Für jedes Jahr das Arbeitskräfte länger die Schulbank drücken, bekommen sie im Laufe ihres Berufslebens 4,5 Prozent mehr Lohn. Für Frauen lohnt sich Bildung besonders. Aber nicht in Deutschland, wie eine Studie vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg zeigt.

Schon lange ist bekannt, dass Mädchen im bundesdurchschnitt besser in der Schule sind als Jungs. Jetzt hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung herausgefunden, dass diese Leistung sich auch später im Berufsleben auszahlt. Aber nicht überall: In neun von zwölf untersuchten Ländern ist die Bildungsrendite für Frauen höher als für Männer. Die Bildungsrendite ist der finanzielle Ertrag der Ausbildung während des Berufslebens. Nur: In Deutschland lohnt sich Bildung für Frauen weniger als für Männer. Ihre Bildungsrendite beträgt nur 4,8 Prozent, im Vergleich zu 5,3 Prozent bei Männern.
Ein Jahr Uni bringt 4,5 Prozent mehr Geld
Rechnet man die Wirkung des Steuer- und Abgabensystems raus, unterscheiden sich die Ergebnisse für Frauen und Männer in der Bundesrepublik kaum noch. Ein Jahr zusätzliche Bildung bringt ihnen rund 4,5 Prozent mehr Geld. Berücksichtigt wurde allerdings nicht die private oder betriebliche Weiterbildung. In Portugal lohnt sich Bildung für Frauen besonders. Sie bekommen 9,4 Prozent mehr Lohn für jedes zusätzliche Jahr, das sie in ihre Ausbildung investieren. Portugiesische Männer müssen sich mit 7,2 Prozent mehr Gehalt begnügen.
Ein Beschäftigter, der 16 Jahre in seine Bildung investiert habe, könne im Durchschnitt ein um 25 Prozent höheres Einkommen erwarten als jemand, der das Bildungssystem nach elf Jahren verlassen habe. Außerdem sind laut der Studie Arbeitnehmer mit einem höheren Abschluss seltener arbeitslos.
Dabei handle es sich allerdings nur um rechnerische Durchschnittswerte: "Bummelstudenten" verdienten nicht mehr als andere Studierende. Das Gleiche gelte für "Sitzenbleiber", die ein Jahr länger für den Schulabschluss benötigten als ihre Mitschüler.
Die Berechnungen des IAB beziehen sich den Angaben zufolge auf das Einkommen während des gesamten Erwerbslebens. Sie berücksichtigen nicht nur die Bruttolöhne, sondern auch das Steuer- und Abgabensystem, die durchschnittliche Erwerbsbeteiligung im Lebensverlauf unter Berücksichtigung von Arbeitslosigkeit und Familienpausen sowie staatliche Leistungen wie Arbeitslosenunterstützung und Elterngeld. dapd /dhz