Laut einem aktuellen Änderungsentwurf plant die Regierung, die Zuckersteuer auf Getränke bereits zum 1. Januar 2027 einzuführen. Brauereiverbände warnen vor unlösbaren Aufgaben für ihre Betriebe. Fünf Gründe, warum die Branche die Pläne ablehnt.

Die deutschen Brauereien wehren sich gegen Pläne der Bundesregierung, eine Zuckersteuer auf Getränke bereits zum 1. Januar 2027 einzuführen. Ein entsprechender Änderungsentwurf der Koalition ist Teil des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes, mit dem die Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung stabil gehalten werden sollen. Der Bundestag soll das Gesetz noch in dieser Woche verabschieden.
Der Deutsche Brauer-Bund (DBB) und der Verband Private Brauereien Deutschland sprechen von einem "Affront gegen den Mittelstand". Zusammen mit drei weiteren Verbänden der Getränkewirtschaft – der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (wafg), dem Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM) und dem Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF) – warnen die Brauer davor, dass eine Einführung in wenigen Wochen unzählige Betriebe vor praktisch unlösbare Herausforderungen stellen würde. Bereits vor wenigen Wochen hatten mehr als 300 Unternehmen der Branche einen offenen Brief gegen die Steuer unterzeichnet.
5 Probleme sieht die Getränkewirtschaft
- Keine Zeit für neue Rezepturen: Rezepturänderungen benötigen laut den Verbänden umfangreiche Entwicklungs-, Produktions- und Markteinführungsprozesse. Bei einer Einführung in wenigen Wochen bleibe dafür keine Zeit.
- Kostenrisiko im Einzelhandel: Die Jahresverhandlungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel seien bereits gelaufen oder in vollem Gange. Zusätzliche Kosten könnten die Hersteller deshalb nicht mehr an den Handel weitergeben – und müssten sie zunächst selbst tragen.
- Unklar, welche Getränke betroffen sind: Bis heute gebe es weder einen Referentenentwurf noch ein Eckpunktepapier. Welche Getränke die Steuer erfassen soll, sei offen.
- Bürokratie ohne Konzept: Auch die Frage, welche Behörde die Steuer erhebt – vermutlich der Zoll – und wie ein Kontrollsystem funktionieren soll, sei ungeklärt. Digitale Verfahren und Softwarelösungen fehlten.
- Bruch des Vertrauensschutzes: Die Verbände verweisen auf den Koalitionsvertrag, in dem Steuersenkungen und Wachstumsförderung zugesagt worden seien. Eine Zuckersteuer sei in den Koalitionsverhandlungen im Frühjahr 2025 abgelehnt worden. Auch ein CDU-Bundesparteitag habe sich vor wenigen Monaten dagegen ausgesprochen. Das Bundesfinanzministerium sehe keine Grundlage für die Steuer, das Bundesernährungsministerium lehne sie fachlich ab.
Verbände sehen Haushaltsloch als eigentlichen Grund
Die Verbände verweisen auf Dokumente vom Wochenende im Rahmen des GKV-Gesetzentwurfs. Darin geht die Koalition davon aus, dass das Steueraufkommen bei zuckerhaltigen Getränken im Jahr 2027 bei 650 Millionen Euro liegt und ab 2028 – wenn Hersteller ihre Rezepturen angepasst haben – auf 450 Millionen Euro jährlich sinkt.
Für die Verbände ist das ein verräterisches Detail: Die Einnahmen im ersten Jahr fielen genau deshalb höher aus, weil die Betriebe kurzfristig nicht reagieren könnten. "Gesundheitspolitische Argumente sind allenfalls Fassade – es geht ums Stopfen von Haushaltslöchern", heißt es in der gemeinsamen Erklärung.
Die Verbände fordern die Politik auf, von einer überstürzten Einführung abzurücken. Eine Umsetzung innerhalb weniger Wochen würde nach ihrer Einschätzung viele Existenzen bedrohen und zu Betriebsaufgaben führen.
Bäckerhandwerk lehnt Zuckersteuer grundsätzlich ab
Auch ein zweites Gewerk aus dem Handwerk positioniert sich klar gegen eine Zuckersteuer: das Bäckerhandwerk. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks hatte bereits im Frühjahr 2026 gemeinsam mit anderen Verbänden einen entsprechenden Bundesratsantrag des Landes Schleswig-Holstein kritisiert.
"Die Einführung einer Zuckersteuer suggeriert einfache Lösungen für ein vielschichtiges Problem. Notwendig sind jedoch differenzierte, langfristig angelegte Strategien, die Eigenverantwortung stärken und echte Verhaltensänderungen ermöglichen", sagt Friedemann Berg, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes. Der bürokratische Aufwand einer Verbrauchsteuer treffe Handwerksbetriebe wegen begrenzter personeller Ressourcen deutlich härter als große Industrieunternehmen.
Bergs Kritik: Steigende Sprit- und Energiepreise setzten viele Betriebe bereits jetzt unter Druck. Zusätzliche Belastungen könnten Existenzen gefährden und regionale Versorgungsstrukturen schwächen.
Auch die gesundheitspolitische Wirkung sieht der Verband kritisch: Internationale Erfahrungen zeigten zwar Rückgänge beim Konsum einzelner besteuerter Produkte, ein nachhaltiger Rückgang der Energieaufnahme oder des Übergewichts sei damit aber nicht verbunden. Sinnvoller sei aus Sicht der Bäcker mehr Ernährungsbildung in Schulen sowie die Förderung von Bewegung und einem gesunden Lebensstil. fre