Bier statt Prosecco: Vor fünf Jahren kam die Oberfränkin Gisela Meinel-Hansen gemeinsam mit ihrer Schwester und Freundinnen auf die Idee, ein Bier speziell für Frauen herzustellen. Inzwischen ist "Holla die Bierfee" international erfolgreich.
Steffen Guthardt
" Wir waren die ersten Brauerinnen mit diesem Konzept“, sagt Gisela Meinel-Hansen, Geschäftsführerin von "Holla die Bierfee" stolz. Ursprünglich wollten die Bierbrauerinnen nur ihren Freundeskreis von dem Umstieg aufs Bier überzeugen. Doch die 400 Flaschen von ihrer ersten Braukreation "Holla die Bierfee" waren innerhalb von vier Wochen vergriffen, so dass viele weitere Biere entstanden sind.
Fruchtiges Bier in "Sonnenuntergangsrot"
Jedes der Biere wird unter strenger Einhaltung des Reinheitsgebots hergestellt, hat einen hohen Alkoholgehalt, ist mehrfach vergoren und mit Dinkelmalz gebraut. Ein Wiedererkennungswert schafft die besondere Farbe des Bieres im „Sonnenuntergangsrot“ und eine fruchtige Geschmacksnote. Etwa sechs Monate brauchen die "Bierfeen" für die Herstellung eines neuen Produktes.
So auch beim aktuellen Bier, dessen Hopfensorten klangvolle Namen wie "Victoria Secret", "Monroe" und "Mandarina Bavaria" tragen und Geschmacksnoten von Pink-Grapefruit, Saft-Orange, Kumquats und Maracuja kombinieren.
Die Arbeit unter den Brauerinnen ist gerecht verteilt. Gisela Meinel-Hansen ist die "Hopfenfee", während Schwester Monika die Expertin für Hefe ist. Freundin Isabella Mereien widmet sich dem Malz im Bier. Alle drei zusammen bestimmen das Brauverfahren.
Kluge Vermarktung
Der Erfolg von "Holla die Bierfee" ist auch einer engagierten Vermarktung zu verdanken und setzt vor allem auf Mundpropaganda. So haben die Bierfeen ihr Produkt auf einer Tour quer durch Oberfranken ihren Kunden persönlich vorgestellt. Produktproben verschicken sie an bekannte Biersommeliers, von denen sie schon einige Weiterempfehlungen erhalten haben. Auch auf Bierfestivals sind die Brauerinnen regelmäßig zu Gast.
Inzwischen ist "Holla die Bierfee" weit über die Grenzen Oberfrankens hinaus bekannt. Über einen Online-Shop werden ihrer Kreationen bis auf die Färöer-Inseln verschickt.
Botschafterinnen des Handwerks
Die Bierfeen sehen sich auch als Botschafter, um mehr Frauen für ihren männerdominierten Beruf zu gewinnen. Eigentlich haben Brauerinnen eine lange Tradition. Schon im Mittelalter beschäftigten sich Nonnen mit der Bierherstellung. Doch die körperliche Arbeit schreckte in den folgenden Jahrhunderten immer mehr Frauen von der Ausübung des Handwerks ab.
Gisela Meinel-Hansen beobachtet jedoch eine Trendwende. In ihrem Betrieb sind 70 Prozent der Führungskräfte Frauen. Ihre eigene Begeisterung für den Beruf gibt Meinel-Hansen an Azubis weiter.
Brauen ist wie Bier trinken eben nicht nur Männersache.
Die Deutsche Handwerks Zeitung widmet sich anlässlich des 500. Jubiläums des Reinheitsgebots in einer Serie dem Thema Bier.
