Für Ausbilder -

Berufsorientierung während der Corona-Krise Betriebspraktika und Ausbildung in Pandemiezeiten

Die Corona-Krise wirkt sich auf Ausbildung und Berufsorientierung massiv aus. Wie Ausbilder bisher mit der Krise umgegangen sind und was sie beachten müssen, wenn sie jetzt Praktika anbieten möchten.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Ausbildung in kleinen und mittleren Unternehmen aus? Diese Frage stellte das Projekt Jobstarter plus von Mai bis Juli an 844 Betriebe. Das wichtigste Ergebnis: Die meisten Auszubildenden wurden weiter regulär im Betrieb ausgebildet.

Drei Viertel der befragten Betriebe hatten zum Umfragezeitpunkt einen oder mehrere Auszubildende. Bei den meisten von ihnen konnten die Auszubildenden weiterhin regulär ihrer Ausbildung nachgehen. 68 Prozent der Auszubildenden waren auch während der Kontaktverbote im Betrieb oder auf der Baustelle tätig. 10 Prozent der Auszubildenden setzten die Ausbildung im Homeoffice fort. Nur 2,2 Prozent der befragten Betriebe gaben an, ihre Auszubildenden in Kurzarbeit geschickt zu haben und 2,4 Prozent der Auszubildenden wurden freigestellt.

Betriebliche Ausbildungspläne angepasst

34 Prozent der Befragten konnten ihre Ausbildungsinhalte ohne Veränderung auf Basis des betrieblichen Ausbildungsplans wie vor der Pandemie vermitteln. 20 Prozent passten den Plan allerdings an. Auch bei der Vermittlung der Inhalte hatten 20 Prozent der befragten Betriebe begonnen, die Inhalte des betrieblichen Ausbildungsplans mit digitalen Tools wie Online-Seminare zu vermitteln.

Zusammensetzung der befragten Betriebe

88 Prozent der befragten 844 Betriebe zählten zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). 9,8 Prozent der beantworteten Fragebögen stammen von größeren Betrieben mit mehr als 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Von den teilnehmenden KMU sind 70 Prozent kleine und Kleinstunternehmen (KKU) mit weniger als 50 Mitarbeitenden. Davon sind 37 Prozent Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden.

Aufgrund der Schulschließungen konnten Auszubildende im Frühjahr die Berufsschule nicht besuchen. 33 Prozent der Auszubildenden konnten mit Hilfe von Online-Unterricht während der Schulschließungen gemeinsam lernen. Allerdings scheine die Digitalisierung in Berufsschulen nicht flächendeckend zu sein, so die Umfrage. Demnach hatten 53 Prozent der Auszubildenden von ihrer Berufsschule während der Schulschließung lediglich Aufgaben per Email oder per Post zur Bearbeitung erhalten. 7 Prozent der Auszubildenden hatten weder Aufgaben erhalten noch konnten sie digitale Tools zur Wissensvermittlung nutzen.

Hilfe bei der Azubisuche

In der Befragung äußerten Unternehmer verstärkt, dass sie Tipps zu Finanzhilfen für Ausbilder bräuchten (30 Prozent der Befragten). Vor allem aber sind Hilfestellungen zur Azubisuche (33 Prozent) und beim Ausbildungsmarketing (14 Prozent) nötig.

Im Frühjahr waren aufgrund des Lockdowns zahlreiche Maßnahmen zur Berufsorientierung sowie Praktika ausgefallen und damit wichtige Gelegenheiten für Ausbilder, Kontakt zu Nachwuchskräften herzustellen. Auch jetzt herrscht wieder große Unsicherheit, ob Praktika erlaubt sind oder nicht.

Die Kultusministerien der Länder bestätigen auf Anfrage der DHZ grundsätzlich, dass Praktika möglich sind. Voraussetzung ist, dass die Beteiligten die jeweils aktuell vor Ort geltenden Hygienevorschriften und Corona-Verordnungen einhalten. Außerdem gelten bei schulischen Praktika die Hygienehinweise der Schule, von der der Praktikant kommt sowie der eigene betriebliche Hygieneplan.

Auch freiwillige Praktika zur Berufsorientierung sind möglich, so lange die Beteiligten die geltenden Corona-Regelungen einhalten. Diese finden Unternehmer auf den Webseiten ihres Landratsamtes und in den Verordnungen zum Infektionsschutz ihres Bundeslandes.

Folgende Regelungen gelten in den Bundesländern, in denen die DHZ erscheint:
Hinweis: In Thürigen gab es keine Antwort auf die Fragen.

