Ausbildung -

Verlängerter Lockdown Bundesländer wollen Schulen früher öffnen

Mehr Bundesländer wollen von den Bund-Länder-Beschlüssen abweichen. So plant etwa Bayern den Abschlussklassen bei entsprechender Infektionslage schon Anfang Februar den Unterricht an Schulen zu erlauben. Einige Handwerkskammern hatten bereits vor den Entscheidungen eine baldige Öffnung speziell der handwerklichen Bildungszentren gefordert. Sie befürchten ein Jahr voller Bildungsverlierer.

Am 19. Januar haben Bund und Länder beschlossen, die Schulen in Deutschland grundsätzlich bis Mitte Februar geschlossen zu halten. Davon betroffen sind neben Grundschulen und weiterführenden Schulen auch die handwerklichen Bildungszentren. Einige Bundesländer wollen jedoch von der Einigung von Bund und Ländern abweichen. Etwa will Baden-Württemberg Grundschulen bereits ab dem 1. Februar wieder schrittweise öffnen, wenn das die Infektionszahlen zulassen. Rheinland-Pfalz plant ab dem 1. Februar an den Grundschulen einen Wechselunterricht, also abwechselnd in kleinen Gruppen im Klassenraum und daheim im Fernunterricht. Der bisherige Plan der bayerischen Staatsregierung sieht vor, dass bei entsprechender Infektionslage schon Anfang Februar unter anderem Abschlussklassen zurück in die Schulen dürfen.

Wo der Präsenzunterricht für Abschlussklassen erlaubt ist

In einigen Bundesländern können die Abschlussklassen auch weiterhin an einem Präsenzunterricht teilnehmen. Das gilt etwa in Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern. Für Schüler in den letzteren beiden Bundesländern wird bis einschließlich der sechsten Klassen Präsenzunterricht angeboten, wenn die Eltern arbeiten gehen müssen. Niedersachsen bietet für Grundschüler und Abschlussklassen weiterhin ein Wechselmodell mit halben Klassen an.

Nordrhein-Westfalen hingegen setzt den jüngsten Bund-Länder-Beschluss konsequent um. Dort wird bis zum 12. Februar in allen Schulen und Schulformen coronabedingt weiter Distanzunterricht erteilt. Das bekräftigte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am 26. Januar in Düsseldorf. Die Entscheidung sei nach Gesprächen mit allen Bildungsverbänden getroffen worden, sagte Gebauer. Zwar entwickelten sich die Infektionszahlen in NRW positiv, allerdings sei nicht abzuschätzen, wie schnell sich die Coronavirus-Mutationen ausbreiteten und wie gefährlich sie seien.

Auszubildende im Handwerk besorgt

Im Handwerk haben die Schließungen der beruflichen Bildungsstätten vielen Auszubildenden Kopfzerbrechen bereitet. So berichtete die Handwerkskammer (HWK) Schwaben, dass sie mehrere besorgte Anrufe und Mails von Azubis erhalten hat. Diese hätten Angst, ihre Prüfung nicht zu schaffen. Durch die Schließung der Berufsbildungs- und Technologiezentren der HWK Schwaben in Augsburg, Kempten und Memmingen fällt die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung auch nach jetzigem Stand komplett aus – und damit der praktische Unterricht. Ein vernünftige Prüfungsvorbereitung sei für die Nachwuchshandwerker damit schlicht unmöglich. Die HWK Schwaben hatte die Politik deshalb aufgefordert, die handwerklichen Bildungszentren ab Februar wieder zu öffnen.

Zwar können theoretische Inhalte über Online-Formate vermittelt werden. Aber im Handwerk stehe die praktische Ausbildung im Mittelpunkt: "Ohne Praxis gibt es kein Handwerk. Und ohne praktische Ausbildung gibt es keine handwerklichen Fachkräfte", so Kammerpräsident Hans-Peter Rauch.

Auch die HWK Oberfranken sieht es als problematisch an, wenn überbetriebliche Lehrlingsunterweisungen und Prüfungsvorbereitungen nicht stattfinden können: "Das sind bei uns alles praktische Lehrinhalte, die Auszubildenden lernen und üben dabei wichtige Fertigkeiten. Hier ist einfach kein Distanzunterricht möglich", sagte Geschäftsführer Bernd Sauer und forderte ebenfalls eine baldige Öffnung der Berufsbildungsstätten. "Der Handwerksnachwuchs darf nicht auf der Strecke bleiben, er muss die Voraussetzung bekommen, die Lehre erfolgreich abschließen zu können."

Auch angehende Meister brauchen praktischen Unterricht

Wie die HWK Schwaben weiter berichtete, könne auch in der Erwachsenenbildung Vieles nicht über Online-Unterricht aufgefangen werden. Die Fort- und Weiterbildung im Handwerk sei sehr technisch und damit praxisorientiert. Angehende Meister müssen mit dem Meisterstück etwa eine praktische Prüfungsarbeit vorlegen. Ohne den Unterricht an Maschinen während der so wichtigen Werkstattwochen in den handwerklichen Bildungsstätten sei dies nicht möglich. Aktuell könne zwar mit erheblichem Aufwand per Distanzunterricht der Theoriestoff vermittelt werden. Auch müssten aber komplette Kurse abgesagt werden.

Die Schließung der Berufsbildungs- und Technologiezentren der HWK Schwaben hätten auch eine nicht zu unterschätzende Konsequenz für das gesamte Prüfungswesen. Zwar dürfen Prüfungen stattfinden, aber durch die fehlende praktische Vorbereitung müssten diese – egal ob in der Aus-, Fort- oder Weiterbildung – immer weiter nach hinten verschoben werden. "Dadurch entstehen massive Nachteile für die Azubis und Teilnehmerinnen und Teilnehmer, also für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Handwerk, denn deren Karriere- und Lebensplanung gerät aus den Fugen oder mindestens in Verzug", so Kammerpräsident Rauch. Mit Inhalten von dpa

Warum ist die Übertriebliche Lehrlingsunterweisung wichtig?

Die Handwerkskammer Schwaben beschreibt die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) als eine der zentralen Bausteine für die Ausbildung. Sie sorge für ein breites Know-how in jedem einzelnen Beruf. Ausbildungsbetriebe sind oft auf bestimmte Gebiete spezialisiert und können ihren Azubis nicht alle Facetten ihres Berufs bieten. Dies werde mit der ÜLU ausgeglichen, die die betriebliche und schulische Ausbildung bei der Qualifizierung von Lehrlingen ergänzt. Sie biete alle Inhalte in den handlungsorientieren, praktischen Kursen in Werkstätten, entlaste die Betriebe, sichere die Qualität der Ausbildung, fördere die Azubis und bereite ihre Teilnehmer optimal auf die Prüfung vor.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten