Zentralverband des Deutschen Handwerks Bessere Bildung statt Ausbildungszuschuss

Der Ausbildungsbonus provoziert Mitnahmeeffekte. "Im Gesetzgebungsverfahren müssen daher die Kriterien enger gefasst werden", fordert ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer. Besser als Zuschüsse sind Investitionen in Vorschule und Schule.

Bessere Bildung statt Ausbildungszuschuss

"Schulabgänger brauchen einen vernünftigen Abschluss vor der Berufsausbildung. Zehn Prozent eines jeden Jahrgangs bringen dies jedoch nicht mit. Das ist keine Erfindung ausbildungsmüder Handwerksmeister, sondern die offizielle Statistik. Das Handwerk kümmert sich auch um diese Jugendlichen, wenn sie denn wollen. Knapp die Hälfte unserer Azubis kommt von der Hauptschule, fast 5 Prozent haben keinen Schulabschluss", erklärt Schleyer in einem Beitrag für die Braunschweiger Zeitung.

Die allermeisten erwerben den Gesellenbrief. Das kostet den Schweiß beider Seiten: "Unsere Betriebe organisieren Nachhilfe für theorieschwache Jugendliche, schaffen Teilzeitausbildung für junge Alleiner-ziehende oder besorgen Wohnungen für Azubis aus sozial schwachen Familien."

"Handwerksbetriebe können jedoch nicht bei jedem Lehrling ausbügeln, was Schule und Elternhaus vorher versäumt haben. Zu viele können auch nach 10 Schuljahren nicht ausreichend rechnen, schreiben und lesen. Mit der Qualifikationsoffensive der Bundesregierung soll sich das ändern", fordert Schleyer.

Der hier ebenfalls vorgesehene Ausbildungsbonus wirke wie ein Fremdkör-per. Ein Bonus für (fast) jeden Altbewerber, der nicht sofort die Wunschlehrstelle gefunden hat, und nun seinem Lehrherrn Geld vom Staat mitbringt – das sei ein klassischer Fehlanreiz und führe nur zu Mitnahmeeffekten. "Zumal ausgerechnet diejenigen Betriebe im Handwerk leer ausgehen, die bereits seit Jahren bei der Integration leistungsschwächerer Jugendlicher hervorragendes leisten – und hier nicht mehr draufsatteln können. Es profitieren die Betriebe, die bislang wenig ausbilden und nun zulegen", sagt der Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).

Solche Maßnahmen würden nur Sinn für diejenigen machen, die leistungsschwach und sozial auffällig sind, die eine umfassende, professionelle soziale Betreuung brauchen. "Im Gesetzgebungsverfahren müssen daher die Kriterien für den Bonus deutlich enger gefasst werden."

"Aber: Besser investiert wäre das Geld in Vorschule und Schule – nicht zuletzt um eines der Ziele der Qualifikationsoffensive zu erreichen, die Halbierung der Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss", erklärt Schleyer.

pc