Was für Regelungen gelten derzeit hinsichtlich Betriebspraktika? Was müssen die Schulen, Schüler und Betriebe zusätzlich zum schulischen bzw. betrieblichen Hygieneplan besondere Regeln beachten? Gelten diese Regelungen für alle Schularten und Klassenstufen oder nur für verpflichtende Praktika in der Mittelschulstufe bzw. Berufsschulstufe? Gibt es für Betriebspraktika einen Stufenplan, was im Falle eines ansteigenden Infektionsgeschehens zu beachten ist?
Baden-Württemberg:
Bereits im Juli hat das Kultusministerium die Schulen über das Konzept für einen Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen informiert. Das Konzept erlaubt Praxiserfahrungen wie beispielsweise Betriebspraktika im Rahmen der Verwaltungsvorschrift Berufliche Orientierung, wenn dabei die aktuell geltenden Hygieneregelungen eingehalten werden.
Baden-Württemberg:
Generell müssen die allgemeinen Regelungen der Corona-Verordnung beachtet werden. Für Betriebspraktika gilt zusätzlich natürlich die schulischen Hygienehinweise bzw. der betriebliche Hygieneplan.
Baden-Württemberg:
Die Praktika im Rahmen der Beruflichen Orientierung finden ab der Sekundarstufe I der allgemein bildenden Schulen statt.
Baden-Württemberg:
Nein, ein spezieller Stufenplan für Betriebspraktika existiert nicht.
Bayern:
Der Berufsorientierung als profilbildendem Element kommt an der Mittelschule ein hoher Stellenwert zu. Mit Blick auf den aktuellen Arbeitsmarkt ist eine gezielte Berufliche Orientierung erforderlich, damit die Jugendlichen Ausbildungsangebote gewinnbringend für sich nutzen können. Wie dem Rahmen-Hygieneplan zu entnehmen ist, sind Berufsorientierungsmaßnahmen keine Schülerfahrten und daher – anders als diese – ausdrücklich nicht ausgesetzt. Im Lehrplan verankerte Betriebspraktika in den Jahrgangsstufen 8 und 9 sowie in Praxisklassen werden durchgeführt und können vom Grundsatz her ggf. auch in Phasen des Distanzlernens durchgeführt werden, wenn dies vor Ort gewünscht ist.
Bayern:
Voraussetzungen sind insbesondere die Bereitschaft des Betriebs, die Einhaltung des Infektionsschutzes sowie die Sicherstellung einer angemessenen Betreuung im üblichen Rahmen. Weitere Maßnahmen der Berufsorientierung auch in Zusammenarbeit mit externen Partnern erfolgen unter Beachtung der Anforderungen an den Infektionsschutz.
Bayern:
Auch für die beruflichen Schulen gilt: Schulische Praktika finden grundsätzlich statt. Sollten nachweislich coronabedingt Praktikumszeiten nicht erbracht werden können, hält die Schule für die betroffenen Schülerinnen und Schüler Unterrichtsangebote unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Ressourcen vor. Auch hier bleibt den Betrieben die Möglichkeit einer anlasslosen Testung vorbehalten, zu der Schülerinnen und Schüler freiwillig zustimmen müssen.
Bayern:
keine Angabe
Hessen:
In verschiedenen Ministerschreiben wurde festgelegt, dass die schulischen Betriebspraktika "grundsätzlich nach den Herbstferien wieder durchgeführt werden" sollen. "Sofern Betriebspraktika aufgrund der Umstände der Corona-Virus-Pandemie auch im Schuljahr 2020/2021 nicht erbracht werden können, enthält das Zeugnis nach § 24 Abs. 4 der Verordnung für Berufliche Orientierung in Schulen (VOBO) unter Bemerkungen den Hinweis, dass eine Teilnahme am Betriebspraktikum aus von der Schülerin oder dem Schüler nicht zu vertretenden Gründen nicht möglich war. Bei einem nicht in vollem Umfang erbrachten Betriebspraktikum lautet der Hinweis, dass eine vollständige Teilnahme am Betriebspraktikum aus von der Schülerin oder dem Schüler nicht zu vertretenden Gründen nicht möglich war."
Hessen:
Maßgeblich sind immer die aktuell gültigen Hygienepläne, da sie die sich stetig verändernden Rahmenbedingungen im Zuge der Pandemie aufgreifen und in den Vorgaben entsprechend berücksichtigen.
Im aktualisierten Hygieneplan vom 13.08.2020 wird noch einmal deutlich gemacht, dass mehrtägige Schülerfahrten bis Ende Januar 2021 ausgesetzt sind. Berufsorientierungsmaßnahmen sind keine Schülerfahrten und ausdrücklich nicht ausgesetzt.
Hessen:
