Die Stimmung im Handwerk ist so gut wie nie. Gleichwohl fordert der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) eine mittelstandsfreundlichere Wirtschaftspolitik.
Karin Birk

Das Geschäftsjahr hat für das Handwerk dieses Jahr außergewöhnlich gut angefangen. "Der Start ins Jahr 2016 gelang so gut wie noch nie seit Beginn unserer gesamtdeutschen Konjunkturberichterstattung 1992“, sagte Holger Schwannecke, der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), anlässlich der Frühjahrstagung der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Handwerkkammertages in Trier. Für das Gesamtjahr peilt das Handwerk dank einer stabilen Binnenkonjunktur bei gleichbleibender Beschäftigungslage ein Umsatzplus von zwei Prozent an. Damit liegt das Handwerk mit seiner Jahresprognose noch über der für die Gesamtwirtschaft.
Wie Schwannecke weiter sagte, rechneten 92 Prozent der Betriebe mit stabilen oder besseren Geschäften. "Bei Auftragseingängen, Umsatz und Einstellungsbereitschaft und Investitionsneigung gibt es ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahresquartal“, berichtete er. Jeder fünfte Betrieb investiere mehr, rund 23 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zulegen konnten insbesondere Lebensmittel- und Gesundheitshandwerke. Wichtig sei, dass die guten Wachstumsaussichten jetzt nicht durch den Fachkräftemangel ausgebremst würden.
Lehrlingssuche läuft gut an
Die jüngsten Zahlen zu den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen machen nach Ansicht des Zentralverbandes Mut, dass im kommenden Ausbildungsjahr wie zuletzt wieder mehr neue Ausbildungsverträge abgeschlossen werden können. Ein wichtiger Impuls könne auch vom sogenannten Berufsabitur ausgehen, meinte der ZDH-Geschäftsführer. Noch müsse allerdings die Kultusministerkonferenz der Länder davon überzeugt werden. Zunehmend wichtig werde auch das Thema Digitalisierung im Handwerk. Dies gelte nicht nur für die Ausbildung.
Schnelles Internet auch auf dem Land wichtig
Das Handwerk dürfe nicht durch unzureichende digitale Infrastruktur ausgebremst werden. Die Betriebe bräuchten Datenautobahnen bis tief hinein in die Regionen, um mitmischen zu können. Insgesamt wünscht sich Schwannecke trotz der guten Konjunkturaussichten eine wirtschaftsfreundlichere Politik. "Die Politik muss den Mittelstand, muss das Handwerk und seine Bedürfnisse ernst nehmen“, sagte er.
ZDH warnt vor kostspieligen Rentenpolitik
So warnt der ZDH-Generalsekretär insbesondere angesichts des anstehenden Wahlkampfes vor einer zu kostspieligen Rentenpolitik. "Aktionismus oder Klientelpolitik sind Gift“, mahnte er. Wirklich notwendig sei, auf die Strukturveränderungen im Bereich von Arbeit und Selbstständigkeit und die wachsende Zahl von Soloselbstständigen zu reagieren. Das Handwerk rege hier eine "Vorsorgepflicht mit Wahlfreiheit“ an, ergänzte er. Nichts hält er dagegen von neuen Rentengeschenken.