Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) widerspricht der Argumentation, ein endgültiger Ausstieg aus der Atomkraft werde Deutschland teuer zu stehen kommen. Atomstrom sei nicht der billigste, sondern vielmehr "der mit Abstand teuerste Strom", sagte BUND-Chef Hubert Weiger im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd.
BUND-Chef Weiger: Atomstrom ist teuer
Nürnberg (dapd). Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) widerspricht der Argumentation, ein endgültiger Ausstieg aus der Atomkraft werde Deutschland teuer zu stehen kommen. Atomstrom sei nicht der billigste, sondern vielmehr "der mit Abstand teuerste Strom", sagte BUND-Chef Hubert Weiger im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd. "Die Frage, können wir es uns leisten, stellt sich nicht. Was wir uns nicht leisten können, ist ein GAU", fügte er hinzu und plädierte daher für einen raschen Ausstieg aus der Atomkraft.
Weiger verwies darauf, das im Falle eines Reaktorunfalls lediglich 0,1 Prozent der Schadenssumme versichert seien. Den Rest trage die Allgemeinheit. Berücksichtige man dies sowie die ungelöste Endlagerfrage liege der Preis für Atomstrom bei über zwei Euro pro Kilowattstunde. Er betonte zudem, dass ein Ausstieg aus der Atomkraft einen Innovationsschub für Deutschland bedeuten würde.
25 Jahre nach dem Reaktor-Unglück von Tschernobyl kritisierte Weiger, dass die Politik immer noch nicht ausreichend Lehren aus der Katastrophe gezogen habe. Zwar seien nach 1986 keine neuen Atomkraftwerke mehr in Auftrag gegeben worden, der Ausbau der erneuerbaren Energien sei ebensowenig entschlossen vorangetrieben worden wie die Energieeffizienz. "Offensichtlich kommt es erst dann zu Reaktionen der Politik, wenn der Druck der Bevölkerung so groß ist, dass man Mehrheiten verliert", sagte Weiger mit Blick auf das Atom-Unglück in Fukushima.
Die derzeitige Sicherheitsüberprüfung der deutschen Atomkraftwerke bezeichnete Weiger dennoch als überflüssig. "Es ist eigentlich alles bekannt, um endlich zu handeln", sagte er und fügte hinzu: "Was notwendig ist, ist nicht die Einrichtung irgendwelcher neuer Kommissionen, sondern der politische Wille, die überfällige Energiewende tatsächlich zu realisieren." Er forderte einen unverzüglichen Ausstieg aus der Atomkraft. Nach Ansicht des BUND kann Deutschland "spätestens in zwei Jahren" alle Atomkraftwerke stilllegen.
Weiger erinnerte daran, dass Deutschland immer noch mit den Folgen aus Tschernobyl konfrontiert sei. So seien vor allem in Süddeutschland die Böden noch immer mit Cäsium 137 belastet. Noch heute hätten Jäger Anspruch auf Entschädigungszahlungen in Höhe von 300.000 bis 400.000 Euro pro Jahr. Auch hätte die Katastrophe rund einige Tausend Todesopfer gefordert. Dies werde in der Regel bagatellisiert.
dapd
