Minijobs und Co. Boom der Nebenjobs: Was rechtlich gilt

Mehr als drei Millionen Deutsche haben einen Nebenjob – so viele wie nie. Gründe dafür: die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, der Fachkräftemangel und vor allem die Abgabenfreiheit. Arbeitnehmer, die einen Nebenjob annehmen, müssen dabei einiges beachten. Was rechtlich gilt.

Nach dem Feierabend ist vor dem Feierabend: Die Zahl der Beschäftigten mit Nebenjob hat einen neuen Rekordwert erreicht. - © Foto: ikonoklast_hh/Fotolia

Noch nie hatten in Deutschland so viele Menschen einen Nebenjob wie derzeit. Im vergangenen Jahr hatten laut Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erstmals mehr als drei Millionen Menschen neben ihrem Hauptberuf einen Zweitjob. Die Zahl hat sich seit der Wiedervereinigung mehr als verdreifacht auf zuletzt 3,02 Millionen.

Ein wesentlicher Grund für den Anstieg seien Vergünstigungen für Zweitjobs, die die Politik im Zuge der Hartz-Reformen beschlossen habe, sagt IAB-Forscher Enzo Weber. Die meisten Beschäftigten mit Nebenjob – mehr als zwei Millionen – hätten neben ihrem Hauptberuf einen Minijob. Seit 2003 ist der Hinzuverdienst für die Beschäftigten hier praktisch steuer- und abgabenfrei.

Minijobs lohnen sich

Deshalb lohnt sich der Minijob oft finanziell mehr als eine entsprechende Ausweitung der Arbeitszeit im Hauptjob: Bei 8,50 Euro Stundenlohn müsste ein Arbeitnehmer laut dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW/Köln) in Vollzeit rund 17 Euro im Hauptjob verdienen, damit sich dieser mehr lohnt als der Minijob.

Genau diesen Widerspruch kritisieren die Arbeitsmarktforscher. Eigentlich sollen Minijobs zusätzliche Arbeitsmöglichkeiten für Geringverdiener schaffen und die Hürden für eine Einstellung senken.

Aus Sicht von Enzo Weber müssten zudem Unterschiede zwischen Geringverdienern gemacht werden, die aus finanziellen Gründen zwei Jobs übernehmen müssen, und Gutverdienern, die sich ein zusätzliches Einkommen sichern wollen. "Bei Geringverdienern müsste man grundsätzlich die Belastung reduzieren. Das nur über den Zweitjob zu tun, ist wenig zielgenau", fordert er.

Hoher Bedarf an Fachkräften

Der Anteil der Nebenjobber an allen beschäftigten Arbeitnehmern liegt derzeit bei acht Prozent. Ein weiterer Grund für die Zunahme der Nebentätigkeiten ist der allgemeine Job-Boom. "Die Beschäftigung ist insgesamt deutlich gestiegen, der Bedarf bei der Arbeitgebern nach Fachkräften ist sehr hoch. Davon haben auch die Nebenjobber profitiert", sagt der IAB-Forscher.

Das IW ergänzt, dass bei manchen Arbeitnehmern die Hauptbeschäftigung auch nur ein Teilzeitjob ist, bei dem die Arbeitszeit nicht wie gewünscht ausgeweitet werden kann. Als Alternative bleibe dann nur ein zusätzlicher Minijob. dpa/dhz

Nebenjob: Was Arbeitnehmer beachten müssen

Welche Fallstricke beim Thema Nebenjob lauern, erklärt Michael Eckert, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Heidelberg.

Klauseln in Arbeitsverträgen: In der freien Wirtschaft gibt es zwar keine Generalvorschriften wie im öffentlichen Dienst und somit keinen Erlaubnisvorbehalt des Arbeitgebers für einen Nebenjob. Trotzdem enthalten die meisten Arbeitsverträge eine Regelung darüber, den Arbeitgeber über einen Nebenjob in Kenntnis zu setzen oder seine Zustimmung einzuholen. Arbeitnehmer sollten in jedem Fall mit ihrem Chef sprechen, selbst wenn unklar ist, ob eine Zustimmung notwendig ist. Wird der Nebenjob verschwiegen, und der Chef erfährt davon, kann das unnötig das Hauptarbeitsverhältnis belasten.

Hauptjob geht vor: In bestimmten Fällen kann der Arbeitgeber dem Angestellten verbieten, einen Nebenjob auszuüben. Das gilt zum Beispiel, wenn die Nebentätigkeit sich womöglich negativ auf die Haupttätigkeit auswirkt, etwa weil ein hohes Verletzungs- oder Krankheitsrisiko besteht. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der Angestellte als Nebenjob Kickboxen unterrichtet.

Konkurrenz: Ein zweites Ausschlusskriterium ist eine Tätigkeit beim Wettbewerber. So kann der Arbeitnehmer in seinem Nebenjob nicht für die Konkurrenz arbeiten. Ein Mechatroniker einer BMW- oder Mercedes-Werkstatt dürfte abends zum Beispiel nicht zusätzlich noch in einer freien Werkstatt tätig sein.

Arbeits- und Ruhezeit: Die gesetzlich zugelassene Arbeitszeit von zehn Stunden pro Tag darf nicht überschritten werden. Nach einem acht Stunden Tag im Büro sind drei Stunden als Barkeeper also schon zu viel. Außerdem müssen die Arbeitnehmer die Erholungszeit einhalten: Zwischen zwei Arbeitstagen müssen mindestens elf Stunden liegen.

Urlaub: Nebentätigkeiten sind auch während des gesetzlichen Mindesturlaubs tabu. Das sind bei einer Fünf-Tage-Woche 20 Urlaubstage. Stehen dem Arbeitnehmer mehr Urlaubstage zur Verfügung, könnte er an diesen theoretisch arbeiten. Viele Arbeitgeber sehen das allerdings nicht gern. Immerhin gewährt er den zusätzlichen Urlaub zur Erholung. dpa