Lebensversicherer Bund der Versicherten warnt vor Jahresschlussverkauf

Der Bund der Versicherten (BdV) warnt davor, übereilt auf Angebote von Lebensversicherungen einzugehen. Hintergrund ist ein Jahresschlussverkauf, auf den die Versicherer wegen des zum 1. Januar 2012 fallenden Garantiezinses hoffen.

Der Höchstrechnungszins für ab 2012 abgeschlossene Lebens- und private Rentenversicherungen wird auf 1,75 Prozent gesenkt. Grafik: BdV - © BdV

Verbraucher bekommen in diesen Tagen vermehrt Werbung von ihren Lebensversicherern. Nachdem deren Kerngeschäft eher schleppend läuft, hoffe der Vertrieb auf einen Jahresschlussverkauf, so der BdV. Grund sei die Senkung des Garantiezinses zum 1. Januar 2012 von aktuell höchstens 2,25 Prozent auf maximal 1,75 Prozent. Betroffen seien alle Angebote der Lebensversicherer, also auch Riester- und Rürup-Renten, die ab diesem Stichtag abgeschlossen werden. Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzender des BdV: "Verbraucher sollten die Höhe des Garantiezinses nicht zur Entscheidungsgrundlage machen, einen kapitalbildenden Vertrag abzuschließen. Die Policen lohnen sich schon jetzt nur sehr selten.“

Der Garantiezins soll höchstens 60 Prozent des Zinssatzes festverzinslicher Staatsanleihen betragen. Deshalb hat das Bundesfinanzministerium im Februar 2011 die Reduzierung des Höchstrechnungszinses beschlossen. Die Verzinsung auf die Prämie falle jedoch erheblich geringer aus. Denn der Garantiezins beziehe sich nicht auf den gesamten eingezahlten Beitrag, sondern nur auf den Sparanteil, der nach Abzug von Kosten und Versicherungsschutz übrig bleibt.

Garantie schon jetzt teilweise unter 2 Prozent

Zudem gebe es verstärkt Anbieter, die selbst auf den Sparanteil weniger Verzinsung garantieren. Axel Kleinlein: "Bereits heute gewähren viele Lebensversicherer tatsächlich weniger als 2,25 Prozent auf den Sparanteil.“ So erhielten schon jetzt viele Kunden eine  "etto-Garantie“ unter 2,0 Prozent. Bei Angeboten der Allianz betrage die Netto-Garantieverzinsung sogar nur 1,85 Prozent, wie Ökotest in einer aktuellen Untersuchung festgestellt habe. „Selbst bei der Garantieverzinsung haben einige Versicherer nun für Intransparenz gesorgt“, bemängelt Kleinlein.

Ein besonders großes Problem ergebe sich für Riester-Renten. Je geringer die Rendite ist, desto schwieriger werde es, die eingezahlten Beiträge plus Zulagen bei Rentenbeginn zur Verfügung zu stellen. Dazu seien die Anbieter bei den geförderten Riester-Verträgen jedoch verpflichtet. Der BdV geht daher davon aus, dass zukünftig nur noch wenige Versicherer Riester-Verträge für ältere Kunden anbieten werden. Axel Kleinlein: "Hier wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Ausschließlich kostengünstige Anbieter werden hier Angebote machen können.“ dhz