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Förderung Bund gibt bis zu 5.000 Euro für Hardware-Nachrüstung

Die Bundesregierung fördert die Nachrüstung von Handwerker- und Lieferfahrzeugen mit bis zu 5.000 Euro. Anträge können schon jetzt gestellt werden – ein zugelassenes Nachrüstsystem gibt es noch nicht.

Die Dieselkrise sorgt unter Handwerkern weiter für Unmut. Davon berichtet auch der Stuttgarter Dachdeckermeister Joachim Raumer. Erst vor kurzem hat er ein Schreiben vom Kraftfahrtbundesamt bekommen: Darin heißt es, dass zwei seiner älteren Fahrzeuge vom Dieselfahrverbot betroffen sind. Stehen lassen muss er sie nicht. Denn trotz des Dieselfahrverbots im Stadtgebiet dürfen Handwerkerfahrzeuge weiterhin die Straßen nutzen. "Die Frage ist nur, wie lange diese Ausnahmen gelten“, sagt Raumer. Darauf gebe es bei der Stadt Stuttgart keine Antwort.

Fördergelder in Höhe von bis zu 5.000 Euro

Auch sonst hält die Verunsicherung an. Während die Bundesregierung den Weg für die Dieselnachrüstung von Diesel-Pkw mit der Abgasnorm Euro 4 und Euro 5 freimacht und technische Vorschriften veröffentlicht hat, warnt der größte deutsche Autohersteller Volkswagen umgehend vor genau diesem Schritt. Der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes, Axel Koblitz, findet dazu deutliche Worte: "Erst streuen sie die Infektion und dann warnen sie vor dem Medikament. Das ist erbärmlich. "Für Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hat die Veröffentlichung der technischen Vorgaben zumindest Bewegung in die Sache gebracht: "Damit haben die Bundesregierung und insbesondere der Verkehrsminister Wort gehalten – endlich, denn wir fordern eine solche Nachrüstverordnung schon seit drei Jahren. "Mit Blick auf die finanzielle Beteiligung hätte er sich allerdings "mehr Verantwortungsübernahme der Hersteller" gewünscht. Nur einige von ihnen wollen dafür Kosten übernehmen und dies nur in besonders von Stickoxid-Emissionen betroffenen Metropolen.

Erfreut zeigte sich der ZDH, dass das Bundesverkehrsministerium auch die Förderbestimmungen für die Hardwarenachrüstungen von Handwerker- und Lieferfahrzeugen konkretisiert hat. So will der Staat die Nachrüstung größerer Lieferfahrzeuge zwischen 2,8 und 7,5 Tonnen mit bis zu 5.000 Euro unterstützen. "Handwerker- und Lieferfahrzeuge zum Beispiel von Glaserbetrieben oder Paketzustellern sind tagtäglich in unseren Innenstädten unterwegs", teilte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mit. "Mit einer Hardware-Nachrüstung dieser Kleinlaster lassen sich bis zu 85 Prozent der Stickoxide einsparen", fügte er hinzu.

Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen

Bis Ende 2020 stehen dafür 333 Millionen Euro zur Verfügung. Gefördert werden Fahrzeughalter in den betroffenen 65 Städten und angrenzenden Landkreisen mit entsprechenden Grenzwertüberschreitungen und solche, die dort ein Viertel ihres Umsatzes erwirtschaften. Der Zuschuss ist bei Fahrzeugen unter 3,5 Tonnen auf 3.800 Euro und ab 3,5 Tonnen auf 5.000 Euro begrenzt. Dafür muss das Geld bis zum 31. Mai 2019 beantragt werden. Danach liegen die Grenzen bei 3.000 beziehungsweise 4.000 Euro.

Wie das Verkehrsministerium mitteilte, liegen die Kosten für die Hardware-Nachrüstungen bei leichten Handwerkerfahrzeugen bei 4.000 bis 8.000 Euro pro Fahrzeug. Bei schweren Fahrzeugen bei 6.000 bis 12.000 Euro. Dabei sei "die Höhe des Zuschusses abhängig von der Unternehmensgröße", hieß es weiter. Kleine Betriebe erhielten bis zu 60 Prozent der Umrüstungskosten, mittlere Betriebe bis zu 50 Prozent und große Betriebe bis zu 40 Prozent, heißt es in der Förderrichtlinie.

Anträge können seit Jahresanfang bei der Bundesanstalt für Verwaltungsdienstleistungen (BAV) gestellt werden. Auf Nachfrage hieß es dort: "Grundsätzlich erhöht sich die Chance auf den Erhalt von Fördermitteln, je eher ein Antrag gestellt und dieser nach den geltenden Anforderungen vervollständigt wurde." Dabei könnten auch "geschätzte Angaben" abgegeben werden. Der ZDH will in Kürze Informationen zur Antragstellung bereitstellen.

Nachrüstsystem für Nutzfahrzeuge

Unterdessen heißt es beim Nachrüstanbieter HJS Emission Technology: "Wir gehen davon aus, noch im 2. Quartal bestellbare Nachrüstsysteme für Transporter und Handwerkerfahrzeuge vorzulegen." Bereichsleiter Stefan Lefarth sagte, die Grundtechnologie sei vorhanden, jetzt müsse sie an die entsprechenden Plattformen angepasst und vom Kraftfahrtbundesamt genehmigt werden.

Theoretisch könnte auch Dachdeckermeister Raumer schon jetzt für seinen VW-Bus einen Förderantrag stellen. Doch dazu hat er keine Lust: "So lange nicht klar ist, ob für mein Modell überhaupt ein Nachrüstsystem angeboten wird, stelle ich keinen Antrag."

Mehr Informationen unter: bmvi.de/foerderrichtlinie-handwerker-lieferfahrzeuge

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