Die Finanzierungsbedingungen für deutsche Unternehmen sind so gut wie schon lange nicht mehr. Das gilt auch für das Handwerk. Allerdings haben es kleine und junge Unternehmen nach wie vor schwerer.
Karin Birk

Das Finanzierungsklima hat sich angesichts der guten Konjunktur und der niedrigen Zinsen in den vergangenen zwölf Monaten weiter erholt. "Wir haben insgesamt eine deutliche Verbesserung", sagt der Vorstandsvorsitzende der KfW-Bankengruppe, Ulrich Schröder, mit Blick auf eine mit Wirtschaftsverbänden durchgeführten Befragung unter knapp 3.400 Unternehmen.
Insgesamt hätten nur noch 18 (Vorjahreszeitraum: 22) Prozent der befragten Unternehmen von erhöhten Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahmen berichtet. Nicht ganz so gut sehe es bei kleinen und jungen Unternehmen aus. So klagen 28 Prozent der Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als einer Million Euro über einen erschwerten Kreditzugang. Bei jungen Unternehmen seien es 24 Prozent gewesen.
Keine Verbesserung bei kleinen Handwerksunternehmen
Auch im Handwerk haben es die Unternehmen unter dem Strich leichter. „Die Finanzierungsbedingungen haben sich leicht verbessert“, sagt Alexander Barthel, Chef-Volkswirt des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Allerdings gebe es auch hier beträchtliche Unterschiede zwischen großen und kleinen Unternehmen. Während bei großen Handwerksunternehmen mit einem Umsatz von mehr als einer Million Euro die Zahl der Unternehmen mit Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme abgenommen habe, sei die Zahl bei den kleinen Handwerksunternehmen konstant geblieben.
Als Grund für die Schwierigkeiten bei einer Kreditfinanzierung nennt Barthel nach wie vor mangelnde Sicherheiten und eine zu niedrige Eigenkapitalquote. Hier seien verstärkt auch die Bürgschaftsbanken gefragt, ergänzte er. Als "vergleichsweise stabil" bezeichnet Barthel die Investitionsneigung im Handwerk, wobei auch hier mehr große als kleine Handwerksunternehmen investierten. Insgesamt ist die Investitionsbereitschaft der Unternehmen nach den Worten Schröders trotz erleichterter Finanzierungsbedingungen allerdings gesunken.
KfW-Chef warnt vor Preisblasen durch Niedrig-Zinspolitik
Kritisch sieht KfW-Chef Schröder auch die unterschiedliche Entwicklung der Finanzierungsbedingungen für Unternehmen innerhalb Europas. In Deutschland hätten sie sich zwar verbessert, in anderen Ländern Europas sehe es aber ganz anders aus.. „Das bringt die Europäische Zentralbank in eine schwierige Situation“, sagt er mit Blick auf deren anhaltende Niedrigzinspolitik und der Gefahr möglicher Preisblasen.
Wie die Untersuchung weiter ergab, haben knapp die Hälfte der befragten Unternehmen in den vergangenen drei Jahren Maßnahmen ergriffen, um ihren Energieverbrauch zu senken. 18 Prozent der Unternehmen planten sie noch, sagt KfW-Chef-Volkswirt Jörg Zeuner. Vorreiter seien dabei vor allem die großen Unternehmen. Als Gründe für die Zurückhaltung nennt Zeuner Informationsdefizite über geeignete Maßnahmen und deren Einsparpotenzial sowie Personalmangel und die Erwartung an eine möglichst kurze Amortisationszeit. Hier gebe es noch erhebliches Beratungs- und Förderpotenzial, fügt er hinzu.