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Verluste im Jahr des Corona-Crashs Börsenjahr 2020: 5 Tipps, wie Sie steuerlich das Beste rausholen

Ein kurvenreiches Börsenjahr neigt sich dem Ende zu: 2020 haben etliche Anleger Verluste verbuchen müssen, weil sie im Frühling aufgrund von Corona panikartig Aktien und Fonds verkauft haben. Für sie stellt sich die Frage: Können sie solche Verluste mit der Steuererklärung für 2020 geltend machen – und wenn ja, wie? Zudem gibt es neuere Gerichtsverfahren, von denen Anleger pofitieren können.

Seit Einführung der Abgeltungssteuer zum 1. Januar 2009 ist die Verrechnung von Verlusten bei der Geldanlage mit anderen Einkunftsarten nicht mehr möglich. Verluste können nur noch mit Gewinnen bei der Geldanlage verrechnet werden. Das geschieht automatisch, wenn ein Anleger nur bei einer einzigen Bank oder Fondsgesellschaft ein Depot führt. Kam es 2020 zu einem Verlust, wird dieser ins nächste Jahr vorgetragen. "Im Jahr 2021 wird erst dann die Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge fällig, wenn diese Erträge die vorherigen Verluste überschreiten", sagt Michael Thaler von TOP Vermögen mit Sitz in Starnberg, München und Traunstein. Anleger mit einem einzigen Depot müssen also nicht selbst tätig werden, da dies die Bank bzw. Fondsgesellschaft übernimmt, so der Vermögensverwalter.

Tipp 1: Mehrere Depots? Der 15. Dezember ist wichtig

Anders sieht es aus, wenn ein Investor zwei oder mehrere Depots führt und zumindest in einem Depot Verluste angefallen sind. "In diesem Fall ist der 15. Dezember ein Datum, das im Kalender rot markiert werden sollte", sagt Michael Blanz von ALPS Family Office in Dietmannsried bei Kempten. Bis dahin müssten Anleger die sogenannte Verlustbescheinigung beantragen. Nur mit diesem Dokument können sie über die Steuererklärung ihre Verluste mit Erträgen anderer Depots oder Konten verrechnen lassen. Das funktioniert aber nur, wenn in mindestens einem weiteren Depot Erträge angefallen sind.

Ausnahme: Wird das Depot zum Jahresende geschlossen, sollte man die Verluste vom Finanzamt auch dann anerkennen lassen, wenn es sonst keine Erträge gab. "Nur so können diese Verluste mit künftigen Erträgen in anderen Depots verrechnet werden. Sonst sind sie verloren", so Blanz.

Tipp 2: Aktienverluste und Fondsgewinne: Vielleicht hilft der BFH

Verluste bei Aktienverkäufen dürfen nur mit Kursgewinnen aus Aktiengeschäften verrechnet werden. Diese Einschränkung des Gesetzgebers ist ein kostspieliges Ärgernis für viele Anleger. Doch sie könnte in nicht allzu ferner Zukunft kippen. Vor dem Bundesfinanzhof (BFH) ist ein Verfahren anhängig, in dem geprüft wird, ob diese Regel verfassungsgemäß ist. Wer Aktienverluste verbucht, sonst aber Gewinne mit Fonds, Anleihen und Zertifikaten hat, kann Einspruch gegen den kommenden Steuerbescheid erheben. Dabei sollte man sich auf jeden Fall auf das Verfahren (Aktienzeichen VIII R 11/18) berufen, um den Steuerbescheid offenzuhalten. Nur so kann man von einer anlegerfreundlichen Entscheidung profitieren.

Tipp 3: Aktiengewinne und Fondsverluste: Verrechnung erlaubt

Was wenige wissen: Auch wenn Aktienverluste nur mit künftigen Kursgewinnen von Aktien verrechnet werden dürfen, gilt das umgekehrt nicht. Denn Kursgewinne aus Geschäften mit Einzelaktien lassen sich durchaus mit früheren oder aktuellen Verlusten bei anderen Wertpapieren, etwa Fonds, ETFs, Zertifikate oder Anleihen verrechnen. "Wer mit Einzelaktien ein glückliches Händchen hatte, aber bei der Wahl des Fondsmanager danebengriff, kann mit diesen Verlusten seine Steuerlast bei den Aktien mindern", erklärt Vermögensverwalter Thaler.

Wer lediglich ein Depot führt, sollte vorsichtshalber prüfen, ob die Bank diese Berechnung konkret ausgeführt hat. Im Falle mehrerer Depots muss die Verrechnung über die Steuererklärung erfolgen.

