Sorgen um die Verbraucher: Damit Haushalte Strom sparen und außerdem die Umwelt schützen, fordert die Elektroindustrie eine Abwrackprämie für alte Haushaltsgeräte - und bekommt von der Politik eine Abfuhr.
Das was es vor einigen Jahren für ausgediente Autos gab, fordern Hersteller der Elektroindustrie und Verbraucherschützer auch für Elektrogeräte: Eine Abwrackprämie. Das kommt bei Bundesregierung nicht gut an. "Wir unterstützen solche Vorschläge nicht", betonte eine Sprecherin des Umweltministeriums.
Doch die Forderung ist nicht neu. In den vergangenen Monaten hatten Hersteller und Verbraucherschützer wiederholt die Abwrackprämie für alte Elektrogeräte ins Gespräch gebracht. Befürworter sehen sie als Mittel, um den Stromverbrauch in deutschen Haushalten zu senken.
In Deutschland gebe es 30 Millionen Haushaltsgeräte, die älter sind als 14 Jahre, sagte der Geschäftsführer von Robert Bosch Hausgeräte, Harald Friedrich, jetzt gegenüber den Zeitungen der Essener WAZ-Gruppe. "Es wäre sicher eine Chance, wenn sich die Politik zu einer Abwrackprämie für alte Hausgeräte entscheiden würde."
Bundesregierung: Keine neuen Subventionen
Dass die Hersteller die Prämie wollen, ist klar, würden sie, zumindest kurzfristig doch am meisten davon profitieren. In Österreich, wo es eine Abwrackprämie für Haushaltsgeräte schon 2009 gab, stiegen die Verkaufszahlen von Kühlgeräten laut einer Erhebung der Gesellschaft für Konsumforschung in den ersten zwei Monaten des Förderprogramms um 12 Prozent. Zwei Monate lang bekamen Österreicher 50 bis 100 Euro für den Kauf eines Gerätes der höchsten Energieeffizienzklassen, bis das Förderbudget von 2,5 Millionen Euro aufgebraucht war.
Die Politik erteilt der Forderung einen Dämpfer. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) wolle keine neuen Subventions-Tatbestände schaffen, sagte seine Sprecherin. Auch aus dem Haus von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hieß es, die Überlegungen der Elektroindustrie würden nicht geteilt.
Sozial schwache Haushalte ansprechen
Doch auch Verbraucherschützer halten eine solche Prämie für sinnvoll. Frauke Rogalla, Energiereferentin beim Verbraucherzentrale Bundesverband schätzt das Potenzial für Stromeinsparungen in deutschen Haushalten als sehr hoch ein. "Mit dem Programm sollte man vor allem Haushalte ansprechen, die sich sonst neue Elektrogeräte nicht leisten können", sagte sie gegenüber der Deutschen Handwerks Zeitung. Mit mindestens 100 Euro solle der Staat etwa drei Monate lang neue, supereffiziente Geräte, bezuschussen. Das nütze nicht nur dem Geldbeutel der privaten Haushalte, sondern auch dem Klima.
ZVEH: "Aufwand muss im Verhältnis stehen"
Die Anschaffung eines energieeffizienten Geräts rechnet sich für Verbraucher erst nach einigen Jahren. Wenn die Anschaffung des Geräts 850 Euro koste, habe sich der Kauf laut Friedrich innerhalb von acht bis neun Jahren komplett amortisiert. Mit der Abwrackprämie könne der Zeitraum verkürzt werden. Der Zentralverband der Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) steht der Prämie ebenfalls grundsätzlich positiv gegenüber. Es sei eine gute Möglichkeit Energieschleudern aus dem Verkehr zu ziehen. Zumindest für einen begrenzten Zeitraum sei eine solche Prämie durchaus sinnvoll. Bernd Dechert, Geschäftsführer Technik, des ZVEH: "Natürlich muss der bürokratische Aufwand aber im Verhältnis zum Nutzen stehen."
Grüne und Linke hatten bereits im vergangenen Jahr die Diskussion um eine Abwrackprämie angestoßen. Auch der Umweltverband BUND hatte damals für Haushalte, die sich ein Elektrogerät mit der höchsten Energieeffizienstufe anschaffen, eine Prämie von bis zu 200 Euro gefordert. sch/dpa
