Wissensschatz Bibliothek des Handwerks: Fundgrube für Denkmalpfleger

Restauratoren im Handwerk eröffnen in Berlin-Charlottenburg eine Bibliothek, die konserviertes Wissen in mehr als 15.000 Fachbüchern beherbergt. Die Digitalisierung des Bestandes läuft.

Bibliothek des Handwerks
Jörg Haspel (l.) überreicht eine Buchspende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz an Timm Miersch, Vorsitzender des Vereins Bibliothek des Handwerks. - © Bibliothek des Handwerks/Dirk Zeyher

Ende Mai wurde in Berlin-Charlottenburg die Bibliothek des Handwerks feierlich eingeweiht. Zur Eröffnung lobte Jörg Haspel, Vorsitzender des Kuratoriums der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), vor allem den großen ehrenamtlichen Einsatz der Restauratoren im Handwerk, die in rund 4.000 Arbeitsstunden Räume und Einrichtung aufgemöbelt haben.

Wenn alteingesessene Handwerksbetriebe aufgeben müssen, weil sich kein Nachfolger findet, geht oft wertvolles Wissen verloren. Im Bereich der Denkmalpflege ist das besonders bitter. "Für Maschinen, Material oder Werkzeug gibt es meist Käufer, aber an Büchern haben sie wenig Interesse", sagt Rainer W. Leonhardt. Der Chefredakteur des Fachmagazins "Restaurator im Handwerk" hat daher vor drei Jahren einen Aufruf gestartet, um historische Fachliteratur zu sichern. Mehr als 15.000 Bücher wurden seither gespendet, das älteste aus dem Jahr 1701.

DSD finanziert eine Bibliothekarsstelle

Ausleihen kann man die Bücher nicht. Aber mit Unterstützung der DSD, die eine Bibliothekarsstelle finanziert, werden die Bestände nach und nach digitalisiert und online zugänglich gemacht. Für Handwerker in der Denkmalpflege ist die einzigartige Bibliothek eine wahre Fundgrube. Und sie hat etwas Verbindendes zur Wissenschaft und Philosophie, wie Heike Notz betont.

Mit einem Zitat von Karl Marx schlägt die Vorstandsvorsitzende des Vereins der Restauratoren im Handwerk eine Brücke in die Gegenwart: "In Manufaktur und Handwerk bedient sich der Arbeiter des Werkzeugs, in der Fabrik dient er der Maschine." Egal ob industrielle Revolution oder Künstliche Intelligenz – viele handwerkliche Tätigkeiten lassen sich nicht automatisieren. Aber das Wissen über tradierte Techniken lässt sich bewahren.