Tipp 4: Für Goldanleger bleibt Xetra-Gold attraktiv

Goldanleger können aufatmen: Kursgewinne mit Gold und Xetra-Gold sind steuerfrei, wenn das Edelmetall bzw. das Zertifikat mindestens ein Jahr im Tresor oder Depot liegt. Zunächst wollte der Gesetzgeber diesen Vorteil von Xetra-Gold – eine zu 100 Prozent mit Gold hinterlegte Anleihe der Deutsche Börse – abschaffen und das Papier der Abgeltungssteuer unterwerfen, die keine Haltefristen kennt. Nun sieht der Gesetzentwurf das nicht mehr vor. Damit bleibt der Handel mit Xetra-Gold ein privates Veräußerungsgeschäft, und Gewinne dürfen nach einem Jahr steuerfrei vereinnahmt werden. Xetra-Gold kann somit weiterhin in einem gut diversifizierten Portfolio als Dauerinvestment oder als mittelfristige Beimischung eingesetzt werden. Der große Vorteil für kurzfristigere Investments: "Die Transaktionskosten sind weit geringer als bei physischem Gold", sagt Vermögensverwalter Blanz.

Tipp 5: Wertlose Aktien im Depot? Das mindert die Steuer

Verluste mit wertlos gewordenen Aktien im Depot wollte der Fiskus über Jahre hinweg nicht anerkennen. Doch im Juni 2018 entschied der BFH: Ein steuerwirksamer Verkauf liegt auch dann vor, wenn der Wert der Aktien nicht einmal die Transaktionskosten deckt. Außerdem müssen die Verluste auch dann anerkannt werden, wenn keine Bankbescheinigung vorliegt. Leider sperrte sich der Fiskus erst mit Wirkung zum 1. Januar 2020 nicht mehr gegen die steuerliche Anerkennung. Die Banken sind daher erst seit diesem Jahr zur Ausweisung solcher Verluste verpflichtet.

Für Anleger heißt das: Für das Jahr 2019 müssen sie eventuelle Verluste dieser Art selbst beim Finanzamt geltend machen. Wer 2020 eine wertlose Aktie im Depot hat, sollte darauf achten, dass die Bank den Verlust korrekt ausweist.

So gelingt die Anlage KAP in der Steuererklärung

Privatanleger erhalten von ihren Banken zwischen März und Mai 2021 die Steuerbescheinigung für das Vorjahr. Darin werden den einzelnen Posten bestimmte Zeilen in der Anlage KAP (Einkünfte aus Kapitalvermögen) zugeordnet. So wissen Anleger, welche Beträge sie wo in der Steuererklärung angeben müssen. Wer Konten und Depots bei mehreren Banken führt und daher mehrere Steuerbescheinigungen erhält, zählt die Beträge zusammen und trägt die Summen ein. Die Posten im Einzelnen:
  • Höhe der Kapitalerträge (Zeile 7 KAP);
  • Höhe des nicht ausgeglichenen Verlustes (getrennt nach Aktienverlusten und nach Verlusten mit anderen Wertpapierarten, Zeilen 11 und 10);
  • Höhe des in Anspruch genommenen Sparerpauschbetrages (Zeilen 12 und 13);
  • Höhe der Erträge auf einem Depot/Konto bei einer ausländischen Bank (Zeile 15);
  • gezahlte Kapitalertragsteuer (Zeile 48) sowie Solizuschlag (49) und Kirchensteuer (50);
  • im Ausland bezahlte Quellensteuer (Zeile 51).

Der Corona-Crash ist ein Lehrstück für Anleger

Interview mit Michael Thaler, TOP Vermögen in Starnberg.

DHZ: Herr Thaler, im Frühjahr 2020 prophezeiten manche Experten die größte Wirtschaftskrise seit 1929. Etliche Anleger haben daraufhin kalte Füße bekommen und ihre Fonds bzw. Aktien verkauft. Ein halbes Jahr später notieren viele Aktienindizes auf Allzeithoch. Brauchen wir solche Propheten?

Thaler: Ich meine nein, doch solche Leute wird es wohl immer geben. Die Angelegenheit zeigt aber vor allem eines: Wer auf andere hört oder Investments zu 100 Prozent nach seiner Sicht der Zukunft ausrichtet, kann an der Börse Schiffbruch erleiden.

DHZ: Welche Lehren lassen sich aus dem Corona-Crash ziehen?

Thaler: Anleger brauchen zum einen ein generelles Konzept, wie das Vermögen auf Aktien, Anleihen, Edelmetalle, Immobilien und Cash aufgeteilt werden soll. Zum anderen einen Plan, was zu tun ist, wenn an der Börse raues Wetter herrscht. Dieser Plan muss im Voraus klar definiert und dann ohne Zögern ausgeführt werden.

DHZ: Bekommt man das alleine hin?

Thaler: Das ist möglich. Es erfordert aber tiefere Börsenkenntnisse und die Bereitschaft, sich einige Zeit mit den Investments zu beschäftigen. Wer das möchte, kann die Vermögensverwaltung in die eigene Hand nehmen. Alle anderen sind gut beraten, sich an einen unabhängigen Experten zu wenden, der nicht vom Verkauf von Finanzprodukten lebt. Solche Profis findet man etwa auf der Website des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter.

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