Leitartikel Beschämendes Trauerspiel

Die Bilanz zum Jahreswechsel 2012/2013 fällt zwiespältig aus und wir müssen warnen: Die politische Lähmung darf nicht auf die Wirtschaft übergreifen. Das Handwerk bleibt auch für das kommende Jahr optimistisch.

Lothar Semper

Dr. Lothar Semper, stellvertretender Chefredakteur der Deutschen Handwerks Zeitung. - © Kasia Sander
Dr. Lothar Semper

Wenn Sie diesen Leitartikel lesen, dann haben wir den Weltuntergang, den manche Deuter des Maya-Kalenders für den 21. Dezember 2012 vorhergesagt hatten, erfolgreich überlebt. So weit die gute Nachricht. Allerdings geht die Menschheit mit sich und dem Planeten Erde doch manchmal so um, dass einem Zweifel kommen, ob alle auch wirklich ein nachhaltiges Interesse am Fortbestand haben.

In vielen Staaten der Erde hauen sich die Menschen nach wie vor gegenseitig die Köpfe ein, statt friedlich miteinander an der Zukunft zu bauen. Dieses zum dauerhaften Überleben notwendige Miteinander hätte auch die Weltklima-Konferenz in Doha deutlich mehr prägen müssen.

Mit blauem Auge davongekommen

Von der großen Welt ins kleine Deutschland: Wie fällt hierzulande die Jahresbilanz aus? Wirtschaftlich sind wir angesichts des gerade in Europa schwierigen Umfelds – etliche Volkswirtschaften befinden sich hier schon in der Rezession – noch mit einem blauen Auge davongekommen. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2012 um etwa 0,8 Prozent gewachsen sein. Das mag wenig erscheinen, aber auch das bedeutet in Euro gerechnet ein deutliches Mehr an Gütern und Dienstleistungen.

Das Handwerk konnte – wie auch der Konjunkturrückblick in dieser Ausgabe zeigt – angesichts des Rekordwachstums im Jahre 2011 dieses Niveau nicht mehr erreichen. Die Betriebe sind aber bezüglich der weiteren Entwicklung nach wie vor sehr optimistisch.

Dieser Optimismus sollte auch gerechtfertigt sein. Denn trotz eingetrübter gesamtwirtschaftlicher Erwartungen für das kommende Jahr dürften gerade die Komponenten, wo das Handwerk seine Schwerpunkte hat – Bau und privater Verbrauch, überdurchschnittlich wachsen.

Märchen vom armen Staat

Sorgenkind der Handwerkskonjunktur bleibt das Kfz-Handwerk; die industriellen Zulieferer dürften die internationalen Absatzschwierigkeiten ihrer Auftraggeber zu spüren bekommen.

Von der wirtschaftlichen zur politischen Bilanz: Sie fällt deutlich getrübter aus. Trotz Rekordeinnahmen des Staates steigen dessen Schulden. Und trotz des gefüllten Staatssäckels erzählt man uns Märchen vom armen Staat, der höhere Steuern braucht. Es muss stattdessen mehr darüber diskutiert werden, ob mit den staatlichen Einnahmen unter Priorität der Haushaltskonsolidierung auch die richtigen Ausgaben getätigt werden.

Hinzu kommen muss dabei auch eine Langfristbetrachtung; beispielsweise sind die hohen Pensionslasten der kommenden Jahrzehnte längst bekannt, aber werden doch weitgehend in den Planungen ignoriert. Aber was in der Politik dieses Landes noch geht, offenbarte rund ein Dreivierteljahr vor der nächsten Bundestagswahl kürzlich der Vermittlungsausschuss zwischen Bundestag und Bundesrat: nämlich Stillstand. Das wird leider auch die nächste Zeit bis nach der Bundestagswahl prägen. Und über allem schwebt zusätzlich das Damoklesschwert der Schuldenkrise europäischer Staaten. Die Euro-Rettung ist noch längst nicht geglückt.

Blackout mit Folgen

Was bedeutet das alles für das Handwerk? Dieser Wirtschaftsbereich hat Potenzial und er hat Stärke. Darauf muss er sich besinnen und konzentrieren – getreu dem Motto der Imagekampagne: Wir sind Handwerker – wir können das!

Vielleicht sollten sich auch die politisch Verantwortlichen das Ziel geben: Wir sind Politiker – wir können das! Ein Feld, wo sie dies dringend unter Beweis stellen sollten, ist zudem die Energiepolitik. Sonst droht zwar nicht der Weltuntergang, aber ein Blackout mit erheblichen Folgen.