Polizei und Automobilclubs ziehen Bilanz Blitzmarathon 2017: Wer hatte den schwersten Bleifuß?

Am 19. April hatte sich die Polizei in sieben Bundesländern gezielt auf die Lauer gelegt, um Temposünder ausfindig zu machen. Kontrollen wurden durchgeführt, Fotos geschossen und Strafzettel verteilt: Wer war am schnellsten unterwegs? Wie viele Raser wurden erwischt? Was sagen Polizei und Automobilclubs?

Der Blitzmarathon wurde auch 2017 wieder so manchem Raser zum Verhängnis. - © Countrypixel/Fotolia.com

Groß wurde er angekündigt, nun ist er auch schon wieder vorbei. So manchen Autofahrer wird der Blitzmarathon 2017 aber dennoch noch ein Weilchen beschäftigen. So zum Beispiel die 138 Raser, die allein auf hessischen Straßen mit deutlich erhöhter Geschwindigkeit geblitzt wurden und  nun ein Fahrverbot von mindestens vier Wochen erwartet.

Den schwersten Bleifuß hatte übrigens ein BMW-Fahrer in Leipzig. Er stieg in einer 50-Zone voll aufs Gas und wurde mit stolzen 140 km/h geblitzt. Einen Denkzettel für sein gefährliches Verhalten erhält der Fahrer in Form von 680 Euro Bußgeld, zwei Punkten im Flensburger Punkteregister und drei Monaten Fahrverbot.

Bilanz zum Blitzmarathon 2017: Etwa jeder 25. Autofahrer zu schnell

In Bayern, Brandenburg, Bremen, Hessen, Saarland, Sachsen und Thüringen ging die Polizei am 19. April gezielt gegen Temposünder vor. Aus den ersten Zahlen der Polizei geht hervor, dass nur ein geringer Teil der Autofahrer zu schnell unterwegs war. Das könnte damit zusammenhängen, dass viele Autofahrer den Ankündigungen in den Medien gefolgt sind und daher bewusst den Fuß vom Gaspedal nahmen.

Doch nicht alle ließen sich davon beeinflussen. "Insgesamt 8.941 Geschwindigkeitssünder sind uns bei rund 230.000 gemessenen Fahrzeugen ins Netz gegangen", gab Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann bei der Veröffentlichung der Abschlussbilanz für den Freistaat Bayern bekannt. Nur rund 3,8 Prozent der kontrollierten Autofahrer waren also zu schnell unterwegs. Ähnliche Zahlen lieferten auch die anderen Bundesländer. Der höchste Anteil an Rasern war in Hessen zu verzeichnen. Hier waren mit rund 10.000 Temposündern über fünf Prozent der kontrollierten Fahrer zu schnell unterwegs. Insgesamt wurden über 30.000 Autofahrer mit zu hoher Geschwindigkeit erwischt.

Automobilclub übt Kritik am Blitzmarathon 2017

Der Automobilclub von Deutschland (AvD) hat den europaweiten Aktionstag der Verkehrspolizei in einer offiziellen Stellungnahme kritisiert. Der Blitzmarathon habe auch 2017 gezeigt, dass sich fast alle Autofahrer vorschriftsmäßig verhalten. Die pauschale Behauptung, dass auf deutschen Straßen mehrheitlich gerast werde, sei daher objektiv falsch. Das Fazit des AvD: Der Blitzmarathon ist wirkungslos. Zur Prävention von Verkehrsunfällen rät der Verein vor allem zur Wahrung des Sicherheitsabstandes. Die Faustformel lautet hier: "Abstand = halbe Tachogeschwindigkeit".

Bereits im Vorfeld hatte der Automobilclub Mobil in Deutschland e.V. Kritik an der Aktion geäußert. "Der Blitzmarathon ist gerade jetzt extrem fragwürdig und unsinnig. Nicht auszudenken, wenn an diesem Tag was passiert und das Bundesland zu wenig Polizei hat", meinte Dr. Michael Haberland, Präsident des Vereins.

Der Großteil der Bundesländer verzichtete aus diesem Grund in diesem Jahr auf eine Teilnahme am Aktionstag. "Die Polizei ist doch weiterhin stark beansprucht – zum Beispiel durch die Terrorlage und die Flüchtlingssituation. In einer solchen Situation müssen wir mit den Ressourcen verantwortungsvoll umgehen und Schwerpunkte setzen", begründete ein Sprecher der baden-württembergischen Landesregierung die Absage gegenüber den Stuttgarter Nachrichten.

Blitzmarathon: Warum eigentlich?

Der Blitzmarathon ist ein Schwerpunkttag, der jährlich im Rahmen der europäischen Aktionswoche "Speedmarathon" stattfindet. Organisator der Aktion ist das europäische Verkehrspolizei-Netzwerk Tispol. Die Teilnahme am Blitzmarathon steht jedem Bundesland frei. Ziel der Aktionswoche ist es, Autofahrern ein stärkeres Bewusstsein für die Gefahren durch zu hohe Geschwindigkeit zu vermitteln. Jährlich sterben mehr als 3.000 Deutsche im Straßenverkehr. Die meisten davon aufgrund überhöhter Geschwindigkeit. fre