere tausend Atomgegner zogen auch in Hamburg vom Jungfernstieg über das Millerntor zum Fischmarkt.
dapd
