Pro Jahr sollen 100.000 Gebäude an Fernwärmesysteme angeschlossen werden, verkünden Wirtschaftsminister Habeck und Bauministerin Geywitz auf dem Fernwärmegipfel. Die Netze sollen außerdem dekarbonisiert werden.

Zum Gelingen der Wärmewende will die Bundesregierung den Ausbau der Wärmenetze beschleunigen. "Um das hinzubekommen haben wir uns durchaus eine ehrgeizige Zielmarge gesetzt. Das heißt 100.000 Gebäude sollen jährlich an Fernwärmesysteme angeschlossen werden", sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) nach dem Fernwärmegipfel mit Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) und knapp 30 Vertretern aus Wirtschaft, Gewerkschaften, Umwelt- und Verbraucherschutz. Außerdem soll die Fernwärme zunehmend mit erneuerbaren Energien erzeugt werden. Derzeit liegt ihr Anteil bei rund 20 Prozent.
Habeck: Fernwärme kann sehr kosteneffiziente Lösung sein
Nach den Worten Habecks können Wärmenetze eine besonders kosteneffiziente klimaneutrale Lösung für die Wärmeversorgung von Gebäuden, Quartieren und ganzen Kommunen sein. "Denn sie ermöglichen es, den Wärmebedarf ohne größeren Umbau der Gebäude aus zentralen, zukünftig erneuerbaren Quellen zu decken", sagte er. Wichtig sei beim Ausbau der Fernwärmenetze zudem, die Preistransparenz und damit den Verbraucherschutz zu stärken.
Geywitz will für Planungssicherheit sorgen
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr rund 6,1 Millionen Wohnungen mit Fernwärme versorgt. "Wärmenetze sind schon heute vielerorts eine Option", sagte Geywitz. Wichtig seien jetzt Planungssicherheit und Transparenz beim Ausbau. Eigentümer sollen möglichst früh wissen, ob ihr Haus an ein Netz angeschlossen werden könne, sagte sie auch mit Blick auf das viel diskutierte Gebäudeenergiegesetz. "Mit dem Gesetz zur kommunalen Wärmeplanung, dass wir gerade auf den Weg bringen, wollen wir hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten", fügte sie hinzu.
Abwärme und Geothermie soll verstärkt genutzt werden
Laut Gesetzentwurf zur kommunalen Wärmeplanung sollen Länder und Kommunen in den kommenden Jahren konkrete Pläne vorlegen, wie sie ihre Heizinfrastruktur klimaneutral umbauen wollen. Nach den Worten der Ministerin geht es jetzt darum, dass die Kommunen vor Ort die jeweiligen ungenutzten Potenziale zur Wärmeerzeugung wie Abwärme von Industrie oder Rechenzentren oder auch andere Wärmequellen wie Abwasser und Geothermie prüften.
Unternehmen fordern bessere Rahmenbedingungen
Die zum weiteren Ausbau der Wärmenetze notwendigen Unternehmen stehen bereit, betonte Hansjörg Roll, Präsident des Energieeffizienzverbandes für Wärme, Kälte und KWK (AGFW). Damit die Wärmewende gelinge, brauche es aber neue Rahmenbedingungen. "Wir müssen schneller werden", sagte er etwa mit Blick auf Planungs- und Genehmigungsverfahren. Auch müsse die Förderung nachhaltig aufgestellt sein.
Auch Fernwärme soll bis 2045 klimaneutral sein
Einig waren sich Gipfelvertreter, dass klimafreundliches Heizen auf lange Sicht nur gelingt, wenn auch die Fernwärme mit erneuerbaren Energien erzeugt wird. Derzeit liegt ihr Anteil bei rund 20 Prozent. Schon 2030 soll es deutlich mehr sein. 2045 soll die für Wärmenetze erzeugte Energie zudem ohne Treibhausgase hergestellt werden.
Mike Schubert, Präsidiumsmitglied des Deutschen Städtetages, wertet die Erklärung als ein wichtiges Signal."Es ist gut, dass die Bundesregierung bei ihren Plänen für die Wärmewende jetzt die große und positive Bedeutung der kommunalen Wärmenetze für die künftige Wärmeversorgung anerkennt."