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Werkverkehrsversicherung für Handwerksbetriebe Beschädigtes Transportgut: Was ist versichert und was nicht?

Handwerksbetriebe arbeiten nicht nur bei ihren Kunden. Sie liefern mit ihren Transportern auch Waren oder bringen Material zur Baustelle. Auf eigene Kosten und Risiko. Wenn ihr Transporter auf dem Weg zum Kunden in einen Unfall gerät, dann ist der Wagen zwar versichert. Aber wer bezahlt das beschädigte Transportgut bei einem Unfall oder nach einem Diebstahl?

Der Fahrer einer Glaserei transportiert Halbfertigteile zu einem Zweigbetrieb des Unternehmens. Auf der Autobahn wird er zu einer Notbremsung gezwungen. Er kann einen Auffahrunfall nicht mehr vermeiden. Bei dem Aufprall wird nicht nur der Transporter beschädigt. Auch die geladenen Glasteile sind trotz guter Ladungssicherung schwer beschädigt. Schaden: 10.000 Euro. Wer bezahlt das, wenn es keinen Schuldigen gibt oder die juristischen Folgen sich scheinbar endlos hinziehen?

Wohl jeder Handwerksbetrieb hat seine Werkstatt mit der Gebäudeversicherung gegen Feuer oder Sturm versichert. Alles was im Gebäude drin ist, auch: mit der bekannten Geschäftsversicherung. Diese ist im Grunde nichts anderes als die Hausratpolice für Gewerbetreibende. Sie schützt alles, was aus dem Haus rausfallen könnte, wenn man das Gebäude umdrehte und auskippte – banal gesagt. Beim Sprinter oder dem VW-Transporter des Handwerkers ist das ähnlich.

Der Transporter, mit dem der Meisterbetrieb seine Mannschaft, Waren und Materialen zum Kunden bringt, wird von der Kfz-Police geschützt. Entsprechende Haftpflicht- oder Eigenschäden (Kasko) am Fahrzeug werden von der Autoversicherung gedeckt. So dass zumindest finanziell nichts Schlimmes passiert, wenn der Wagen unterwegs in einen Unfall gerät und vielleicht gar umfällt. Aber alles was rausfällt oder von der Ladefläche runterfallen kann, muss der Betrieb gesondert versichern, mit der so genannten Werkverkehrsversicherung.

Werkverkehrsversicherung für Handwerksbetriebe

Ein Elektromeister ist mit seinem Transporter zum Kunden gefahren. Dort angekommen hat er den Wagen ordnungsgemäß geparkt, während er auf der Baustelle arbeitet. Als er zwei Stunden später zurückkommt, ist sein VW-Bus weg. Gestohlen. Die Ladung des Busses auch. Werkzeug und Waren im Wert von 5.000 Euro. Den verschwundenen Wagen ersetzt die Teilkasko. Den Inhalt des Laderaums bezahlt, falls der Meister so eine Police gekauft hat, eine Werkverkehrsversicherung. Ein typisch deutsch langes Wort – kurz erklärt:

Erste Frage: Was kostet das? Der Versicherungsmakler Assma, Berlin, nennt auf seiner Internetseite branchentypische Preisbeispiele der Versicherer. Ein Lieferwagen kostet bei einer Versicherungssumme von 12.000 Euro pro Jahr 250 Euro. Plus 19 Prozent Versicherungssteuer. Diese Steuer, ist zwar eine Betriebsausgabe, die den Gewinn des Betriebs mindert, aber kein durchlaufender kostenneutraler Posten wie die Umsatzsteuer.

Betrachten wir einen größeren Meisterbetrieb. Für acht Lieferwagen, die im Beispiel je Transporter lediglich 3.500 Euro Werte transportieren, ruft Makler Assma 550 Euro Nettoprämie für die Werkverkehrspolice auf. Wichtig ist es für den Handwerksmeister, mit dem Versicherer zu klären, wieviele Fahrzeuge im Schnitt wie hohe Werte für den Betrieb transportieren oder an Kunden liefern. Als Faustregel rechnen Experten bei den Kosten der Police mit zwei bis drei Prozent des Transportwertes, also dem Inhaltswert ihrer Transporter.

Was ist versichert?

Die Werkverkehrsversicherung schützt grundsätzlich alle Gegenstände, die sich im Fahrzeug oder auf der Ladefläche des Transporters befinden, gegen Schäden oder Verlust, etwa bei Diebstahl. Das bezieht sich nicht nur auf die beim Kunden abzuliefernden Waren oder Materialien, sondern auch auf Werkzeuge des Betriebs. Auch permanent im Laderaum befindliche Handmaschinen oder fest eingebaute Werkstattteile wie Regale oder Werkbänke zählen dazu.

Die Versicherung bezahlt Schäden infolge eines Unfalls, meistens auch beschädigte Ladung wegen einer Notbremsung ohne eigentlichen Fahrzeugschaden. Selbiges gilt für den Einbruch ins Fahrzeug, dessen Diebstahl als Ganzes oder lediglich der Ladung; eben den Inhalt des Transporters. Im Fahrzeug befindliche Sachen sind meistens ab 6 Uhr am Morgen und bis 22 Uhr am Abend versichert, gegen Zuschlag auch die ganze Nacht über.

Und was ist nicht versichert?

Ebenfalls teurer für den Handwerksbetrieb wird die Police, wenn etwa Werkzeugkisten dauernd zwar abschließbar, aber auf einer offenen Pritsche gelagert werden. Gleiches gilt für Wertgegenstände, etwa wenn ein Restaurator historische Kunstwerke nicht nur bearbeitet, sondern auch transportiert. Dann, besonders bei hohen Werten, sollte der Versicherer angesprochen werden. Hierfür gibt es auch spezielle Kunstversicherer wie die Axa oder den Versicherer Hiscox.

Grundsätzlich versichert die Werkverkehrspolice keine Transportprofis: Speditionen. Hierfür gibt es eigene Policen. Die sind komplizierter und vor allem teurer. Aber der Werkverkehr, also der betriebsinterne Transport von Gütern des Betriebs, ist wie beschrieben versichert. Hier gilt jedoch eine letzte erwähnenswerte Einschränkung: Die Sachen im Transporter bezahlt die Werkverkehrspolice bei Verlust oder Beschädigung zwar. Nicht aber Vermögensschäden.

Kaufen bei zwei bis drei Prozent

Dies meint Verluste, die dem Betrieb entstehen, wenn seine Waren unterwegs verloren oder kaputtgehen und in der Folge der Umsatz des Betriebes ausfällt. Zum Beispiel: Ein Metzger liefert Fleisch- und Wurstwaren für ein Buffet. Unterwegs, bei einer Pause auf dem Autobahnrastplatz, wird sein Transporter gestohlen. Dann ersetzt ihm die Werkverkehrsversicherung zwar den Warenschaden – nicht aber den entgangenen Gewinn.

Dennoch: Wer sich als Handwerksmeister einmal buchstäblich vor Augen führen will, welchen Wert er in seinen zwei, drei oder mehr VW-Bussen regelmäßig transportiert (und riskiert), der sollte einmal auf seinen Werkstatthof gehen. Fahrzeug aufschließen, Hecktüren öffnen und ausladen. Und dann den vielen "Kleinkram" durchzählen, die "Preisschilder dranhängen" und zusammenzählen: das ist die Versicherungssumme. Für die Werkverkehrsversicherung. Kaufen bei zwei bis drei Prozent pro Jahr.

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