Building Information Modeling Building Information Modeling

Langsam durchdringt die Digitalisierung das Baugewerbe. Wer wie die Gerüstbaufirma Schäfer auf BIM setzt, erschließt sich komplexe Aufträge für Großbaustellen.

Margret Wesely und Ulrich Steudel

Digitale Gerüstplanung: Die Firma Schäfer nutzt Software und 3D-Modelle, um Großaufträge wie für die Ulmer ­Sedelhöfe zu realisieren. – © Softtech

Wer in Ulm vom Bahnhof zum Münsterplatz will, trifft zuerst auf eine gigantische Baustelle. Bis Ostern soll mit den Sedelhöfen ein neues Stadtquartier entstehen. Noch aber zwängt sich der Besucher vorbei an vier riesige Rohbauten, umhüllt von 30.000 Quadratmetern Gerüst – einer Fläche, dreimal so groß wie das zu bebauende Grundstück.

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    © Schäfer Gerüstbau GmbH
    Die Schäfer Gerüstbau GmbH wurde 2003 von Martin Schäfer gegründet und ist seither vom Drei-Mann-Betrieb zu einem schlagkräftigen Unternehmen mit rund 150 Mitarbeitern gewachsen.
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    © Peri GmbH
    Vor der neuen Wintersaison wurde die Schattenbergschanze in Oberstdorf umgebaut. Eingerüstet wurde der Anlauftturm von der Firma Schäfer aus Memmenhausen.
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    Vor Planungsbeginn wurde die Schanze mit einem 3D-Scanner ausgemessen.
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    Aus den Daten des 3D-Scanners entsteht eine Punktwolke, die Messpunkte für die weitere Planung liefert.
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    © Schäfer Gerüstbau GmbH
    Mit Hilfe der richtigen Software entsteht ein virtuelles Modell der Baustelle.
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    Die Schanze wird quasi am Rechner eingerüstet. Bei dem schwierigen Gelände am Schattenberg in Oberstdorf erleichtert die digitale Planung den Aufbau des Gerüsts vor Ort erheblich.
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    © Peri GmbH
    Damit die Monteure in 40 Metern Höhe sicher arbeiten können, wurde die Schanze mit einem Gerüst der Firma Peri ausgestattet.
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    © Softtech
    Das Handwerksunternehmen aus Memmenhausen im Landkreis Günzburg vertraut dabei auf die Methoden des Building Information Modeling (BIM).
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    © Schäfer Gerüstbau GmbH
    Komplexe Bauvorhaben wie die Sedelhöfe in Ulm wären für die Schäfer Gerüstbau GmbH ohne digitale Planung kaum zu stemmen.
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    © Sportstätten Oberstdorf/Florian Speigl
    Mit den Umbauten soll die Schattenbergschanze fit gemacht werden für die Nordische Ski-Weltmeisterschaft, die im Jahr 2021 in Oberstdorf stattfinden wird.

Wer soll da noch durchblicken, mag sich der Laie fragen. Für Martin Wenrich war die Planung des komplexen Gebildes hingegen eine lösbare Aufgabe. Als zertifizierter BIM-Anwender arbeitet der Gerüstbaumeister nach der Methode des Building Information Modeling. BIM steht für Bauwerksdatenmodellierung und gilt als die zukünftige Arbeitsweise auf dem Bau. Laut einer Trendstudie gehört BIM in Skandinavien, Großbritannien oder den Niederlanden längst zum Alltag, während es hierzulande noch in den Kinderschuhen steckt. Davon weiß auch Martin Wenrich ein Lied zu singen, denn bei Baubesprechungen trifft er auf viele Unternehmen, die noch analog arbeiten. Dabei entfaltet BIM seine wahre Stärke erst, wenn sich möglichst alle Beteiligten eines Bauvorhabens vernetzen.

Von VW-Windkanal bis Skisprungschanze Oberstdorf

BIM ist keine Software, sondern ein Prozess für die digitale Planung, Konstruktion und Ausführung sowie Verwaltung von Bauobjekten. Im Verlauf dieses Prozesses entsteht ein digitaler Zwilling, der mit Daten (Maße, Preise, Termine) angereichert wird, auf die alle Beteiligten Zugriff haben. Das beschleunigt den Bau, erhöht die Qualität und sorgt dafür, dass die Kosten im Rahmen bleiben. Denn dank des digitalen Zwillings lassen sich Probleme beseitigen, bevor sie entstehen.

Die Schäfer Gerüstbau GmbH aus Memmenhausen im Landkreis Günzburg kann mit ihren rund 150 Mitarbeitern zwar Großprojekte wie den VW-Windkanal oder die Skisprungschanze in Oberstdorf stemmen, aber ohne den Einsatz digitaler Planungstools wären solche Aufträge nur schwer zu realisieren. Deshalb vertraut Firmengründer Martin Schäfer auf gut qualifizierte Mitarbeiter wie Martin Wenrich.

3D-Modellierung mit Sketch-up Pro und „scaffmax“

Der 35-Jährige verbringt einen Großteil seiner Arbeitszeit vor dem Rechner. Meist läuft dann Sketch-Up Pro, eine Design-Software zur 3D-Modellierung, die Wenrich mit Daten aus den Planungsunterlagen füttert. Manchmal gewinnt er Daten auch vor Ort mit dem 3D-Scanner, um realitätstreue Maße zu bekommen. Für die Planung der Gerüste nutzt Wenrich „scaffmax“, eine von der Firma Softtech speziell für Gerüstbauer programmierte Software, die die 3D-Modelle aus Sketch-Up Pro mit den Daten führender Gerüsthersteller zusammenbringt.

Anhand der 3D-Modelle aus „scaffmax“ erspart sich die Firma Schäfer viel Ärger, der sonst auf der Baustelle für Verzögerungen und Mehrkosten gesorgt hätte. So konnte schon vor der Einrüstung des 54 Meter hohen Zwiebelturms der Andreas-Kirche in Nesselwang erkannt werden, dass die einseitige Straßensperrung nicht ausreicht. Also suchte Wenrich virtuell einen neuen Standort für den Gerüst­container, ehe die Kolonne zum Aufbau des Gerüsts ins Allgäu ausrückte.

Mit Durchhaltevermögen zum Erfolg

Baustelle Sedelhöfe. In Ulm entsteht ein neues Stadtquartier. – © Schäfer Gerüstbau GmbH

Wenrich sammelt schon seit 2015 Erfahrungen mit BIM. Leicht war der Einstieg nicht, meint der junge Gerüstbaumeister. „Man fällt hin und steht wieder auf. Wenn man aus seinen Fehlern lernt und genug Durchhaltevermögen mitbringt, stellen sich irgendwann die Erfolge ein“, versichert Wenrich.

Heute nutzt Schäfer Gerüstbau die Programme Sketch-Up Pro und „scaffmax“ zur Akquise, um Angebote zu erstellen, für 3D-Modelle zur Kollisions- und Sicherheitskontrolle, für Werbevideos und zur Schulung. Dank qualifizierter Mitarbeiter und konsequenter Digitalisierung hat sich das schwäbische Unternehmen seit seiner Gründung 2003 vom Drei-Mann-Betrieb zu einer schlagkräftigen Truppe entwickelt, die auch bei Großprojekten wie den Sedelhöfen in Ulm als zuverlässiger Partner gilt.