Konjunkturspiegel Handwerk Branchenspiegel: Der Automarkt verliert an Tempo

Das Kfz-Gewerbe blickt verhalten auf 2015. Die Ausrüster setzen auf den Nachholbedarf der Industrie. Der Gesundheitsmarkt boomt. Ein Überblick über die Lage in einzelnen Handwerksbranchen.

Das Kfz-Gewerbe rechnet mit weniger Neuzulassungen als im vergangenen Jahr. Und auch die Vorschau auf das Werkstattgeschäft ist durchwachsen. - © Foto: industrieblick/Fotolia

Die Kraftfahrzeugbetriebe sind mit gemischten Gefühlen ins neue Jahr gegangen. Dagegen fällt der Ausblick der Lebensmittelhandwerke optimistisch aus. Am Bau dürften die Konjunkturampeln nach dem Winter auf Grün springen.

Kraftfahrzeuggewerbe

Die Autonachfrage in Deutschland verläuft 2015 in ruhigen Bahnen. Nach Einschätzung des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe werden 2,95 Millionen neue Pkw zugelassen und damit knapp 100.000 weniger als im Jahr zuvor. Weil es die meiste Zeit ungenutzt herumsteht, verzichten immer mehr Menschen in Großstädten auf das Auto. 30 Prozent der Haushalte dort haben nur Fahrräder.

Etwas besser sind die Prognosen für den Gebrauchtwagenmarkt. Als Folge der vielen Tageszulassungen stehen immer mehr günstige, fast neuwertige Fahrzeuge auf den Höfen der Autohändler.

Mit einem Zulassungsboom kalkulieren Experten bei schweren Nutzfahrzeugen. Investitionen lohnen sich hier. Zum einen zahlen moderne Euro-6-Lkw in Deutschland von 2015 an weniger Maut. Zum anderen sorgt die Liberalisierung des Fernbusverkehrs für Impulse. Was die Ausweitung der Lkw-Maut für den Handel bedeutet, wird man sehen. Von Oktober an sollen bereits Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen einbezogen werden.

Die Vorschau auf das Werkstattgeschäft ist durchwachsen. Wegen der hohen Qualität sinkt der Anteil deutscher Fahrzeuge, die Mängel aufweisen. Zudem wollen immer mehr Kunden Ersatzteile im Internet bestellen. Dagegen freut man sich über die wieder aufgelegte staatliche Finanzspritze, die Halter eines Dieselfahrzeugs beim Einbau eines Rußpartikelfilters erhalten.

Handwerk für gewerblichen Bedarf

Zulieferer und Gewerbedienstleister zeigten sich zum Ende des abgelaufenen Jahres zufriedener mit ihrer Lage als zu Beginn. 86 Prozent der Betriebe gingen von einem positiven Geschäftsverlauf in naher Zukunft aus, drei Viertel rechneten mit zumindest gleichbleibenden Umsätzen. Dazu passt, dass der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau für die Produktion 2015 ein Plus von zwei Prozent ansetzt.

Rückenwind liefert der schwache Euro , Chancen erwachsen primär in den USA, die in einem Re-Industrialisierungsprozess stecken, sowie in Ländern außerhalb der Eurozone. Die niedrigen Rohstoffpreise stimulieren die Weltwirtschaft zusätzlich. Um die asiatische Konkurrenz langfristig auf Distanz zu halten, muss die Branche selbst mehr investieren. Dabei geht es um die "Industrie 4.0", also die Vernetzung von Maschinen, Produkten und Lagersystemen.

Baugewerbe

Die Immobilienmärkte waren bislang durch eine hohe Nachfrage nach Wohnraum gekennzeichnet, die sich auf dauerhaft günstige Finanzierungsbedingungen, stabile Arbeitsplätze, gute Einkommensperspektiven sowie hohe Zuwanderung stützt. Frühindikatoren lassen auf einen intakten Wachstumstrend für 2015 schließen. Die Impulse kommen überwiegend vom Mehrfamilienhausbau. Befürchtet wird, dass die die Einführung einer Mietpreisbremse die Investitionsbereitschaft bei der Sanierung bestehender Wohngebäude dämpft. In der Summe hält der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) 2015 einen Umsatzzuwachs um drei Prozent im Wohnungsbau für wahrscheinlich.

Die gewerbliche Bautätigkeit hat zwar dank günstiger Außenfinanzierungsbedingungen und einer soliden Eigenkapitalausstattung der Unternehmen im letzten Jahr zugelegt. Allerdings litt die Investitionsbereitschaft unter den geopolitischen Turbulenzen. Im laufenden Jahr wirkt sich dies auf den Wirtschaftsbau aus. Laut ZDB ist nur mit einem leichten Anstieg der Umsätze in Höhe von 1,5 Prozent zu rechnen. Ein Prozent Zunahme sagt er für das Geschäft mit öffentlichen Auftraggebern vorher. Eigentlich kommen starke Impulse von der guten Kassenlage und – letztmals – aus dem Fluthilfefonds. Allerdings waren schon in der Vergangenheit hohe Steuereinnahmen zumeist in die Haushaltskonsolidierung und nicht in die Investitionsausgaben geflossen.

Lebensmittelhandwerk

Die hohe Anschaffungsneigung der Haushalte beflügelt das Lebensmittelhandwerk. Sie rührt von anziehenden Lohneinkommen, steigender
Beschäftigung und der moderaten Teuerung auf der Verbraucherstufe. Dementsprechend erwarteten 85 Prozent der Bäcker, Metzger, Konditoren und Brauer zu Jahresbeginn gute oder befriedigende Geschäfte, das waren sieben Punkte mehr als Anfang 2014. Offenkundig gelingt es dem Handwerk immer besser, sein Angebot klar von Industriewaren abzugrenzen. Die Verbraucher honorieren Qualität, Regionalität, Tradition. Für Backstationen beispielsweise wird die Luft bereits dünner; der Markt stagniert.

Das ändert aber nichts daran, dass der Wettbewerb im Lebensmittelsektor hart bleiben wird. Die Konzentrationsprozesse halten an. Der enorme Kostendruck durch den gewaltigen Anstieg der Strompreise wird nun zumindest im Osten Deutschlands durch den Mindestlohn weiter angeheizt.

Konsumnahes Handwerk

Dem Gesundheitshandwerk wachsen die Kunden entgegen. Nach und nach brauchen die geburtenstarken Jahrgänge Brillen und Zahnersatz, sorgt die steigende Lebenserwartung für immer mehr Hörgeräteträger. Für das stationäre Handwerk ist dabei von Vorteil, dass sich die Leistungen der Augenoptiker, Zahntechniker, Orthopädietechniker oder Akustiker nur schwer über das Internet absetzen lassen. Zudem versucht das Handwerk, das enorme Potenzial zu entwickeln, das im technischen Fortschritt liegt. So lassen sich Zahnprothesen oder auch Ohrpassstücke für Hörgeräte mittlerweile mit Hilfe von 3D-Scannern anfertigen.

Die Handwerke für privaten Bedarf – Friseure, Schneider, Fotografen und andere – dürften ebenfalls nur in Ausnahmefällen direkter Online-Konkurrenz ausgesetzt sein. Wenn aber der Einzelhandel in kleinen und mittelgroßen Städten kein attraktives Angebot aufrechterhalten kann, weil die Umsätze ins Internet wandern, dann fehlt auch dem Handwerk als Nahversorger die Laufkundschaft. we/los