Jahreswirtschaftsbericht Bundesregierung erwartet wirtschaftlichen Einbruch

Die Bundesregierung erwartet für Deutschland im laufenden Jahr eine tiefe Rezession, sinkende Exporte und eine steigende Arbeitslosigkeit.

Rückgang der Exporte drückt das deutsche Wirtschaftswachstum. Foto: ddp

Bundesregierung erwartet wirtschaftlichen Einbruch

"Die Weltkonjunktur ist auf Talfahrt", sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts. Für das Gesamtjahr sei mit einem Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,25 Prozent zu rechnen, nachdem bislang ein Anstieg von 0,2 Prozent erwartet worden war. 2008 war die deutsche Wirtschaft noch um 1,3 Prozent gewachsen und 2007 sogar um 2,5 Prozent.

Die Arbeitslosenquote werde im Jahresdurchschnitt 2009 bei 8,4 Prozenet liegen nach 7,8 Prozent im Vorjahr. Bis zum Jahresende werde die Zahl der Arbeitslosen um rund 500.000 Personen auf rund 3,5 Millionen steigen.

"Die deutsche Wirtschaft steht in diesem Jahr vor der größten Herausforderung seit der Wiedervereinigung", erklärte die Regierung mit Blick auf den erwarteten stärksten Wirtschaftseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Die kurzfristigen Wachstumsperspektiven hätten sich drastisch verschlechtert. "Die deutsche Wirtschaft ist durch ihre starke Exportabhängigkeit besonders von der sinkenden Nachfrage aus den Handelspartnerländern und der Zuspitzung der Finanzmarktkrise betroffen", konstatierte die Regierung.

Die Exporte, die in den vergangenen Jahren eine Hauptstütze für das Wachstum waren, werden der Prognose zufolge 2009 um 8,9 Prozent zurückgehen. Die Importe dürften um 5,0 Prozent sinken. Für die Binnennachfrage wird in dem Entwurf ein Rückgang um 0,1 Prozent veranschlagt, während für den Privatkonsum eine Zunahme um 0,8 Prozent erwartet wird. Dabei seien die in den beiden Konjunkturpaketen der Bundesregierung enthaltenen Maßnahmen zur Abschwächung des Abschwungs bereits berücksichtigt.

Talsohle noch nicht erreicht

In der weltweiten Finanzkrise sieht Glos die Talsohle noch nicht erreicht. "Die Turbulenzen bei den Banken und an den Finanzmärkten sind noch nicht überwunden", sagte er. Man müsse sich auf weitere negative Überraschungen einstellen. Speziell zum deutschen Bankenmarkt wollte sich Glos allerdings nicht äußern.

Erst für die zweite Hälfte 2009 rechnet Glos mit einer Wende bei der Wirtschaftsentwicklung. "Es wird uns gelingen, mit der Krise fertig zu werden", sagte er. Neben den rund 80 Milliarden Euro umfassenden Maßnahmen der beiden Konjunkturpakete stützt sich die Hoffnung des Bundeswirtschaftsministers dabei auch auf den privaten Konsum. Neben den Entlastungen aus den Konjunkturpaketen wies er auf die für 2009 erwartete niedrige Inflationsrate von 0,5 Prozent nach 2,6 Prozent in 2008 hin. Der Rückgang bei den Energiepreisen dürfte die deutschen Verbraucher in diesem Jahr zudem um rund 20 Milliarden Euro entlasten.

Die Wirtschaft hält die Prognosen der Regierung für realistisch. "Die negativen Wachstumserwartungen von minus 2,25 Prozent für das laufende Jahr entsprechen dem deutlich breiter gewordenen Risikoszenario für die Konjunktur in Deutschland", teilten der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) mit. Die Konjunkturpakete wiesen allerdings in die richtige Richtung. Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hält es für realistisch, "dass wir ab Mitte des Jahres den Boden erreicht haben", sagte Chefvolkswirt Volker Treier dem Sender n-tv.

Ralf Beunink/ddp