Arbeit im Familienbetrieb Betrieb und Beziehung: Wie Paare beides meistern

Gemeinsam leben, gemeinsam arbeiten – wenn Paare im Handwerk nicht nur privat, sondern auch beruflich ein Team sind, braucht es mehr als gute Absichten. Gute Organisation und klare Strukturen sind gefragt. Ein Coach und ein Unternehmerpaar verraten, wie es gelingt.

Unternehmerpaar Thomas und Nicole Tovote
Unternehmerpaar Thomas und Nicole Tovote planen auch private Termine und Zeiten ohne die Firma fest in ihren Alltag ein. So stimmt die Work-Life-Balance. - © Britta Yvonne Stricker

Zweimal im Jahr haben Thomas und Nicole Tovote einen Coaching-Termin. Dann stecken die beiden die Eckpunkte für das jeweils nächste halbe Jahr ab – beruflich und privat. Sie planen gemeinsam und einzeln, als Chef und Chefin eines Heizungs- und Sanitärbetriebs, als Ehepaar und als Eltern. Dazu holen sie sich professionelle Unterstützung. Im Alltag helfen ihnen verschiedene Kalender – jeder hat einen eigenen sowie einen, der gemeinsam geführt wird. Gleichzeitig hilft die Tatsache, dass sie den Arbeitstag in einem gemeinsamen Büro verbringen und dadurch einiges auf Zuruf absprechen können.

Work-Life-Balance braucht klare Grenzen

Dem Zufall überlassen sie ihre Tagesplanung nicht. Angesichts der vielen Projekte, die beide koordinieren müssen, würden weder das Unternehmen noch der Alltag funktionieren. Thomas und Nicole Tovote arbeiten in einer im Handwerk sehr typischen Konstellation. Er koordieniert als Inhaber und Geschäftsführer die Baustellen und hält das Fachliche in der Hand. Sie kümmert sich um die Personalplanung und die Rekrutierung neuer Mitarbeiter. Umso älter und selbstständiger ihre Kinder wurden, desto mehr ist Nicole Tovote in die Firma eingestiegen. Heute sind beide zeitlich im gleichen Umfang eingespannt.

Mittlerweile sind ihre beiden Töchter volljährig, dennoch planen die beiden Unternehmer auch heute noch konkrete Familienzeiten ein. "Wir haben gelernt, dass alles im Leben feste Zeiten braucht. Ansonsten kommt es schnell zu kurz", sagt der Handwerksmeister, der in seiner Freizeit und wenn die Kinder bei ihm sind, von seiner Firma bewusst abschalten möchte.

Hierbei klare Grenzen zu setzen – und vor allem auch Zeiten zu blocken – sei entscheidend, wenn man langfristig zufrieden sein möchte und die verschiedenen Rollen und Aufgaben bedienen möchte. Das rät Christine Backhaus, die als Diplom-Psychologin, Business- und Beziehungscoach Unternehmerpaare begleitet. Moderne und zufriedene Unternehmerpaare machen in ihren Augen vor allem eines richtig: Sie scheuen sich nicht davor, das Private konkret mitzuplanen.

Zuständigkeiten des anderen kennen

Zu unterscheiden sei, ob ein Paar ein gemeinsames Business startet oder ob die Aufgabenverteilung dadurch entsteht, dass der Partner erst in das Unternehmen hineinwächst und – wie bei den Tovotes – den Umfang der Arbeitszeit und die Beteiligung im Unternehmen Stück für Stück ausweitet. Als Team zu funktionieren und gemeinsame Ziele zu haben, ist dann auch ein Bereich, der wachsen muss. Schwierig kann es werden, wenn der Chef seine Rolle nicht im Teamwork sieht, sondern in einer Einzelrolle.

Christine Backhaus erklärt, dass außerdem die Lebensphase wichtig sei, in der man ein gemeinsames Business startet oder als Team versucht aufrechtzuerhalten. Jede Situation bringe individuelle Risiken mit sich – und ein individuelles Belastungs- und Krisenpotential. Vor allem die Fragen, ob man Kinder hat, wie alt und betreuungsintensiv sie sind und ob die Familienplanung abgeschlossen ist, spielt dabei eine Rolle.

