Kolumne Wie Sie Bewerbern absagen und dennoch Ihren Ruf stärken 

Die Art, wie ein Handwerksbetrieb Absagen an Bewerber formuliert, verrät viel über seine Wertschätzung gegenüber Menschen. Steinmetzmeisterin und Kolumnistin Kathrin Post-Isenberg gibt fünf Tipps, wie Arbeitgeber respektvolle Absagen gestalten.

Absagen an Bewerber sind ein Spiegel der Unternehmenskultur. - © Papcut design - stock.adobe.com

Im Handwerk zählt nicht nur, wen wir einstellen, sondern auch, wie wir mit denen umgehen, die wir nicht einstellen. Denn wer professionell absagt, zeigt Haltung. Wer Haltung zeigt, wird weiterempfohlen. So einfach ist das. 

Wir wissen es alle: Gute Fachkräfte zu finden ist schwer. Doch was oft unterschätzt wird, ist der Eindruck, den wir bei Menschen hinterlassen, die es nicht geworden sind. Denn auch Bewerber, die nicht zum Team passen, erzählen weiter, wie sie behandelt wurden. Und manchmal ist es genau dieser Eindruck, der zuerst die Runde macht, noch bevor jemand Ihren Betrieb von innen gesehen hat. 

Ich erlebe in meinen Workshops immer wieder, dass Absagen im Handwerk eher zufällig passieren. Mal gibt es eine Antwort, mal nicht. Manche Betriebsverantwortliche sagen am Telefon ab, andere per WhatsApp, wieder andere gar nicht. 

Doch gerade hier zeigt sich, wie ernst Sie Ihre Rolle als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber nehmen. Hier kommen meine fünf Tipps, wie Sie Absagen fair, klar und mit Fingerspitzengefühl formulieren und dabei sogar Ihre Arbeitgebermarke stärken. Denn jede Absage ist auch eine Chance. 

1. Antworten ist Pflicht, aus Respekt 

Wer sich Mühe gemacht hat, verdient zumindest eine Rückmeldung. Und ja, auch auf die Bewerbungen, die nicht überzeugen. Eine kurze, freundliche E-Mail ist besser als Schweigen. Denn Schweigen wirkt abwertend – und das spricht sich rum. 

2. Ehrlich bleiben, aber professionell formulieren 

Natürlich möchten Sie eine ehrliche Rückmeldung geben. Doch bei Absagen zählt Fingerspitzengefühl und ein Bewusstsein dafür, was wertschätzend und angemessen ist. Vermeiden Sie Formulierungen, die persönlich verletzend wirken oder zu Missverständnissen führen könnten, zum Beispiel pauschale Aussagen wie "zu alt", "nicht teamfähig" oder "nicht belastbar". Das ist im Übrigen auch rechtlich ein Fallstrick.

Kathrin Post-Isenberg
Steinmetzmeisterin und Bildhauerin Kathrin Post-Isenberg führte früher ihren eigenen Betrieb in Siegburg. Heute bringt sie ihre Erfahrung in Handwerksbetriebe ein und hilft ihnen, als attraktive Arbeitgebermarke sichtbar zu werden. - © Markus Zielke

Das bedeutet aber nicht, dass Sie gar nichts sagen dürfen. Eine knappe, respektvolle Formulierung wie "Wir haben uns nach sorgfältiger Prüfung für eine andere Person entschieden" reicht völlig aus. Sie ist professionell, klar und zeigt Haltung. 

Wer möchte, kann den Kontakt offenhalten: "Vielen Dank für Ihre Bewerbung, wir behalten Sie gern im Blick für zukünftige Möglichkeiten." So zeigen Sie Wertschätzung, bleiben offen und umgehen heikle Formulierungen. 

Falls Sie das Gespräch persönlich führen möchten, tun Sie das mit Respekt und Feingefühl, aber ohne zu sehr ins Detail zu gehen. 

3. Standardtexte sind in Ordnung, solange sie wertschätzend sind 

Nicht jede Absage muss individuell formuliert sein. Ein klarer, wertschätzender Standardtext spart Zeit und vermittelt trotzdem das, was zählt: Respekt. Wichtig ist, dass Sie den Text regelmäßig prüfen. Passt er noch zu Ihnen und Ihrem Stil? Denn auch Ihre Arbeitgebermarke entwickelt sich. Ihre Kommunikation sollte da mithalten. 

4. Besser schnell als gar nicht 

Absagen sind nie schön, aber am schlimmsten ist es, lange zu warten oder gar nicht zu reagieren. Bewerber warten in Unsicherheit. Je länger das dauert, desto schlechter ist die Erfahrung. Auch für Ihr Team übrigens, denn wer professionell absagt, bringt Ordnung in den Prozess. 

5. Auch eine Absage ist ein Kontakt 

Denken Sie langfristig. Heute passt es vielleicht nicht, aber wer weiß, was in einem Jahr sein wird. Manche Betriebe haben schon Top-Leute gewonnen, weil sie bei der ersten Bewerbung anständig abgesagt haben. Wer fair bleibt, bleibt im Kopf. Und das zahlt sich aus. 

Fazit 

Absagen gehören zum Alltag. Aber wie wir absagen, macht den Unterschied. Es zeigt, ob wir Menschen wirklich sehen oder nur Arbeitskraft suchen. Wenn Sie sich wünschen, dass Ihr Handwerksbetrieb als guter Arbeitgeber wahrgenommen wird, dann beginnt das nicht erst beim Einstellungsgespräch, sondern schon bei der Absage. Und genau das unterscheidet starke Betriebe von den anderen. 

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint alle 14 Tage exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Abonnieren Sie den kostenlosen DHZ-Newsletter, um keine Ausgabe zu verpassen.