In der Hamburger Al Nour Moschee gehen die Meinungen zum Tod des Terroristenführers auseinander "Bin Laden hat bekommen, was er wollte"

Mohammed Basit lehnt an der Ladentheke eines kleinen arabischen Geschäfts. Gleich nebenan huschen die ersten Männer zum Mittagsgebet durch eine Glastür in die Al Nour Moschee im Hamburger Stadtteil St. Georg. "Ich war nicht überrascht, als ich heute Morgen vom Tod Osama bin Ladens gehört habe", sagt Basit.

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"Bin Laden hat bekommen, was er wollte"

Hamburg (dapd-nrd). Mohammed Basit lehnt an der Ladentheke eines kleinen arabischen Geschäfts. Gleich nebenan huschen die ersten Männer zum Mittagsgebet durch eine Glastür in die Al Nour Moschee im Hamburger Stadtteil St. Georg. "Ich war nicht überrascht, als ich heute Morgen vom Tod Osama bin Ladens gehört habe", sagt Basit. Bin Laden habe nur das bekommen was er wollte: "Den Tod", fügt er hinzu. Basit ist einer von rund 50 Männern, die sich zum Mittagsgebet in der Moschee treffen.

In den Räumen der heutigen Al Nour Moschee befand sich bis August 2010 die Taiba-Moschee. Das Haus wurde damals von den Behörden wegen verfassungsfeindlicher Umtriebe geschlossen. Vor den Anschlägen vom 11. September 2001 hatten sich der Todespilot Mohammed Atta sowie die Attentäter Marwan Alshehhi, Ziad Jarrah und etliche Unterstützer regelmäßig in den Räumlichkeiten - damals noch Al Quds Moschee - getroffen. Das Gebetshaus hatte sich zum zentralen Treffpunkt von Befürwortern des weltweiten Dschihad im Sinne der Al-Kaida-Ideologie entwickelt.

Der Inhaber des kleinen Geschäfts neben der Moschee, Salem Elmokhtar, widerspricht seinem Bekannten Basit. "Ich schätze, die Amerikaner wollen bin Laden jetzt als Beispiel nutzen, um anderen arabischen Machthabern zu demonstrieren: Wir kriegen euch, wenn wir nur wollen", sagt Elmokthar. Nach dem Morgengebet habe er vom Tod bin Ladens erfahren. Der Libyer glaubt nicht, dass die Tötung Auswirkungen auf das Terrornetzwerk von Al Kaida hat. "Ob er lebt oder tot ist, spielt für die Mitglieder von Al Kaida keine Rolle", sagt Elmokhtar. Bin Laden habe schon lange keinen Einfluss mehr auf die Organisation gehabt.

Während die Männer diskutieren, flimmert in einer Ecke des Raumes der Fernsehsender Al Dschasira über einen kleinen Bildschirm. Immer wieder fällt der Name Osama bin Laden. Mehrere Männer drängen sich durch das schmale Geschäft und bleiben vor dem Bildschirm stehen. "Als ich gesehen habe, dass die Menschen in New York tanzen, dachte ich mir: Das Volk wird verarscht", sagt Basit. "Ich frage mich, ob der amerikanische Präsident bin Laden töten ließ, um seine Bevölkerung zu schützen oder um seinen Stuhl zu retten." Schließlich könne man mit einer solchen Nachricht gut Wahlkampf machen, sagt Basit.

Vor der Tür des Gebetshauses gehen die Meinungen zum Tod des Al-Kaida-Chefs auseinander. "Mir ist es völlig egal, ob bin Laden lebt oder tot ist", sagt ein älterer Mann. Ein anderer reckt die Daumen in die Höhe. "Ich habe mich über den Tod bin Ladens gefreut", bekennt er. Die Taten des Terrorchefs hätten absolut nichts mit dem wahren Islam zu tun, sagt der Mann und folgt den anderen in den Gebetsraum.

dapd