Der Vergleich mit anderen OECD-Staaten zeigt: In Deutschland gibt es mehr junge Menschen ohne Berufsabschluss oder Abitur. Ausbildungsbetriebe hadern mit Lernlücken von Schulabgängern.

In Deutschland haben weniger junge Erwachsene eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine Hochschulreife als im OECD-Schnitt. Zu diesem Ergebnis kommt die OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2024", wie Nicola Brandt, die Leitern des OECD Berlin Centers bei der Vorstellung der Studienergebnisse sagte. So haben hierzulande 16 Prozent aller jungen Menschen im Alter zwischen 25 und 34 Jahren keinen Abschluss der Sekundarstufe II. Im Schnitt aller 38 Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegt der Wert bei 14 Prozent. Dies liege vor allem an den jungen Männern, bei denen der Anteil bei 18 Prozent liege. Bei jungen Frauen seien es nur 15 Prozent gewesen.
1,7 Millionen Junge mit weniger Chancen
Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Jens Brandenburg (FDP), machte deutlich, dass hinter den 16 Prozent rund 1,7 Millionen junge Erwachsene steckten. Junge Erwachsene mit weniger Chancen auf eine gute Beschäftigung, mit weniger Chancen auf ein auskömmliches Einkommen und auf gesellschaftliche Teilhabe. "Und das bedeutet auch: 1,7 Millionen junge Erwachsene, die nicht als dringend benötigte Fachkräfte in unserer Wirtschaft zur Verfügung stehen", betonte er. Deutschland liege damit weit von der Spitzengruppe entfernt. Dazu zählten Korea mit nur einem Prozent sowie Kanada, Polen und Irland mit jeweils fünf Prozent an jungen Erwachsenen ohne Sekundär-II-Abschluss. Der Bericht zeige zudem, dass die Wahrscheinlichkeit gering qualifiziert zu sein, bei denjenigen höher sei, die im Ausland geboren wurden.
Handwerkspräsident fordert Bildungswende
Für Handwerkspräsident Jörg Dittrich untermauern die Ergebnisse des diesjährigen OECD-Berichtes, die vom Handwerk geforderte Bildungswende, um in Deutschland mehr junge Menschen erfolgreich zu einem Berufsabschluss zu führen. "Dafür sind die Voraussetzungen schon in der Schule zu legen, denn Handwerksbetriebe dürfen mit der Aufgabe, Lernlücken bei neuen Ausbildenden schließen zu müssen, nicht länger allein gelassen werden", forderte er. Er verwies auf eine Umfrage des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, wonach 75 Prozent der Betriebe eine Zunahme solcher Lernlücken bei den neuen Auszubildenden feststellten.
Dittrich: Schulen müssen Grundkompetenzen vermitteln
Wie Dittrich weiter sagte, unterstützten Betriebe und Kammern schon jetzt die Neulinge mit Crashkursen in Mathematik oder Sprachförderangebote. "Die nachträgliche Vermittlung von Grundkompetenzen darf jedoch nicht vorrangig Aufgabe des Handwerks sein", erklärte er. Vielmehr müssen die Länder sicherstellen, dass bis zum Schulabschluss die Kompetenzen vermittelt werden, die für einen erfolgreichen Ausbildungsstart erforderlich seien. Um Lerndefizite rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern, müsse ein flächendeckendes Diagnosesystem in den Schulen eingeführt werden.
Bund und Länder wollen gegensteuern
Haben jungen Menschen in Deutschland einen Berufsabschluss, sind ihre Aussichten gut. "Die Chancen auf Beschäftigung mit einem beruflichen Abschluss ist in Deutschland so hoch wie in kaum einem anderen OECD-Land", sagte Brandenburg. Nur 2,9 Prozent der jungen Erwachsenen mit einer abgeschlossenen Ausbildung seien arbeitslos. Der Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, Udo Michallik, unterstrich ebenfalls die Bedeutung der Bildung für junge Menschen. Bund und Länder hätten viele Programme auf den Weg gebracht, um die Qualität der Bildung zu verbessern, sagte er und nannte etwa das Start-Chancen-Programm. Mit ihm sollen in den nächsten zehn Jahren bis zu 4.000 Brennpunkt-Schulen hierzulande gefördert werden.