Der Mittelsand kann sich leichter finanzieren als noch vor Jahresfrist. Das gilt auch für das Handwerk. Viele Unternehmen können ihre Investitionen aus eigenen Mitteln stemmen. Allerdings haben es kleine, junge und innovative Betriebe schwerer als große und alt eingesessene Unternehmen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der KfW-Bankengruppe unter 23 Wirtschaftsverbänden und rund 3.400 Unternehmen, darunter auch knapp 1.700 Handwerksbetriebe.
Karin Birk

Wie die Umfrage zeigt, haben sich die Finanzierungsbedingungen der Mittelständler trotz der anhaltenden Staatsschulden- und Währungskrise positiv entwickelt. „Von Kreditklemme ist weit und breit keine Spur“, sagte der Vorstandsvorsitzende der KfW-Bankengruppe, Ulrich Schröder, zu den Ergebnissen. Auch im Handwerk sieht ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte "keine Anzeichen" für eine Kreditklemme. 72, 6 Prozent der befragten Handwerksbetriebe berichteten von gleich bleibenden beziehungsweise verbesserten Kreditaufnahmebedingungen. Auch der Anteil derer, die schwerer an einen Kredit kommen habe sich um rund fünf Prozentpunkte auf 27,4 Prozent verringert.
Wie in anderen Branchen haben es auch im Handwerk kleine Unternehmen mit einem Umsatz bis zu einer Million Euro tendenziell schwerer, sich einen Kredit zu beschaffen. Selbst in dieser Größenklasse hat sich aber angesichts der guten konjunkturellen Lage die Situation verbessert.
Eigenkapitalquoten machen Schwierigkeiten
Geht es allerdings um die Entscheidung, überhaupt noch einen Kredit zu bekommen, sieht es schlechter aus. Dies gilt insbesondere bei kleineren Handwerksbetrieben mit einem Umsatz von unter einer Million Euro. Hier ist der Anteil derjenigen mit Problemen um 3,1 Prozent auf 29 Prozent gestiegen.
Als Hauptgründe nannte Schulte mangelnde Sicherheiten und Eigenkapitalquoten und Schwierigkeiten, den Dokumentationsanforderungen der Kreditinstitute zu genügen. Dabei treten derartige Schwierigkeiten bei Handwerksbetrieben, die hauptsächlich mit Geschäftsbanken zusammenarbeiten besonders deutlich hervor. Hier gaben knapp 28 Prozent der Handwerksunternehmer an, entsprechende Probleme zu haben. Arbeiteten sie dagegen vor allem mit Genossenschaftsbanken zusammen lag der Anteil bei 14,8 Prozent und bei Sparkassen bei 17 Prozent.
Gute Konditionen für den Mittelstand
Mit Blick auf die Zinsen sagte Schröder: "Der Mittelstand hat noch nie so günstige Konditionen bekommen wie derzeit." Je nach Betrieb und Bonität können die Zinsen dennoch unterschiedlich ausfallen. So mussten auch im Handwerk rund 27 Prozent der teilnehmenden Betriebe steigende Zinsen akzeptieren, während 24,4 Prozent sinkende Zinsen erreichen konnten.
Dies hängt auch damit zusammen, dass mehr Unternehmen ihr Rating, also die Einschätzung ihrer Bonität, verbessern konnten und weniger Unternehmen ein schlechteres Rating vorweisen mussten. Wie die Umfrage weiter deutlich machte, gibt es aber insbesondere bei kleinen Unternehmen viele Handwerksunternehmer, die ihr Rating nicht kennen.