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Tipps für Chefs Bewerbungsgespräch: Was Arbeitgeber nicht fragen dürfen

Haben Sie Schulden und gehören Sie einer bestimmten Partei an? Chefs möchten in einem Bewerbungsgespräch gerne alles über ihren neuen Mitarbeiter erfahren. Aber nicht alle Fragen sind erlaubt. Welche Themen rechtlich bedenklich sind und welche Ausnahmen es gibt.

Bewerbungsgespräche sind dazu da, um sich gegenseitig besser kennen zu lernen. Der neue Arbeitgeber möchte wissen, ob der Bewerber auf die ausgeschriebene Stelle passt und auch die Person gegenüber möchte herausfinden, ob die Chemie stimmt. Doch gerade für Chefs gibt es einige Fragen, die man in dieser Situation vermeiden sollte. So sind bestimmte Themen sind laut §1 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes wegen Diskriminierung verboten. Hierzu zählen Fragen nach der Rasse, der ethnischen Herkunft, dem Geschlecht, der Religion, einer Behinderung, dem Alter oder der sexuellen Identität. Aber es gibt auch eine Reihe anderer Fragen, die ein Arbeitgeber aus juristischer Sicht nicht stellen sollte. Welche Fragen für einen Chef tabu und welche erlaubt sind, erklärt Alexander von Chrzanowski Fachanwalt für Arbeitsrecht bei Rödl und Partner.

#1 Familienstand und Gesundheit – Sind Sie schwanger oder haben Sie chronische Krankheiten?

Grundsätzlich gilt, dass ein berechtigtes Interesse an der Antwort des Bewerbers gegeben sein muss. Arbeitgeber sollten sich im Vorfeld immer Fragen, ob die Information wirklich relevant ist und, ob die Frage einen Bezug zum Arbeitsplatz hat. Die Fragen "Sind Sie schwanger?" oder "Planen Sie Kinder zu bekommen?" sind in einem Vorstellungsgespräch verboten und müssen von einem Kandidaten nicht beantwortet werden. "Bewerber haben in so einem Fall das Recht zur Lüge und müssen bei einer anschließenden Anstellung nicht mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Selbst, wenn es sich bei der Position um einen schweren körperlichen Job handelt, darf der Chef nicht direkt nach einer Schwangerschaft fragen", sagt von Chrzanowski.

Ebenso verhält es sich beim Thema Gesundheit. Der Anwalt empfiehlt daher Formulierungen wie "Sind Sie für diesen Job geeignet? Können Sie diese schwere Arbeit leisten?" zu verwenden. Hier muss der Bewerber wahrheitsgemäß einschätzen, ob er aufgrund von Krankheiten oder körperlichen Einschränkungen bestimmte Tätigkeiten ausführen kann oder nicht.

#2 Politik und Religion – Sind Sie religiös und welcher Partei stehen Sie nahe?

In der Regel gibt es keinen Grund, warum ein Arbeitgeber wissen sollte, welcher politischen Gruppierung ein Bewerber nahe steht. Eine Ausnahme besteht bei Parteien selbst. "Parteien dürfen sagen, sie stellen nur Mitglieder der eigenen Partei ein", sagt von Chrzanowski, "Auch die Frage, ob jemand einer extrem linken oder rechten Partei nahe steht, sollte man vermeiden. Ich rate davon ab, sofern es sich um keine verbotene Partei handelt." Wenn sich der Betrieb bestimmten Werten, wie Weltoffenheit verschrieben hat und ein neuer Mitarbeiter diese Werte nicht teilt, sei es im Nachhinein immer noch möglich dieser Person zu kündigen, ergänzt der Anwalt.

Die Frage der Religionszugehörigkeit ist nur in Diakonien, konfessionellen Krankenhäusern, Kindergärten oder anderen kirchlichen Einrichtungen zulässig. Die Frage "Sind Sie religiös?" sollte andere Arbeitgeber nicht interessieren und daher auch nicht in einem Bewerbungsgespräch gestellt werden.

