Aigner sieht Spekulation nicht als Hauptproblem der Welt-Agrarpreise Bundesregierung will stärker gegen extreme Preisschwankungen vorgehen

Die Bundesregierung will auf dem G-20-Gipfel gemeinsam mit Frankreich schärfere Maßnahmen gegen die zunehmende Spekulation mit Agrarprodukten ergreifen. Das kündigten Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) am Mittwoch in Berlin an.

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Bundesregierung will stärker gegen extreme Preisschwankungen vorgehen

Berlin (dapd). Die Bundesregierung will auf dem G-20-Gipfel gemeinsam mit Frankreich schärfere Maßnahmen gegen die zunehmende Spekulation mit Agrarprodukten ergreifen. Das kündigten Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) am Mittwoch in Berlin an. Sie erklärten allerdings zugleich, die Spekulationen an den globalen Agrarmärkten seien ebenso wenig das größte Problem für den Hunger in der Welt wie die zunehmende Inanspruchnahme von Agrarflächen durch den Anbau von Energiepflanzen.

Die Spekulation mit Agrarprodukten an Warenterminmärkten macht nach neueren Gutachten der Universität Bremen und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zwischen 15 und 20 Prozent der Agrarpreise aus, die im letzten halben Jahr teilweise um 30 Prozent gestiegen sind. Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, wies darauf hin, dass das eine zweistellige Millionenzahl zusätzlich hungernder Menschen bedeute. Sie forderte deshalb im Namen weiterer Nichtregierungsorganisationen Maßnahmen zur Begrenzung der Spekulantengewinne und eine Börsenumsatzsteuer auf Nahrungsmittel, aber auch Kontrolle und Transparenz des außerbörslichen Handels.

Aigner legte den Schwerpunkt auf die Transparenz der Märkte und versprach, sich auf den internationalen Konferenzen für Berichtspflichten und Regularien einzusetzen, die Überreaktionen dämpfen sollen. "Der Prozess wird nicht einfach", schränkte sie Hoffnungen ein.

Wie Aigner erklärte Niebel jedoch, die Spekulation sei nicht das Hauptproblem des Welthungers. Neben Naturkatastrophen, dem Wachstum der Weltbevölkerung und den steigenden Ansprüchen in den Schwellenländern seien es im Wesentlichen die allgemein mangelnde Infrastruktur und die dadurch bedingten hohen Ernteverluste. Die Frage des Flächenverbrauchs durch den Anbau von Kraftstoff-Agrarprodukten spiele dagegen eine geringe Rolle. Aigner erklärte: "Bei uns geht nach wie vor Teller vor Tank", aber auf diese Art der Kraftstoffgewinnung solle nicht verzichtet werden.

dapd