Handwerkspräsident Otto Kentzler und ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer sehen im Vorfeld des ersten "Europäischen Parlaments für Unternehmer" in Brüssel keinen Anlass für Schwarzmalerei.
Bisher keine Kreditklemme
“Bisher stellen wir keine Kreditklemme fest”, betonte Kentzler vor Beginn des ersten “Europäischen Parlaments für Unternehmer” in Brüssel. Auch ZDH-Generalsekretaer Hanns-Eberhard Schleyer sagte der Deutschen Handwerks Zeitung : “Die Finanzkrise schlägt sich bisher nicht in den Kreditlinien fuer Handwerker nieder.” Bislang gebe es auch noch keine Delle bei Beschäftigung und Wachstum. Der Grund liege darin, dass das deutsche Handwerk seine Kredite in der Mehrheit von Sparkassen und Genossenschaftsbanken beziehe, die von der Finanzkrise bisher nicht betroffen sind.
Kentzler und Schleyer appellierten vielmehr, die Finanzkrise als Chance zu sehen – als Chance für die Europäische Union. Dass sich die führenden Staats- und Regierungschefs der EU auf ein Rettungspaket geeinigt haben, habe einen “positiven Effekt auf die Europäische Integration”, sagte ZDH-Präsident Kentzler. “Durch die Finanzkrise können wir Europa begreifbar machen.” Die EU müsse weiter integrieren, dabei aber einfacher gestaltet werden.
Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), plädierte hierbei den Bürokratieabbau mithilfe eines e-Governments zu bewältigen. “Ohne e-Government wird die Bürokratie nicht geringer. Dies ist die einzige Chance”, ist Braun überzeugt. Die Europäische Kommission und die Bürokratieabbau-Kommission unter Leitung des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten, Edmund Stoiber, habe bisher “noch nicht viel erreicht”, findet Handwerkspräsident Kentzler.
ZDH-Generalsekretär Schleyer stellte die gesamte politische Diskussion infrage. “Wir müssen dafür sorgen, dass sich die Wirtschaft stabilisiert und etwas für Wachstum und Beschäftigung tun”, sagte er der Deutschen Handwerks Zeitung . Angesichts der Finanzkrise sei viel Vertrauen der Bürger in die Wirtschaft verloren gegangen. “Das Vertrauen in die Banken rettete die Bundesregierung mit ihrer Garantie. Aber für das Vertrauen der Bürger in die Wirtschaft hat sie bisher nichts getan”, stellte Schleyer fest. Deshalb schlägt der ZDH-General ein “Moratorium auf EU-Ebene” vor. “Jetzt ist der Zeitpunkt, dass wir alles, aber auch wirklich alles auf den Prüfstand stellen.”, fordert Schleyer. “So wie der Europäische Rat die Banken gerettet hat, muss er nun Wachstum und Beschäftigung stabilisieren."
Auch auf nationaler Ebene solle man sich über alle politischen Themen Gedanken machen. “Bei der Einkommensteuer müssen wir an die kalte Progression ran. Außerdem muss der Solidaritätsbeitrag rasch gesenkt werden”, erklärte Schleyer. “England und Frankreich machen es uns vor, wie Steuerentlastungen vorgenommen werden. Solche Überlegungen sollten auch in Deutschland gemacht werden.”
Das Klimaschutzpaket müsse “verstärkt in Angriff” genommen werden, weil dieses den Bereichen Bau und Ausbau, Sanitär und Heizung zusätzliche Beschäftigung und Umsätze bringe. Auch Handwerkspräsident Kentzler sieht in dem Klimaschutzpaket eine “Riesenchance” für das Handwerk. “Wir haben Chancen uns über die Grenzen hinaus zu betätigen.”