#3 Vorstrafen und Schulden – Haben Sie Vorstrafen oder Schulden?

Vorstrafen eines Bewerbers müssen nur in wenigen Fällen offen gelegt werden. Besteht eine Vermögensstrafe bei einem Kandidaten für einen kaufmännischen Bereich, z.B. bei einem neuen Buchhalter, so sollte der Bewerber den potentiellen neuen Arbeitgeber darauf hinweisen. Von Chrzanowski weist außerdem noch auf einen zweiten Bereich hin, bei dem nach Vorstrafen explizit gefragt werden muss: "In sozialen Berufen, wie zum Beispiel in einer Kindertagesstätte, müssen Bewerber ein gesondertes Führungszeugnis vorweisen."

Wie steht es um Ihre finanzielle Situation? Auch diese Frage hat in einem Bewerbungsgespräch nichts zu suchen. Insolvenzverfahren oder andere finanzielle Probleme gehen den Arbeitgeber nichts an. Eine Ausnahme ist hier ebenfalls eine buchhalterische Position in einem großen Unternehmen. "Es geht darum, dass der Kandidat für Bestechung unempfänglich ist", erklärt von Chrzanowski.

Was passiert, wenn ein Arbeitgeber doch fragt?

Wenn ein Chef in einem Bewerbungsgespräch Fragen stellt, die gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verstoßen, muss er mit Schadenersatzansprüchen in Höhe von bis zu 3 Monatsgehältern des Bewerbers rechnen. Bei den anderen Fragen, wie zum Beispiel der nach einer möglichen Schwangerschaft drohen keine rechtlichen Konsequenzen. Jedoch hat der Bewerber das Recht zu Lüge. Er muss also die Frage nicht wahrheitsgemäß beantworten, weshalb der Arbeitgeber nie sicher weiß, ob die Frage richtig beantwortet wurde.

Stolperfallen im Bewerbungsprozess

Was Arbeitgeber außerdem während eines Bewerbungsphase nicht machen sollten:

  • Beim vorherigen Arbeitgeber nachrecherchieren: Die Primärquelle, auf die sich Arbeitgeber stützen sollten, um die Arbeit einer Bewerbers einzuschätzen, ist das Arbeitszeugnis des früheren Arbeitgebers. Beim früheren Arbeitgeber anrufen, ist keine gute Idee. Aber nicht nur die Nachfragen sollten ausbleiben, auch der frühere bzw. noch aktuelle Arbeitgeber sollte keine vom Arbeitszeugnis abweichenden Informationen rausgeben. Eine Ausnahme besteht laut von Chrzanowski, wenn der Bewerber explizit Referenzen angibt. Damit gibt die Person ihre Zustimmung, dass der neue Chef weitere Informationen einholen darf.
  • Bewerber googeln: Facebook und Instagram sind private Netzwerke und damit für den neuen Arbeitgeber tabu. Netzwerke, die rein beruflich genutzt werden, wie Xing und LinkedIn, sind wiederum gute Quellen, um mehr Informationen über einen neuen Mitarbeiter zu erhalten.
  • Personenbezogene Daten erheben, ohne die Bewerber zu informieren: Die Datenschutzgrundverordnung (Artikel 13 und 14) sieht vor, dass Betriebe Bewerber informieren müssen, sobald sie personenbezogene Daten erheben. Dies gilt auch dann, wenn sie Informationen von Dritten einholen.
  • Originalunterlagen behalten: Originale von Schul- oder Arbeitszeugnissen müssen nach der Bewerbung zurückgegeben werden. Wenn der Betrieb vermeiden möchte, dass er viele Unterlagen zurückschicken muss, kann er in der Stellenausschreibung darauf hinweisen, dass nur Kopien eingereicht werden sollen.
  • Kosten für die Anfahrt regeln: Bei Bewerbungsgesprächen werden die Kosten für die Anfahrt vom Arbeitgeber getragen. Dies kann der Arbeitgeber aber auch anders regeln, indem er bei einer Einladung zum Gespräch darauf hinweist, dass der Bewerber die Kosten tragen muss.

 

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