Studie Bürokratie raubt Freude am Unternehmertum

Eine Studie belegt nun, was viele Betriebsinhaber seit Jahren beklagen: Es gibt zu viele Gesetze und Vorschriften, die Kraft und Zeit rauben. Mehr als jeden zweiten Unternehmer macht die Bürokratie regelrecht wütend. 

Für 83,3 Prozent der Befragten ist der hohe Zeitaufwand für die Bürokratie belastend. - © SurfupVector - stock.adobe.com

Das Handwerk schlägt schon seit Jahren Alarm, eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn kommt nun zu demselben Ergebnis: Unternehmen nehmen eine deutlich gestiegene Bürokratiebelastung wahr. Maßnahmen zum Bürokratieabbau hätten bislang noch nicht zu einer spürbaren Reduzierung geführt.

92 Prozent der Unternehmen geben an, dass für sie die Bürokratie in den vergangenen fünf Jahren gestiegen ist. Noch mehr, nämlich 97 Prozent, beklagen die hohe Anzahl an Gesetzen und Vorschriften.

Die Studie "Analyse zur Bürokratiebelastung in Deutschland -Wie kann ein spürbarer Bürokratieabbau erreicht werden?" wurde im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) durchgeführt. Ihr zufolge haben auch psychologische Kosten, Opportunitätskosten und indirekte Folgekosten eine hohe Relevanz.

Wut, Zorn und Aggression

So messen 90,2 Prozent der Befragten der Aufmerksamkeit, persönlichen Kraft und Energie, die sie für Bürokratie-Pflichten einsetzen müssten, große Bedeutung bei. Über die Hälfte der befragten Unternehmen (55 Prozent) verbindet mit dem Thema Emotionen wie Wut, Zorn und Aggression. "Acht von zehn Unternehmerinnen und Unternehmer sehen durch die Bürokratiebelastung ihre Freude an der unternehmerischen Tätigkeit schwinden", sagt Studienleiterin Annette Icks.

Für 83,3 Prozent ist aber auch die viele Zeit, die Bürokratie beansprucht, belastend. 66,4 Prozent beklagen den hohen Kostenaufwand.

Die Bürokratiebelastung sei in Deutschland inzwischen zu einem zentralen Investitionshemmnis geworden, so die Autoren der Studie. Die Mehrheit der Unternehmen investiere deswegen weniger. 58 Prozent der befragten Unternehmen wollten zukünftig auf Investitionen in Deutschland verzichten. Fast jedes fünfte Unternehmen (18 Prozent) überlege, verstärkt im Ausland zu investieren. Ein Problem sei das Regulierungssystem mit seinen grundlegenden Schwächen:

  • Die eingeschränkte Praxistauglichkeit von Bürokratievorschriften.
  • Die zu geringe, auch frühzeitige Einbindung von externer Expertise.
  • Bekannte Rückstände, beispielsweise in der Verwaltungsdigitalisierung und -modernisierung.

Der letzte Punkt sei wohl auch für das schlechte Abschneiden Deutschlands im internationalen Vergleich verantwortlich.

Das IfM Bonn regt an, den Bürokratieabbau und die Regulierung ganzheitlich und strategischer anzugehen. Das bedeutet, man solle sich von dem Kontrollgedanken entfernen und Rechtsvorschriften zu mehr Praxistauglichkeit, Sinnhaftigkeit und Verhältnismäßigkeit entwickeln.