Hohe Steuerbelastung, schlechte Finanzierungsbedingungen und extrem viel Verwaltungsaufwand machen Deutschland immer unattraktiver. Im schlimmsten Fall drohe nun die Abwanderung von Betrieben, warnt die Stiftung Familienunternehmen. Beim aktuellen Länderindex zur Standortattraktivität erreicht Deutschland nur den elften Platz.

Alle zwei Jahre untersucht das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) die Bedingungen in den verschiedenen Ländern, die diese attraktiv für Unternehmen und neue Investitionen macht. Deutschland schneidet dabei im Vergleich zu Standorten wie die Schweiz, Finnland und Dänemark, die die ersten drei Plätze erreichen, schlecht ab und landet auf Platz elf.
Schuld daran ist der Studie zufolge der hohe Verwaltungsaufwand, den der Staat der Wirtschaft vorschreibt. "Die größte Schwachstelle des Standorts Deutschland bleibt trotz moderater Fortschritte die hohe Regulierungsintensität", heißt es in den ZEW-Ergebnissen.
Grafik StandortattraktivitätBerücksichtigt wurden 18 Länder, darunter 17 europäische und die USA. Das ZEW untersuchte fünf Indikatoren: die Steuerbelastung, die Arbeitsbedingungen, die Möglichkeiten zur Finanzierung, die Regulierung und die öffentliche Infrastruktur.
"Deutschland ist klar unterlegen"
Da kaum ein anderes Land in der Wirtschaft so stark von Familienunternehmen geprägt ist wie Deutschland – sie beschäftigen laut ZEW 60 Prozent der in der Privatwirtschaft tätigen Arbeitnehmer – haben die Forscher die Untersuchung spezifisch auf die Bedingungen dieser Betriebe ausgerichtet. Und so zeigt sich auch die Stiftung Familienunternehmen enttäuscht von den schlechten Bedingungen und beklagt, dass die Familienunternehmer in Deutschland derzeit keinen Top-Standort mehr sehen könnten.
"Deutschland ist als Standort von Familienunternehmen einer Reihe von Staaten klar unterlegen", sagte der Stiftungsvorsitzende, Brun-Hagen Hennerkes, bei der Vorstellung einer Studie. Hennerkes warnte deshalb: "Wir haben keinen Anlass zur ökonomischen Selbstzufriedenheit." Im schlimmsten Fall drohe die Abwanderung von Familienunternehmen. Vor allem die Steuerbelastung sei zu hoch, bemängelte er. Während ein mittelständisches Unternehmen hierzulande im Schnitt 221 Arbeitsstunden brauche, um den bürokratischen Aufwand für Steuer- und Abgabeverpflichtungen zu erledigen, seien es in der Schweiz 63 Stunden.
Als besondere Belastung sieht die Stiftung vor allem die neuen Regelungen zur Erbschaftssteuer. Sieben der untersuchten Länder verzichteten ganz auf diese Steuerform. Auch eine Wiederbelebung der Vermögenssteuer hält er für falsch. Warnendes Beispiel sollte Spanien sein, sagte Hennerkes. Das Land hatte die Vermögenssteuer eingeführt, um seinen Staatshaushalt zu sanieren. Als Konsequenz rutschte Spanien in der Studie in der Kategorie Steuern um fünf Plätze ab.
"Deutschland hat sich kaum bewegt"
Der Mit-Autor der Studie und Leiter des Forschungsbereichs Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft am ZEW, Friedrich Heinemann, sagte, die Untersuchung zeige, dass sich Deutschland beim Abbau des Regulierungsaufwands und damit bei der Standortattraktivität kaum bewegt habe. Es lag vor sechs Jahren auf Rang zehn. Mittlerweile stehen vor allem die skandinavischen Länder ganz oben.
"Die Dynamik insgesamt ist recht hoch", sagte Heinemann. Doch so wendig wie die skandinavischen Länder ist Deutschland nicht. "Da wäre schon ein großer Reformschub nötig, um Deutschland da ran zu bringen", sagte der Ökonom.
Ähnlich sieht das der Nationale Normenkontrollrat. Demnach fällt die Bundesregierung beim Abbau der Bürokratie wieder zurück. "Statt mit einer Entlastung ist 2012 wieder mit einer höheren Belastung zu rechnen", sagte der Vorsitzende des Normenkontrollrates, Johannes Ludewig, der Deutschen Handwerks Zeitung . jtw/dapd
