Manche sogenannten Billig-Airlines verdienen ihre Bezeichnung offenbar in doppelter Hinsicht. Die Stiftung Warentest hat zehn Fluggesellschaften mit Billigangeboten getestet und festgestellt, dass günstiges Fliegen nach wie vor möglich ist, einige Anbieter jedoch weiterhin bei der Preisangabe tricksen.
Billig-Flüge: Schlechter Service zu niedrigem Preis
Die seit November 2008 gültige EU-Verordnung, wonach die Fluggesellschaften zu strikter Preistransparenz verpflichtet sind, werde oft missachtet, heißt es in der Zeitschrift "Test". Der günstige Lock-Preis schnelle nach dem Buchen oft in die Höhe.
Die Stiftung Warentest hat zehn Fluggesellschaften untersucht. Von Ryanair und Easyjet über Air Berlin bis Lufthansa, Air France und British Airways. Die Tester beobachteten die Preise über mehrere Monate. Im Fokus: Flüge von Deutschland nach Barcelona, London, Paris, Rom, Wien und Mallorca. Außerdem innerdeutsche Flüge nach Berlin. Verdeckte Tester buchten jeweils drei Flüge, buchten um und stornierten wieder.
Entweder billig oder fair
Ergebnis des Tests: Keine Airline fliegt billig, transparent und fair. Die billigsten Flüge gibt es bei Ryanair und Easyjet. Die besten Informationen dagegen bei Air Berlin, British Airways und Lufthansa. Rundum kundenfreundlich ist keine Airline. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen der Fluggesellschaften stießen die Tester stets auf Klauseln, die den Fluggast benachteiligen.
Ryanair und Easyjet vorn
Betrachtet man nur den Ticketpreis, heben Ryanair und Easyjet am billigsten ab. Die Flugscheine sind günstig und im Allgemeinen auch gut zu bekommen. Note: sehr gut für Preisniveau und Preisverfügbarkeit. Durchschnittspreis für die Testziele: bei Ryanair 144 Euro, bei Easyjet 166 Euro für Hin- und Rückflug. Transparent sind die Preise allerdings nicht. Ryanair und Easyjet hantieren mit vielen Zuschlägen. Gepäck kostet extra. Bei Ryanair müssen die Passagiere auch die Abfertigung am Flughafen extra bezahlen.
Schlimmer noch: Viele Extras waren bei der Onlinebuchung im Test schon ausgewählt. Bei Easyjet die Gepäckkosten und eine Versicherung, bei Ryanair die Gebühr für bevorzugtes Einsteigen und eine Versicherung. Wer sparen will, muss die Zusatzangebote eigens deaktivieren. Eine solche Voreinstellung ist laut EU-Verordnung nicht mehr erlaubt. Urteil für Information und Buchung bei Ryanair und Easyjet deshalb nur ausreichend. Gleiches gilt für Germanwings und Condor. Bei diesen Airlines sind wache Kunden gefragt, die alle Tricks durchschauen.
Tuifly günstig und fair
Übersichtlich und klar sind Information und Buchung vor allem bei Air Berlin, British Airways und Lufthansa. Die Flüge sind bei diesen Airlines aber deutlich teuer. Durchschnittspreis für die Testziele: 243 bis 265 Euro für Hin- und Rückflug. Nur eine Fluggesellschaft im Test vereint moderate Preise mit guter Buchung und Information – Tuifly. Durchschnittspreis für die Testziele: 214 Euro. Die Preisrecherche bestätigt: Frühes Buchen lohnt sich. Nicht nur bei Tuifly. Die Ticketpreise steigen bei allen Airlines bis zum Abflugtermin deutlich an. Vor allem in den letzten vier Wochen. Nur bei Condor gibt es reduzierte Last-Minute-Preise. Allerdings auf recht hohem Niveau.
Positiv vermerkt "Test": Wer früh genug bucht und keinen besonderen Wert auf Service legt, kommt preiswert ans Ziel, dies meist auch pünktlich. Neunzig Prozent der Flüge im geprüften Zeitraum von zwei Monaten seien planmäßig gelandet.
pc/ddp