Eine Saison zum Vergessen ist es für den SV Werder, im Pokal draußen, in der Champions League so gut wie und in der Liga weit zurück – da passte die höchste Niederlage seit mehr als 23 Jahren gut ins Bild, erklärt Stefan Galler in der DHZ-Bundesligakolumne.
Bremer Watschenmänner
Meisterbetrieb: Unheimlicher Schweiger aus Hellas
Der Ruf unserer griechischen Freunde hat in letzter Zeit hierzulande schon ein wenig gelitten. Mit Geld können sie nicht umgehen, weshalb beinahe ganz Europa im finanziellen Erdrutsch aus den Fugen geraten wäre. Ihren einstmals so verehrten Nationaltrainer Otto Rehhagel haben sie nach der verhunzten WM einfach zurücktreten lassen, ohne ihn auf Knien zum Bleiben zu bewegen. Und neuerdings schicken sie auch noch Bomben ins Kanzleramt. Nein, so geht man nicht um mit guten Freunden. Und jetzt hetzen sie uns auch noch ein richtig gefährliches Torphantom auf den Hals: Theofanis Gekas, der Torjäger der Frankfurter Eintracht, ist schon ein besonderes Exemplar. Er spielt oft fast ein ganzes Match lang nicht mit und trifft dennoch Woche für Woche, hat jetzt schon elf Tore auf dem Konto, weshalb ihn die Bild schon "Gerd Gekas" nennt und sich die Frage aufdrängt, ob des Bombers sagenumwobener Rekord, 40 Saisontreffer, diesmal fällt.
Vom Gyros-Goalgetter gibt es auf diese Frage übrigens keine Antwort: Abgesehen davon, dass er auch nach über vier Jahren in Deutschland der Sprache noch immer nicht mächtig ist, gibt er selbst mit Dolmetscher so gut wie keine Interviews. Dieses Stille macht ihn noch mysteriöser – Schweiger Gekas, der unheimliche Erfolgsgarant der Eintracht.
Gesellenstück: Dem kleinen Louis droht das Heim
Wie hatte Karl-Heinz Rummenigge vor der Partie in Gladbach so schön gesagt: "Ab sofort beginnt die Klettertour.“ Nun ja, nach dem 3:3 beim Tabellenletzten ist die Reisegruppe vorerst wieder ins Basislager zurückgekehrt. Und es brodelt innerhalb der Expedition, vor allem seit der Manöverkritik von Präsident Uli Hoeneß an Meistertrainer Louis van Gaal. Der Coach erinnert mit seinem Verhalten ein bisschen an einen verwöhnten Bengel, der alles Spielzeug dieser Welt in seinem Kinderzimmer stehen hat, aber halt am liebsten nur mit den Stöcken spielt, die er im Stadtpark findet.
Angewandt auf den FC Bayern heißt das: Der Coach lässt die Millionen-Geschenke Timoschtschuk und Gomez auf der Bank versauern und bedient sich nur der selbst geschnitzten Badstubers oder Müllers. Wenn überhaupt was Gekauftes, dann interessiert ihn nur das Zeug, das er von seinem eigenen Taschengeld erworben hat – im übertragenen Sinne. Braafheid, Pranjic, das sind van Gaal-Wünsche, die Mama Kalle und Papa Uli ihm erfüllt haben. Als nun aber in letzter Zeit mehr und mehr von Louis‘ Lieblingssachen Marke Eigenbau den Geist aufgaben (Contento, Badstuber, Alaba) oder nicht mehr recht funktionierten (Müller), musste er eben doch mal zum teuren Equipment greifen – und siehe da, das Spiel damit machte ihm auch Spaß. Doch zuletzt gab es mächtig Ärger mit den Erziehungsberechtigten und es könnte sein, dass der kleine Louis ins Heim abgeschoben wird. Zumindest wenn er nicht bald richtig klettert.
Erstes Lehrjahr: Profis mit Zweitberufen
Wir müssen uns schon wieder mit dem 1. FC Köln beschäftigen. Nicht nur, dass es nach dem Überraschungssieg gegen den HSV in Nürnberg einen üblen Rumpelfußball-Rückfall gab, hinterher wurde auch klar, dass die FC-Profis gar nicht hauptberuflich Kicken. Lukas Podolski sagte im Fernsehinterview wörtlich, man müsse jetzt weiterarbeiten, "auch im Training“. Poldi und Kollegen arbeiten also allesamt nebenbei noch etwas Anderes.
Und hier kommen die Insiderinformationen: Der Lukas ist nebenbei Deutschlehrer für polnische Einwanderer. Milivoje Novakovic betreibt ein slowenisches Spezialitätenrestaurant und Keeper Faryd Mondragon, der so gerne zu Spielen seiner kolumbianischen Nationalmannschaft reist, ein Tourismus-Büro.
Besonders interessant aber ist, dass Manager Michael Meier gar nichts mit Finanzen am Hut hat, sondern eigentlich in einem Heizkraftwerk am Ofen steht. Das war schon so, als er Borussia Dortmund um ein Haar in den Ruin geführt hat. Und nun verbrennt er die Kohle des 1. FC Köln. Als er 2005 sein Amt angetreten hat, war der Verein schuldenfrei, nun steht er mit 25 Millionen in der Kreide. Das muss man erst einmal hinbekommen, vor allem, wenn parallel der sportliche Erfolg gänzlich ausbleibt. Wird Zeit, dass mal ein professioneller Berufsberater beim Geißbockheim vorbeischaut.
Zwei linke Hände: Bremer Watschenmänner
Tim Wiese hatte wie immer seine Haare schön, frisches Gel aufgelegt, so dass sich das Bild vom begossenen Pudel aufdrängte. Sechs Tore hatte er gerade kassiert – und zwar beim bisherigen Drittletzten der Bundesliga, beim VfB Stuttgart. Werder Bremen spielte wie ein Absteiger, entsprechend heftig reagierte Wiese: "Wie wir aufgetreten sind, das war peinlich. Ich schäme mich für uns, es krankt an allen Ecken und Enden“, polterte er und schickte noch schöne Grüße an seine Kollegen: "Die hüpfen alle vorne rum und so kassieren wir gefühlte 200 Tore.“
Eine Saison zum Vergessen ist es für den SV Werder, im Pokal draußen, in der Champions League so gut wie und in der Liga weit zurück – da passte die höchste Niederlage seit mehr als 23 Jahren gut ins Bild. In so einer Situation geht natürlich das große Hauen und Stechen los, auch Trainer Schaaf steht heftig in der Kritik und Manager Allofs muss sich Häme über seine Transferpolitik gefallen lassen.
Der Franzose Silvestre etwa entpuppt sich mehr und mehr zum großen Flop. Weil der erfahrene Verteidiger den jungen Spielern viele Tipps gibt, sagt Allofs: "Außerhalb des Platzes ist er ein Gewinn für die Mannschaft.“ Eine entwaffnend ehrliche Antwort, denn wenn Silvestre aufs Feld läuft, dann helfen nicht mal mehr Ratschläge der Kollegen. Desolate Zweikampfwerte, eine vogelwilde Passquote – vielleicht sollte sich der 33-Jährige mal überlegen, ob nicht ein Beraterjob die bessere Berufswahl wäre. Auf alle Fälle könnte er seinen Klienten ganz genau erklären, wie es nicht geht.