Am 4. Oktober soll der erste Gipfel der Bundesregierung zur Demografiestrategie stattfinden. Das sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrem Video-Podcast. Ziel ist unter anderem ein neues Rentenpaket. Arbeitnehmer sollen zukünftig länger arbeiten und flexibler in Rente gehen können. Damit das gelingt, sieht die Bundesregierung auch die Betriebe in der Pflicht.
Heidi Roider

Die Vorschläge der Regierung drehen sich vor allem um die Lebensarbeitszeit. Sie soll von Arbeitnehmern zukünftig viel flexibler gestaltet werden können. Hintergrund ist der demografische Wandel: die Bevölkerung in Deutschland wird immer älter.
Ende April legte die Regierung einen Bericht über die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland vor. Demnach wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter nicht nur zurückgehen, sondern 2030 auch deutlich älter sein.
"Auch bei verändertem Bevölkerungsaufbau müssen die Bürgerinnen und Bürger noch auf die staatlichen Leistungen vertrauen können", betonte die Kanzlerin.
Angepasste Arbeitsplätze für alternde Belegschaft
Vor allem die Unternehmen seien hier gefordert. Sie müssten den älterwerdenden Belegschaften angepasste, attraktive Arbeitsplätze bereitstellen. Die Regierung wolle dafür die Rahmenbedingungen verbessern.
Merkel räumte ein, dass das Thema Demografie "sehr komplex" sei. Es sei sehr schwer vorstellbar, "wie es sei, wenn es deutlich weniger Kinder gibt, wenn es deutlich mehr Hundertjährige gibt", sagte die CDU-Politikerin. Man befinde sich derzeit auf einem Lernpfad, kritische Diskussionen seien daher willkommen. Interessierte Bürger könnten sich auch im Internet an der Debatte beteiligen.
Nach dem Treffen im Oktober solle es im Frühjahr einen weiteren Gipfel geben. Dann erst könne man die Ergebnisse sehen, sagte die Kanzlerin.
Die Vorschläge der Bundesregierung sehen jedoch auch die Betriebe in der Pflicht ihre Einstellung zu älteren Mitarbeitern zu ändern.
Die wichtigsten Pläne für Unternehmer im Überblick:
Selbständige sollen besser vorsorgen: Da sich in den vergangenen Jahren die Zahl der Selbständigen stetig erhöht, will die Bundesregierung Reformen auf den Weg bringen, die sicherstellen, dass auch Selbstständige vorsorgen, um später eine auskömmliche Rente oberhalb der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch zu erhalten.
Altersgerechte Arbeitsplätze: Die Regierung schlägt in ihrer Demografiestrategie vor, dass auch kleine und mittlere Betriebe stärker in altersgerechte Arbeitsbedingungen investieren. Förderungen und Beratungsangebote sollen KMUs dabei unterstützen.
Beratung von KMU: Die Initiative "Neue Qualität der Arbeit" soll Betriebe außerdem dabei unterstützten, eine moderne Unternehmenskultur zu etablieren, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konsequent in den Mittelpunkt stellt.
Flexible Lebensarbeitszeit: Familie und Beruf sollen sich in Zukunft besser vereinbaren lassen. Um das zu erreichen will die Bundesregierung, dass sich die Lebensarbeitszeit an sich flexibler gestalten lässt. Langzeitarbeitskonten müssten dazu in viel mehr Betrieben eingeführt werden. Die Bundesregierung setze bei der weiteren Verbreitung von Wertguthaben vor allem auf die Sozialpartner.
Weiterbildung: Weiterbildungsallianzen mit den Ländern und den Sozialpartnern in den Regionen sollen es mehr Arbeitnehmern ermöglichen, sich gezielt weiterzubilden.
Änderungen bei der Rente
Besserstellung der Erwerbsminderungsrente: Die Zurechnungszeit bei Erwerbsminderungsrenten soll stufenweise von heute 60 auf 62 Jahre angehoben werden. Erwerbsgeminderte würden langfristig dann so gestellt, als ob sie mit dem bisherigen Einkommen zwei Jahre länger als bisher weiter gearbeitet hätten.
Die Verlängerung soll parallel zur Anhebung der Regelaltersgrenze erfolgen. Zudem soll die Bewertung der Zurechnungszeit verbessert werden.
Kombirente: Um ein längeres Erwerbsleben zu fördern, will die Bundesregierung bessere Möglichkeiten schaffen, um Rente und Erwerbstätigkeit flexibel zu kombinieren. Die Kombirente soll für die Zeit des vorzeitigen Rentenbezugs ein Einkommen aus Rente und Hinzuverdienst in der Höhe des früheren Brutto-Einkommens erlauben.
Rentner sollen dann auch neben einer vorzeitigen Vollrente regelmäßig mehr als die bislang gestatteten 400 Euro hinzuverdienen können. Bei Überschreiten der individuellen Hinzuverdienstgrenze soll die Rentenhöhe stufenlos angepasst werden. Das erhöht die Anreize, länger im Erwerbsleben zu bleiben.
Zuschussrente: Bei Bezug der Zuschussrente soll nach den Plänen der Regierung die zusätzliche Altersvorsorge erhalten bleiben; sie soll nicht angerechnet werden, sondern das Alterseinkommen eins zu eins erhöhen. Die FDP hat bereits Widerstand gegen die Zuschussrente angekündigt.
Die Demografiestrategie der Bundesregierung finden Sie auch als PDF auf der Homepage der Bundesregierung. Weitere Informationen zur Kampagne "Jedes Alter zählt" finden Sie auf demografistrategie.de. und auf bundesregierung.de. (mit Material von dapd)