Weidmann mahnt Athen zu weiteren Sparanstrengungen Bundesbankpräsident schließt Staatspleite Griechenlands nicht aus

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hält eine Staatspleite Griechenlands für möglich, falls die Regierung die Vorgaben des Internationalen Währungsfonds, der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht einhält. "Werden die eingegangenen Verpflichtungen nicht erfüllt, entfällt die Basis für weitere Mittel aus dem Hilfsprogramm", sagte Weidmann der "Welt am Sonntag".

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Bundesbankpräsident schließt Staatspleite Griechenlands nicht aus

Berlin (dapd). Bundesbankpräsident Jens Weidmann hält eine Staatspleite Griechenlands für möglich, falls die Regierung die Vorgaben des Internationalen Währungsfonds, der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht einhält. "Werden die eingegangenen Verpflichtungen nicht erfüllt, entfällt die Basis für weitere Mittel aus dem Hilfsprogramm", sagte Weidmann der "Welt am Sonntag".

Die Zahlungsfähigkeit Griechenlands hänge vor allem von der Haltung der griechischen Regierung und Bevölkerung ab. "Griechenland hätte dann diese Entscheidung getroffen und müsste die sicherlich dramatischen wirtschaftlichen Konsequenzen eines Zahlungsausfalls tragen", sagte der Notenbankchef.

Weidmann fügte allerdings hinzu, dass er einen solchen Verlauf der Schuldenkrise "nicht für sinnvoll" hielte und sich daraus auch für die Partnerländer in der Eurozone eine schwierige Situation ergäbe. "Es werden umfangreiche Hilfen gegeben, aber gegen strikte Auflagen, zu denen auch umfangreiche und rasche Privatisierungen gehören."

Allerdings sieht Weidmann auch durch eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands keine geldpolitische Gefährdung: "Der Euro wird aber auch in diesem Fall stabil bleiben."

Kompromisslos zeigte sich der neue Bundesbankchef, der Anfang Mai sein Amt antrat, mit Blick auf den schwelenden Streit zwischen der EZB und der Bundesregierung um eine Umschuldung der griechischen Staatsanleihen. "Eine Beteiligung der Notenbanken an den Lasten und Risiken lehnen wir ab", sagte der 43-Jährige. "Ein vermutlich vergleichsweise kleiner Beitrag der Privaten würde mit Ansteckungsgefahren und einer höheren Risikoübernahme der Notenbanken erkauft. Dagegen wehren wir uns."

Prinzipiell sei allerdings "an dem Grundgedanken, private Gläubiger zu beteiligen, überhaupt nichts falsch. Im Gegenteil, es wäre sinnvoll, weil so die Gläubiger mit in die Verantwortung für ihre Anlageentscheidungen genommen werden, und es entlastet die Steuerzahler."

dapd