Der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag von 1991 hat aus Sicht des polnischen Botschafters in Deutschland, Marek Prawda, eine Wende in den Beziehungen der beiden Länder gebracht. Prawda sagte am Freitag im Deutschlandfunk, früher sei die geografische Lage Polens zwischen der Sowjetunion und Deutschland "als Symbol eines geopolitischen Pechs oder Unglücks" betrachtet worden.
Botschafter Prawda sieht "gereifte" deutsch-polnische Partnerschaft
Berlin/Köln (dapd). Der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag von 1991 hat aus Sicht des polnischen Botschafters in Deutschland, Marek Prawda, eine Wende in den Beziehungen der beiden Länder gebracht. Prawda sagte am Freitag im Deutschlandfunk, früher sei die geografische Lage Polens zwischen der Sowjetunion und Deutschland "als Symbol eines geopolitischen Pechs oder Unglücks" betrachtet worden. Mit dem Vertrag sei das anders geworden. Heute überwögen die Vorteile, die diese europäische Lage bringe.
Nach Ansicht Prawdas sind Deutschland und Polen seit einigen Jahren in eine Phase der "gereiften Partnerschaft" eingetreten. Polen und Deutschland könnten sicherlich einen Mehrwert in Europa schaffen. Vor 20 Jahren habe es hingegen noch viele Unsicherheitsfaktoren gegeben, etwa die Existenz der Sowjetunion. "Wir sind heute viel weiter, wir sind Mitglieder derselben internationalen Strukturen, wir sind damit auch Teil derselben Wertegemeinschaft."
Prawda erinnerte daran, dass sich in Polen zur Wendezeit vor 20 Jahren insgesamt fast 6.000 Flüchtlinge aus der DDR aufgehalten hätten. "Diese Menschen hatten einen Traum vom Leben in einem freien Land. Ihr Traum war Teil des unsrigen." Diese Erfahrung einer deutsch-polnischen Schicksalsgemeinschaft sei etwas, woran heute angeknüpft werden könne. "Und wenn wir etwas wiederbeleben sollen, dann vielleicht diese Erfahrung und sie in eine europäische Sprache zu übersetzen. Da hätten wir vielleicht eine neue Quelle der Zuversicht."
Der Botschafter räumte ein, dass es bei den Menschen in Polen und Deutschland noch gegenseitige Unkenntnis und Vorurteile gebe, vor allem auf deutscher Seite. Prawda sagte: "Ich glaube, dass wir aufeinander etwas neugieriger sein müssen." Eine aktuelle Umfrage habe zwar gezeigt, dass sich das Bild, das Deutsche und Polen voneinander hätten, verbessert habe. Dennoch wüssten zum Beispiel die Deutschen wenig über die wirtschaftliche Entwicklung in Polen, über die Finanzpolitik. Gerade darauf lege Polen jedoch großen wert, "weil sich das neue Polen dadurch definiert". Familiär überlieferte Ressentiments von gestern spielten immer noch eine große Rolle, das müsse sich ändern.
dapd