Und so spielen bei den Tovotes im halbjährlichen Coaching auch nicht nur die Unternehmensprojekte eine Rolle, sondern auch das, was privat ansteht. Es geht um Ziele und Aufgaben, die dazu zu erledigen sind. "Es geht um eine klare Organisation und darum, die Zuständigkeiten zu definieren, die jeder hat", sagt Christine Backhaus. Entscheidend sei dabei, dass jeder vom anderen genau weiß, was dieser zu tun hat und den gesamten Verantwortungsbereich – im Unternehmen und zu Hause – kennt.

Planung schafft Freiheiten

Möchte ein Unternehmerpaar neue, transparente Strukturen aufbauen und mehr Verständnis beim Partner wecken für das, was ihn oder sie beschäftigt, rät Backhaus dazu, mal für einen Tag die Rollen zu tauschen. "Dann wird oft viel besser spürbar, was jeder leistet", sagt sie in einem Plädoyer für viel Transparenz und Ehrlichkeit. Dabei gehe es nicht um eine Bewertung, sondern um Wertschätzung. Jeder soll erkennen, was der andere macht und sehen, dass es wichtig ist, damit der Alltag als Unternehmerpaar mit all seinen Facetten funktioniert – egal, ob es das Teammeeting oder der Zahnarzttermin mit dem Kind ist.

Um Planbarkeit zu schaffen, unterstützt die Psychologin es, wenn Paare regelmäßige Paarbesprechungen einplanen. Ob man sie allerdings halbjährlich ansetzt, monatlich, wöchentlich oder täglich, entscheiden die eigenen Bedürfnisse bzw. die Erfordernisse der verschiedenen Rollen, die mit hineinspielen. "Was nach starren Strukturen klingt, bringt oft Freiheiten, weil man eben auch die normalen Dinge mit einplant wie Haushalt und Freizeiten und ihnen eine Bedeutung und Berechtigung gibt", sagt Christine Backhaus.

Trotz der Bedeutung von gemeinsamen Interessen und Zielen und der dafür notwendigen klaren Regeln, warnt Christine Backhaus davor, dass zu viel Nähe eine Beziehung belasten kann. Sie ist deshalb auch etwas skeptisch, wenn es darum geht, dass Unternehmerpaare gemeinsame Hobbys haben. "Jeder hat neben allem, was man gemeinsam macht, auch eigene Bedürfnisse, die sich auch im Laufe des Lebens verändern, und sollte Zeit dafür haben und sie mutig verhandeln", sagt sie. Manches Mal tue eine gewisse Fremdheit der Liebe gut.

Gemeinsame Hobbys nicht zwingend

Auch dabei geht es darum, langfristig zufrieden zu bleiben, weil man nicht das Gefühl bekommt, etwas zu vernachlässigen. Wichtig ist allerdings, dass man nichts erzwingt und ehrlich – auch zu sich selbst – bleibt. So kann es sein, dass es besser ist, ein Hobby unabhängig vom Partner zu finden.

Sind die Interessen sehr ähnlich für eine Beschäftigung in der Freizeit, so darf man auch das gemeinsam leben. Thomas und Nicole Tovote haben für sich den Weg gefunden, mehrmals die Woche schon vor dem Beginn der gemeinsamen Bürozeit zum Sport zu gehen. Im Fitnessstudio verbringen sie dann einen Teil ihrer Freizeit gemeinsam. "Da meine Frau noch Yogalehrerin ist und Kurse gibt, hat sie bei diesem Thema aber einen Bereich gefunden, in dem ich keine Rolle spiele", berichtet der Unternehmer und fügt hinzu: "Yoga mache ich für mich alleine zu Hause."

Das Unternehmerpaar Tovote verbringt viel gemeinsame Zeit – ob beruflich oder privat. Dennoch setzen sie sich in den einzelnen Bereichen ganz bewusst damit auseinander, wie sie das machen, warum und ob es für beide stimmig ist. Ihren Weg bzw. ihr individuelles Zeitmanagement überprüfen sie regelmäßig bei den halbjährlichen Coachings. Ähnlich gehen sie im Betrieb vor und bieten ihren Mitarbeitern regelmäßig fachlich passende Weiterbildungen an – manches Mal auch anknüpfend mit einer persönlichen Beratung, die die Mitarbeiter in Anspruch nehmen dürfen. Die eigenen guten Erfahrungen möchte das Unternehmerpaar weitergeben.