Wieker sieht Reform auf gutem Weg - Im Herbst steht die Standortfrage an Bundeswehr ist ineffizient

Die Modernisierung der deutschen Streitkräftestruktur ist offensichtlich dringend nötig. Wie die "Wirtschaftswoche" am Wochenende unter Berufung auf Daten der Europäischen Verteidigungsagentur EDA berichtete, schneidet die Bundeswehr bei Einsatzfähigkeit und Effizienz im Vergleich mit den anderen westeuropäischen Armeen ausgesprochen schlecht ab.

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Bundeswehr ist ineffizient

Berlin (dapd). Die Modernisierung der deutschen Streitkräftestruktur ist offensichtlich dringend nötig. Wie die "Wirtschaftswoche" am Wochenende unter Berufung auf Daten der Europäischen Verteidigungsagentur EDA berichtete, schneidet die Bundeswehr bei Einsatzfähigkeit und Effizienz im Vergleich mit den anderen westeuropäischen Armeen ausgesprochen schlecht ab.

Demnach liegt die Zahl der einsatzfähigen deutschen Soldaten derzeit bei 7.000, bei den Franzosen sind es 30.000 und bei den Briten 22.000. Hinter jedem Bundeswehrsoldaten im Einsatz stünden 35 Kameraden und 15 zivile Mitarbeiter daheim im Grundbetrieb und zur Unterstützung. Bei den Franzosen sind es dem Bericht zufolge 8 plus 2, bei den Briten 9 plus 4 und EU-weit 16 plus 4. Die Ausgaben pro Soldat im Einsatz lägen mit 5,16 Millionen Euro bei der Bundeswehr drei Mal so hoch wie im EU-Durchschnitt.

Input und Output stünden in einem erschreckenden Verhältnis, sagte der FDP-Verteidigungspolitiker Christoph Schnurr dem Magazin und befand: "Die Bundeswehr hat den Wandel ihrer Kernkompetenz von einer stehenden Panzerarmee zu hochmobilen Einsatzkräften noch nicht umgesetzt."

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wollte die Zahlen auf dapd-Anfrage weder bestätigen noch im Einzelnen bewerten, wies aber darauf hin, dass die laufende Bundeswehrreform genau darauf ausgerichtet sei, die Effizienz der Truppe zu steigern. So sei vorgesehen, die Zahl der für Auslandseinsätze verfügbaren Soldaten um 50 Prozent zu erhöhen. Künftig sollen rund 10.000 Soldaten "durchhaltefähig", also auch über einen längeren Zeitraum hinweg, bereitstehen, um an internationalen Einsätzen mitzuwirken. Zu den Vergleichszahlen sagte der Sprecher weiter, man müsse bedenken, dass die Bundeswehr bislang eine Wehrpflichtarmee gewesen sei im Gegensatz zu Berufsarmeen anderer Länder.

Generalinspekteur Volker Wieker äußerte sich derweil zufrieden mit dem Fortgang der Bundeswehrreform. Was die Rekrutierung des Nachwuchses nach dem Ende der Wehrpflicht angehe, sei die Truppe mittlerweile auf einem guten Weg, sagte der ranghöchste deutsche Soldat im Deutschlandfunk.

Im Herbst soll dann auch über Bundeswehr-Standorte entschieden werden. Dazu sagte Wieker, es sollte dabei darauf geachtet werden, in der Nähe möglicher Bewerber zu bleiben. "Wir verkennen ein wenig, dass junge Leute, bevor sie sich vollständig von zu Hause abnabeln, zunächst eine regionale Berufsperspektive suchen", gab Wieker zu bedenken. Dies sei auch ein Kriterium für die Standortentscheidungen im Herbst. Weitere seien Ausbildungs- und Übungsmöglichkeiten, der Zustand der Infrastruktur und die Attraktivität eines Standortes wichtige Kriterien. Der General sagte, er denke nicht, dass es so "dick" komme, wie von manchen jetzt befürchtet werde.

Mehrere Ministerpräsidenten haben sich bereits zu Wort gemeldet. Sie wollen möglichst viele Standorte erhalten. Aus Kosten- und Effizienzgründen werden aber vermutlich zahlreiche Standorte bundesweit wegfallen. Die Länderchefs forderten unlängst ein Mitspracherecht in der brisanten Standortfrage. Die Bundeswehr sei in strukturschwachen Regionen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, hieß es. Welche Standorte bei der Verkleinerung der Bundeswehr aufgegeben werden, will Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) im September verkünden.

Die Bundesregierung erhofft sich durch die Bundeswehrreform nicht nur eine Steigerung der Effizienz, sondern auch Einsparungen in Milliardenhöhe. Kritisch hinterfragt wird von Fachleuten beispielsweise der Dienstsitz Bonn des Verteidigungsministeriums sowie die Zahl der Beschäftigten in der Verwaltung. Auch kostspielige Rüstungsprojekte stehen auf dem Prüfstand.

dapd