DIHK schraubt Wachstumserwartungen für deutsche Wirtschaft hoch - Verbraucher jedoch skeptisch Beste Aussichten

Die deutschen Volkswirte legen ihre Skepsis hinsichtlich eines sich mit hohem Tempo fortsetzenden Wirtschaftsaufschwungs ab. Nachdem Anfang der Woche das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) seine Wachstumserwartungen hochgeschraubt hatte, zog jetzt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) nach.

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Beste Aussichten

Berlin (dapd). Die deutschen Volkswirte legen ihre Skepsis hinsichtlich eines sich mit hohem Tempo fortsetzenden Wirtschaftsaufschwungs ab. Nachdem Anfang der Woche das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) seine Wachstumserwartungen hochgeschraubt hatte, zog jetzt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) nach. In seinem am Mittwoch vorgestellten Konjunkturbericht erhöhte der Verband seine Prognose für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für dieses Jahr von 3,0 auf 3,5 Prozent. Bei den Konsumenten ist der Optimismus der Experten bislang noch nicht angekommen. Laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ging die Kauflaune der Verbraucher im Mai weiter zurück.

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sagte in Berlin, die für den Bericht befragten Unternehmen beurteilten ihre Geschäftsaussichten derzeit so zuversichtlich wie zuletzt im Boom-Jahr 2007. Ihre aktuelle Lage schätzten die Betriebe sogar besser ein als vor vier Jahren. "Die Wirtschaft läuft auch in diesem Jahr auf vollen Touren", betonte Wansleben.

Binnenwirtschaft trägt

Getragen werde der Aufschwung vom Export wie auch dem Inlandsgeschäft. "Die Binnenwirtschaft übernimmt mehr und mehr die konjunkturelle Stützungsfunktion", sagte Wansleben. Die Investitionsabsichten der Unternehmen verbesserten sich noch einmal leicht und erreichten ein neues Rekordniveau.

Der Arbeitsmarkt profitiere deutlich von der schwungvollen Entwicklung in Import und Export. "In nahezu allen Branchen stehen die Zeichen auf Personalaufbau", sagte Wansleben weiter. "Industrie, Handel und Bau weisen so gute Beschäftigungspläne auf wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr."

Griechenland-Krise und Energiepreise belasten

Bei den Verbrauchern kam die Hochstimmung der Unternehmen nicht an - im Gegenteil: Die Verschärfung der Schuldenkrise in Griechenland und anhaltend hohe Energiepreise bremsten den Optimismus der Konsumenten im Mai weiter. Die Experten des GfK rechnen für Juni mit einem weiteren Rückgang des Konsumklimaindex von 5,7 Punkten im Mai auf 5,5 Zähler. Der Wert war bereits im vergangenen Monat um 0,2 Punkte gesunken.

Die Konjunkturerwartungen der Verbraucher fielen im Mai ebenfalls weniger gut aus als noch im April, mit einem Minus von 1,2 Punkten auf 46,1 Zähler waren die Verluste jedoch bescheiden. Im Vorjahresvergleich ergab sich sogar ein deutliches Plus von mehr als 42 Zählern.

Nach einem moderaten Rückgang im April sank die Einkommenserwartung im Mai jedoch deutlich. Der Indikator fiel auf 25,9 Punkte, das sind gut 9,0 Zähler weniger als im Vormonat. Wesentlicher Grund für den Rückgang sind laut GfK neben den gemäßigteren Konjunkturaussichten die steigenden Preise in der Bundesrepublik.

Zeigte sich die Anschaffungsneigung im Vormonat nahezu unbeeindruckt von nachlassenden Konjunktur- und Einkommensaussichten, ging sie im Mai leicht um 2,7 Punkte zurück. Der aktuelle Wert von 31,5 Punkten signalisiere auch im langfristigen Vergleich nach wie vor ein ausgesprochen gutes Niveau, hieß es. Befördert werde die Kauflaune durch die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: Sinkende Arbeitslosenzahlen ließen auch die Angst vor einem Jobverlust weiter schwinden.

dapd