Platzeck für Braunkohle als Brückentechnologie - Internationale Energieagentur rät Deutschland ab Bundesregierung befürchtet beim Atomausstieg keinen "Blackout"

Die Bundesregierung befürchtet beim Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft keinen Stromausfall größeren Umfangs. "Natürlich nehmen wir die Warnungen ernst", sagte die Sprecherin von Umweltminister Norbert Röttgen am Montag zur Einschätzung der Stromnetzbetreiber, es könne zu einem Zusammenbruch der Elektrizitätsversorgung im Winter kommen.

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Bundesregierung befürchtet beim Atomausstieg keinen "Blackout"

Berlin (dapd). Die Bundesregierung befürchtet beim Ausstieg aus der Nutzung der Atomkraft keinen Stromausfall größeren Umfangs. "Natürlich nehmen wir die Warnungen ernst", sagte die Sprecherin von Umweltminister Norbert Röttgen am Montag zur Einschätzung der Stromnetzbetreiber, es könne zu einem Zusammenbruch der Elektrizitätsversorgung im Winter kommen. Die Lage sei "schwierig, aber beherrschbar", betonte Sprecherin Christiane Schwarte.

Es könne zu Engpässen kommen, räumte die Sprecherin ein. Die Netzbetreiber würden aber dafür sorgen, dass es keine "Blackouts" gebe. Die gesicherte Leistung werde immer höher liegen, als das, was zu Spitzenzeiten gebraucht werde. Es gebe ein Transportproblem, kein Bereitstellungsproblem, sagte Schwarte.

Der Ausbau der Netze sei Sache des Wirtschaftsministeriums, erklärte Schwarte. Für einen Übergangszeitraum müssten hocheffiziente Kohlekraftwerke mehr Strom liefern. Auch die "Kaltreserve" - stillgelegte Kohlekraftwerke - könnten reaktiviert werden.

Auch auf die Braunkohle wird Deutschland nach Ansicht von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) noch jahrzehntelang angewiesen sein. Nach dem Ausstieg aus der Atomenergie in etwa zehn Jahren könne noch nicht der gesamte Bedarf mit erneuerbaren Energien gedeckt werden, sagte Platzeck der Nachrichtenagentur dapd. Es gebe auch erhebliche Widerstände gegen Windräder, Solarparks oder Biomasseanlagen.

Vernünftig wäre aus Sicht von Platzeck ein gute Mischung mit der Braunkohle als Brückentechnologie. Ihm sei klar, dass die Kohlendioxid-Emissionen gegen die Braunkohle sprächen. Deshalb solle die Debatte auch über Lösungen für das CO2-Problem wie Speicherung, stoffliche Verwertung und merkbare Minderung durch technischen Fortschritt noch einmal geführt werden.

Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte Deutschland vor einem Alleingang beim Atomausstieg. Im Interesse der Region sollte Deutschland eine gemeinschaftliche Entscheidung in der EU anstreben, sagte der Chef der Agentur, Nobuo Tanaka, der "Financial Times Deutschland" vom Montag. "Sonst werden Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit in ganz Europa geopfert", sagte Tanaka. Deutschlands Politik betreffe angesichts des Energie-Binnenmarktes ganz Europa.

Ungeachtet des schnelleren Atomausstiegs will Bayern an der Erkundung des Salzstocks Gorleben festhalten. "Ein Endlager wird es in Bayern nicht geben", sagte Generalsekretär Alexander Dobrindt der "Süddeutschen Zeitung". Dies habe geologische Gründe. Er reagierte damit auf einen Vorstoß von SPD-Chef Sigmar Gabriel, der bundesweit und damit auch in Bayern nach einem Endlager suchen will.

Die Grünen denken unterdessen über einen Sonderparteitag zum Atomausstieg nach. Sollte die Bundesregierung einen Plan vorlegen, über den es sich lohne, ernsthaft nachzudenken, werde für den 25. Juni ein außerordentlicher Parteitag einberufen, sagte Grünen-Chefin Claudia Roth. Eine Entscheidung falle, sobald der Bericht der Ethikkommission zur Kernenergie vorliege. Das Gremium will seine Empfehlungen am kommenden Montag offiziell vorstellen.

dapd