Im Bereich der beruflichen Schulen finden nach heutigem Stand Betriebspraktika in Form von Langzeitpraktika, wie sie z. B. in der Fachoberschule und der Berufsfach-schule zum Übergang in Ausbildung (BÜA, Wiederholer der Stufe I) vorgesehen sind, seit Schuljahresbeginn statt. Blockpraktika hingegen, die z. B. Bestandteil der Qualifi-
zierung in der Sekundarstufe I, im Beruflichen Gymnasium und der Berufsfachschule zum Übergang in Ausbildung (BÜA, Stufe I) sind, dürfen erst wieder – wie die Betriebspraktika an allgemeinbildenden Schulen – nach den Herbstferien 2020 durchgeführt werden.
Hessen:
Im aktualisierten Leitfaden Schulbetrieb für das Schuljahr 2020/2021 vom 1.9.2020 wurden Planungsszenarien für die Unterrichtsorganisation, die sich an der Entwicklung des Infektionsgeschehens orientieren, an die Schulen verschickt. Diese unterstützen die Schulen bei der Umsetzung von Maßnahmen im Falle des Auftretens von COVID-19.
Sachsen:
Es gelten die Regelungen der jeweiligen Schulordnungen. Darüber hinaus ist für die weiterführenden allgemeinbildenden Schulen festgelegt, dass mit dem Übergang zum Regelbetrieb ab Schuljahr 2020/2021 wieder Schülerbetriebspraktika, auch während der Ferien, möglich sind. Dabei sind spezielle Hygienebestimmungen in den Praktikumsbetrieben besonders zu beachten. Die Schülerbetriebspraktika dürfen nur im Freistaat Sachsen stattfinden, eine Durchführung in anderen Bundesländern und anderen Ländern ist nicht gestattet.
Sachsen:
Es gelten die amtlichen Bekanntmachungen des Freistaates Sachsen (vgl. https://www.coronavirus.sachsen.de/amtliche-bekanntmachungen.html). U. a. sind die derzeit geltende "Sächsische Corona-Schutz-Verordnung" sowie die Allgemeinverfügung "Anordnung von Schutzmaßnahmen an Krankenhäusern" , die Allgemeinverfügung „Anordnung von Hygieneauflagen zur Verhinderung der Verbreitung des Corona-Virus“ sowie die "Allgemeinverfügung zur Regelung des Betriebes von Einrichtungen der Kindertagesbetreuung und von Schulen" zu beachten.
Sachsen:
Die unter 1. und 2. genannten Regelungen gelten auf Basis der jeweiligen Schulordnung, soweit es sich um schulische Veranstaltungen handelt.
Sachsen:
Für alle Schularten gilt der Vier-Stufen-Plan, der vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus, dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und in Abstimmung mit den kommunalen Spitzenverbänden erarbeitet und bekannt gegeben wurde (vgl. www.bildung.sachsen.de/blog/index.php/2020/08/03/schule-nach-den-ferien-im-normalbetrieb-vier-stufen-plan-fuer-sachsen/).
Sachsen-Anhalt:
Mit der Einführung des Regelbetriebs ab dem Schuljahr 20/21 können in Abhängigkeit vom jeweiligen lokalen bzw. regionalen Infektionsgeschehen und unter Einhaltung der präventiven Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen die verbindlichen (Schüler-) Betriebspraktika durchgeführt werden.Grundlagen bilden die aktuelle Eindämmungsverordnung des Landes sowie der Stufen und Rahmenplan für Hygienemaßnahmen "Rahmenplan für die Hygienemaßnahmen, den Infektions- und Arbeitsschutz an Schulen im Land Sachsen-Anhalt während der Corona-Pandemie".
Sachsen-Anhalt:
Die Abstimmung der Praktikumstermine und -durchführung erfolgen in enger Zusammenarbeit der Schule mit dem Praktikumsbetrieb bzw. Praxislernort.Ein Praktikumsbetrieb bzw. Praxislernort muss den Nachweis erbringen, dass er die Vorgaben für hygienische Standards (Lüften, Desinfektion, Belehrungen zu Mund- und Nasenschutz sowie Abstandsregeln) erfüllt.Schülerinnen und Schüler mit Vorerkrankungen sind zu befreien.Bei minderjährigen Schülerinnen und Schülern ist eine Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten einzuholen.
Sachsen-Anhalt:
Diese Regelungen gelten für alle Schularten und Klassenstufen.
Sachsen-Anhalt:
Für Betriebspraktika ist ein Stufenplan analog zum Stufenplan im "Rahmenplan für die Hygienemaßnahmen, den Infektions- und Arbeitsschutz an Schulen im Land Sachsen-Anhalt während der Corona-Pandemie" zu beachten.

Checkliste für Schülerpraktika

Wem es gelingt, einen Schüler für ein Praktikum im eigenen Betrieb zu gewinnen, der hat die Chance, einen künftigen Auszubildenden zu bekommen. Dafür muss sich der Schüler im Betrieb wohl fühlen und etwas lernen. Wie Unternehmer dafür die richtigen Rahmenbedingungen schaffen können, zeigt die Checkliste der BA.

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