Für die Mehrheit der Bundesbürger ist die Energiepolitik eines der großen Themen im Wahlkampf – weil die Energiewende stockt und die Strompreise weiter steigen.

Bei der Bundestagswahl im September spielt die Energiepolitik der Bundestagsparteien für 62 Prozent der Deutschen eine große Rolle. Nahezu jeder fünfte Bundesbürger macht seine Stimme explizit vom Standpunkt einzelner Parteien zu Energiethemen abhängig. Das berichtet der Energiedienstleister Ensys, der dazu eine repräsentative Online-Befragung durchgeführt hat.
Laut den Ergebnissen der Online-Befragung ist das Energieprogramm der einzelnen Parteien für 19 Prozent der Deutschen bei der Bundestagswahl ausschlaggebend. Für weitere 43 Prozent hat es immerhin einen großen, wenn auch keinen entscheidenden Einfluss.
Energiepolitik auf der Tagesordnung
Die Energiewende macht sich zwei Monate vor der Wahl als brisantes wirtschaftspolitisches Thema deutlich bemerkbar. "Der gewollte Ausstieg aus der Kernenergie, die Vermeidung von CO2-Emissionen, die EEG-Förderung, aber auch der Anstieg der Strompreise sind immer wieder Tagesthema", sagt ensys-Vorstand Andreas Hergaß.
Einige große Stromunternehmen drohen bereits mit der Abschaltung von Kohle- und Gaskraftwerken, weil sich der Betrieb vieler Meiler wegen der Ökostromförderung und des Ausbaus erneuerbarer Energien nicht mehr rechne. Die Bundesnetzagentur meldete, dass 15 Kraftwerke in Deutschland vom Netz gehen sollen. Und noch mehr stehen zur Disposition. Versorger drohen damit, bis zu 20 Prozent ihrer Kraftwerke mangels Rentabilität stillzulegen. Das würde die Stromversorgung auf eine harte Probe stellen.
Verunsicherung wegen Strompreisen
"Solche Spekulationen über die Energieversorgung verunsichern Deutschlands Bürger", sagt Hergaß. "Auf der einen Seite wird vom boomenden Ökostrom und unrentablen Kraftwerken gesprochen. Auf der anderen Seite befürchten die Menschen - neben den steigenden Strompreisen - Versorgungsengpässe durch die Abschaltung der konventionellen Stromproduktion." Dieser Zwiespalt wirkt sich auf das Wahlverhalten der Bürger aus. bur