Mit den Berufsorientierungsbeauftragten werben die Metallbauer um Nachwuchs. Jede Innung in Deutschland soll versorgt werden.
Frank Muck

Klaus Fürst war schon immer regelmäßig auf Ausbildungsmessen. Ihm ist es wichtig, Werbung für seinen Beruf als Metallbauer zu machen – vor allen Dingen als Innungsobermeister. Doch schnell hat er gemerkt, dass die Resonanz sehr oft nur ganz gering war. Meist schlenderten die Jugendlichen am Stand der Innung, ohne viel Zeit zu verschwenden, vorbei. Oft blieb es beim Verteilen von Flyern. "Mit unserem Stand konnten wir keinen Blumentopf gewinnen", gibt der Betriebsinhaber aus Essingen heute zu, geschweige denn neue Auszubildende. Es musste sich etwas ändern.
Gezielt Kooperationen eingehen
Seit vergangenem Jahr ist Klaus Fürst ein Berufsorientierungsbeauftragter (BOB). Die BOBs sollen, speziell geschult, Netzwerke vor Ort schaffen, um Jugendliche direkt und unmittelbar an den Beruf heranzuführen. Vor drei Jahren hat der Bundesverband Metall (BVM) dieses Konzept etabliert, um seine Nachwuchsgewinnung zu verbessern. Laut Diether Hils, Geschäftsführer im Bereich Berufsbildung, sollen die BOBs gezielt Schulkooperationen aufbauen und Berufsinformationstage organisieren.
Derzeit gibt es deutschlandweit 51 BOBs. Ziel ist es, in jeder Innung – das wären deutschlandweit 360 – einen BOB zu haben. Mehrheitlich sind es Unternehmer, die sich ehrenamtlich für ihren Beruf engagieren. Etwa ein Drittel kommen von Einrichtungen, die der Innung nahestehen. Immerhin sind auch etwa ein Drittel der BOBs Frauen, so dass das Berufsbild nicht von vornherein als männlich dominiert präsentiert wird.
Über das Gewohnte hinausgehen
Wer einen Job als BOB übernimmt, wird auf diese Aufgabe extra vorbereitet. Der Bundesverband bietet den BOBs eine Grundschulung, wo sie lernen, wie man zum Beispiel Kontakte zu Schulen, zur Berufsberatung oder zu Migrantenorganisationen aufbaut. "Die BOBs sollen gezielt über das Gewohnte hinausgehen", sagt Hils – gern auch dahin gehen, wo es wehtut. In einem Coaching erfahren die Teilnehmer zum Beispiel, wie sie mit schwierigen Schülern umgehen können.
Die BOBs sind Teil eines größeren Nachwuchskonzepts des Verbandes. Laut Diether Hils wird in Kürze eine größere Gesamtinitiative beschlossen werden. Noch stehen die Details nicht fest, sollen aber auf der nächsten Mitgliederversammlung beschlossen werden.
Grund für die Initiative sind die natürlich auch im Metallhandwerk rückläufigen Auszubildendenzahlen. In der Branche sei die Lage – ähnlich wie im Elektrohandwerk – nicht ganz so schlimm wie in anderen Gewerken. Dramatisch sei jedoch das Wegbrechen von Ausbildungsbetrieben und -verträgen in Ostdeutschland. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Stimmung der Betriebe wider. Laut der aktuellen Konjunkturumfrage sehen die Unternehmer den Fachkräftemangel mit durchschnittlich 49 Prozent als größte Schwierigkeit für die Betriebe neben der Preisentwicklung mit 57,1 Prozent.
Rückgang hat sich abgeschwächt
Die Zahlen sprechen für sich. Laut Karlheinz Efkemann, Pressesprecher des BVM, erreichte der Rückgang der Ausbildungszahlen im Jahr 2011 seinen vorläufigen Höhepunkt mit einem Minus von 8,7 Prozent. Immerhin hat er sich seitdem etwas abgeschwächt auf 7,9 Prozent im Jahr 2012. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor.
Ob hier die Auswirkungen der BOB-Arbeit zu spüren sind, ist nur schwer nachzuvollziehen. Dass es Effekte gibt, ist für Klaus Fürst jedoch unbestreitbar. Insgesamt kommen mehr Anfragen für Praktika. Wichtig sei es, bei der Stange zu bleiben.
Den Umgang mit Metall selbst erfahren
Fürst ist überzeugt von dem Konzept und wirbt um weitere Ausbildungsbotschafter. Wenn der 46-jährige Familienvater heute auf Berufsinfotagen und Ausbildungsmessen seinen Beruf präsentiert, lässt er die Jugendlichen lieber Rosen bauen, als ihnen die theoretischen Grundlagen der Metallbearbeitung zu erklären. "Ich will den Beruf rüberbringen", sagt er und dazu ist es nötig, dass die jungen Menschen den Umgang mit Metall selbst erfahren können.
Seitdem er das so macht, sind die Stände "knallvoll", wie er sagt. Ohne Aktion und ein Erlebnis kommt man an die Jugendlichen eben nicht ran. Das mit den Rosen hat er sich vor knapp zwei Jahren bei der Nürnberger Innung abgeschaut. Für die beste Rose, die die Besucher schon mit einer kleinen Einführung selbst gestalten können, gibt es einen Preis. Und Fürst staunt immer wieder über die Ergebnisse. Zuletzt hat ihn die kunstvolle Umsetzung einer 19-Jährigen auf der Berufsmesse in Bopfingen überzeugt. Fürst: "Ich hätte es kaum besser hinbekommen."