Raumausstatterin beginnt Meisterstudium Beste Gesellin Deutschlands hat Pläne

Julia Rammler ist Raumausstatterin – und das mit all ihrer Leidenschaft. Die 24-Jährige hat ihr Ziel klar vor Augen. Sie will die Geschichte ihres Familienunternehmens weiterschreiben.

hr erstes Projekt im Meisterstudium: Julia Rammler arbeitet an einem klassisch gepolsterten Hocker. - © Andre Wirsig

“1922 wurde die ‚Grünbacher Gardinenkonfektion Emil M. Jacob‘ gegründet und meine Uroma erzählt heute noch mit einem Lächeln im Gesicht von der Arbeit“, erzählt die Vogtländerin. Das vergangene Jahr hätte für Julia Rammler wohl nicht besser laufen können. Ihre Teilnahme beim Landeswettbewerb des Deutschen Handwerks krönte sie zum einen mit dem Titel “Bundessiegerin im Berufswettbewerb der Raumausstatter“, zum anderen mit dem 1. Platz im Wettbewerb “Die Gute Form im Handwerk – Handwerker gestalten“. Doch sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen, kommt für die kreative Frau nicht infrage.

Nach ihrer Ausbildung begann Julia Rammler im August ihr Meisterstudium in njumii – das Bildungszentrum des Handwerks. “Mein Ziel ist es, dass sich die Menschen in ihrem Zuhause so wohl wie möglich fühlen“, so die Sächsin. “Während meines Praktikums hatte ein Kunde den Wunsch, dass sein barockes Möbelstück umgestaltet wird. Ich möchte diesem Vertrauen und dem Wert der Möbel gerecht werden. Deswegen habe ich mich für das Studium im Bildungszentrum entschieden.“

Die Wahl für den Studien-Standort in Dresden war schnell getroffen, denn die Stadt hat es ihr einfach angetan und die Entfernung zu ihrer Familie ist überschaubar. Ab und zu zieht es die einstige Studentin der Rechtspflege dann aber doch in die Ferne. Im Rahmen eines Austauschprogramms reiste sie für drei Wochen nach Frankreich. “Dort habe ich eine ganz andere Mentalität kennengelernt. Die Franzosen lassen sich bei ihrem Handwerk viel Zeit. Ich versuche immer wieder, mich daran zu erinnern und diese Leichtigkeit auch in meine Arbeit einfließen zu lassen“, blickt sie zurück.

Seit ihrer Kindheit gehört die Gardinenkonfektion ihrer Familie zu ihrem Leben. Und bei so viel Begeisterung für den Beruf verwundert es nicht, dass Julia Rammler schon
jetzt die eine oder andere Entscheidungsfreiheit erhält “Wir besuchen regelmäßig Fachmessen und wenn mir dort ein Stoff gefällt, wird dieser ins Sortiment aufgenommen.“ Allerdings – und das ist ihr wichtig – wird nur entsprechend dem Bedarf gekauft, um unnötige Abfallstoffe zu vermeiden.

Die nächste Generation steht also schon in den Startlöchern – ein Wunsch bleibt aber noch offen: “Ich würde mich freuen, wenn ich mit jungen Raumausstattern zusammenarbeiten könnte, damit das Handwerk, aber auch das Geschäft, noch lange besteht.“

Noch bis Weihnachten vertieft Julia Rammler ihr Wissen im Bildungszentrum in theoretischen und praktischen Unterrichtseinheiten. Betreuer wie Lehrer stehen mit Rat und Tat zur Seite. Im kommenden Jahr steht die Abschlussprüfung an – und wenn die Zeit gekommen ist, wird sie in die Fußstapfen ihrer Mutter treten. Mit der Hilfe ihres Vaters, Besitzer einer Tischlerei, möchte sie den Kunden dann ein noch umfangreicheres Angebot präsentieren und eines Tages ganze Wohnräume einrichten.