Minister setzt auf "Partnerschaft statt Zwang" Brüderle will Pakt für Frauen in Führungspositionen

Der verschwindend geringe Frauenanteil in den Chefetagen alarmiert jetzt auch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle: Der FDP-Politiker kündigte an, mit der Wirtschaft einen Pakt für Frauen in Führungspositionen auszuhandeln.

Brüderle will Pakt für Frauen in Führungspositionen

Er setze dabei auf "Partnerschaft statt Zwang". Eine Frauenquote per Gesetz oder eine vom Staat verordnete "Freiwilligkeit" lehnte Brüderle ab. Er erinnerte an den nationalen Ausbildungspakt, der ebenfalls dem Prinzip der Freiwilligkeit folge und sich bewährt habe.

Der Minister will jetzt mit den Wirtschaftsverbänden einen "intensiven Dialogprozess" starten und für einen Pakt für Frauen in Führungspositionen werben. "Einen Pakt für mehr Frauenpower, wenn Sie so wollen." Angesichts der alternden Gesellschaft würden Fachkräfte gebraucht. "Deutschland als Vorzeige-Volkswirtschaft kann es sich nicht erlauben, auf seine Leistungsträgerinnen zu verzichten."

Von der SPD kam scharfe Kritik. Die Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF), Elke Ferner, nannte Brüderle einen "selbst ernannten Frauenversteher", der jedoch genau wisse, dass freiwillige Vereinbarungen längst gescheitert seien. Ihr Fazit: "Peinlicher geht es nicht mehr." Wer die Wirtschaft wie bisher "beim Nichtstun und beim Diskriminieren" gewähren lasse, verspiele die wirtschaftliche Zukunft des Landes. Das Beispiel Norwegen zeigte, dass Unternehmen mit gemischten Führungsteams produktiver und erfolgreicher seien.

Von der Leyen gegen gesetzliche Quote

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und Frauenministerin Kristina Schröder (beide CDU) hatten in den vergangenen Tagen über Möglichkeiten gestritten, den Frauenanteil in der Wirtschaft per Gesetz zu erhöhen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schloss eine gesetzliche Quote aus.

Frauenministerin Schröder erklärte, Brüderle renne bei ihr offene Türen ein. "Ja, der nächste Schritt muss ein partnschaftlicher sein." Das ist auch Teil ihres Stufenplanes. "Deshalb lade ich ja gemeinsam mit Herrn Brüderle, Frau von der Leyen und Frau Leutheusser-Schnarrenberger die Vorstände der großen Unternehmen noch im März zu einem Gipfel." Dort solle ein Pakt für Frauen vereinbart werden. Klar sei aber auch, dass jetzt die Verbindlichkeit erhöht werden müsse. "Wenn das partnerschaftlich nicht funktioniert, dann brauchen wir eine transparent gestaltete Pflicht zur Selbstverpflichtung."

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe forderte FDP und CSU auf, sich für eine flexible Frauenquote in der Wirtschaft einzusetzen. Der Vorschlag, mit einer gesetzlichen Pflicht zur Selbstverpflichtung selbst festgelegte Frauenquoten bei Aktiengesellschaften zu bekommen, gehe in die richtige Richtung, sagte Gröhe dem "Hamburger Abendblatt" und stellte sich damit hinter das Konzept Schröders.

$(LEhttp://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/news/News-_5897603.html:"Auch das Handwerk braucht mehr Frauen", sagte Heidi Kluth, Bundesvorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH).|_top)$ "Aber eine Quote bringt uns nicht weiter“, erklärte sie im Gespräch mit der Deutschen Handwerks Zeitung .

Grüne geißeln "Chaos in der Bundesregierung"

Die Sprecherin der Arbeitsgruppe Gleichstellungspolitik der SPD-Bundestagsfraktion, Christel Humme, kritisierte Merkel, weil die Kanzlerin weiterhin auf Freiwilligkeit setze. "Damit gibt die wirtschaftsfreundliche FDP den Ton an und verhindert Fortschritte in der Gleichstellungspolitik." Die vergangenen zehn Jahre mit freiwilligen Vereinbarungen hätten gezeigt, dass sich ohne gesetzliche Regelungen nichts bewege.

Auch die Grünen zeigten sich verärgert über Brüderles Vorstoß. "Das Chaos in der Bundesregierung zum Thema Frauenquote ist ein Trauerspiel", sagte die familienpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Katja Dörner, "Handelsblatt Online". Neben Familienministerin Schröder täusche nun auch Wirtschaftsminister Brüderle Aktivitäten vor. "Die Zeit für Freiwilligkeit und Pakte ist vorbei, wir brauchen die Quote im Gesetz."

dapd